Franz Münchinger ist ein schlimmer Finger, schon in jungen Jahren. Als "ewiger Stenz", ein stets aufs äußere Erscheinungsbild achtender immer cool wirkende Aufreisser, jagt er von einem weiblichen Abenteuer zum nächsten. Kein Wunder, daß eine seiner Liebschaften auch unfreiwillig geschwängert wurde: Lisi. So hat der "Monaco Franze" einen unehelichen Sohn in die Welt gesetzt.
Dieses Ereignis bewog ihn doch ein wenig sesshaft zu werden. Zusammen mit Freund Manni Kopfeck geht er als Kriminalbeamter in den Staatsdienst, um mit Hilfe seiner zahlreichen Kontakte in die halbseidene Unterwelt dem Verbrechen den Garaus zu machen. Auch privat ändert sich viel. Er ehelicht Annette, eine aus besseren Kreisen stammende attraktive und wohlhabende Dame, deren Freizeitvergnügen aus Malen und Opernbesuche besteht - eine völlig konträre Welt zu der des Monaco. Seine Frau versucht ihn dauernd in ihre Welt einzuführen und ihren Freunden vorzustellen, doch Monaco ist nie um eine Ausrede verlegen daran nicht teilnehmen zu müssen. Die seltenen Ausnahmen, wenn er eben nicht drumherum kommt und mitgehen muss, sind ihm sichtlich zuwider.
Der einzige, der dies versteht ist Manni, bester Freund und Kollege. Zwanzig Jahre verheiratet sein mit einer Frau, die so gar nicht zu ihm paßt - das ist eben auch solch ein Abenteuer, wie Monaco sie laufend auch außerhalb seiner Ehe sucht.
Obwohl er als Kriminaler recht erfolgreich ist, liegt ihm seine Frau Annette seit Jahren in den Ohren, er solle doch endlich diesen anstrengenden und gefährlichen Job aufgeben. Sie ahnt halt nicht, daß all die Schilderungen seines Jobs der Phantasie entspringen um dem nächsten Opernbesuch zu entgehen oder ein Alibi für ein amouröses Abenteuer zu haben. Er denkt gar nicht daran, seinen lauen und Ausreden bringenden Job aufzugeben - wie soll er dann Nachtdienste und Überstunden begründen können? Doch eine ärztliche Untersuchung bringt es zu Tage: Er muss den Dienst quittieren aus gesundheitlichen Gründen. Aber Monaco wäre kein echter Stenz, wenn ihm hier nicht was einfallen würde. Als Privatdetektiv macht er da weiter, wo er als Kriminalbeamter aufhören musste: bei den jungen hübschen Frauen.
Helmut Fischer mimt den Monaco Franze nicht, er spielt ihn nicht, nein - er ist es. Die Person Fischer und die Figur des ewigen Stenz sind untrennbar miteinander verknüpft. Mögen die Geschichten auch erfunden sein, die Person des Franz Münchinger ist es nicht. Helmut Dietl verfilmte zwar ein hervorragendes Drehbuch, doch wäre ohne Helmut Fischer der Erfolg undenkbar gewesen. Die Geschichten sind von der reinen Handlungsseite her nämlich eher zu vernachlässigen, erst Helmut Fischer gibt der Serie den Pep, den sie benötigt. Denn er ist genauso ein Charmeur und Playboy wie die zu spielende Figur des Monaco Franze. Auch seinen Lebenslauf zieren zahlreiche Affären und Skandale. "Spatzl, schau wie ich schau" beichtet Serienheld Monaco Franze seine Fehltritte mit lausbubenhaftem Lächeln und devotem Blick und die Herzen schmolzen. Das seiner Frau, aber auch die seiner Fans.
"Monaco Franze" ist die Verfilmung von der Person Fischer selbst und naturgemäß seine Paraderolle. Ruth-Maria Kubitschek als seine Gattin paßt dazu wie angegossen, das intellektuelle Gehabe nimmt man ihr ebenso überzeugend ab wie Fischers Rolle des "ewigen Stenz". Mit von der Partie ist Christine Kaufmann als Olga, die Angestellte in Annettes Antiquitätenladen ist und Gisela Schneeberger als Elli, eine der Flirtschaften von Monaco ("immer des Gschiss mit der Elli!").
Als Helmut Fischer 1997 verstarb sagte Freund und Nachbar Christian Ude, Oberbürgermeister Münchens, in seiner ergreifenden Trauerrede: "Er hat sich mit vielen liebenswerten Rollen, vor allem aber als Monaco Franze in die Herzen des Publikums gespielt und wird diesen Platz auch behalten. Populär war er in ganz Deutschland, in München wurde er geliebt".
Aber auch Nichtmünchner, so wie ich einer bin, lieben den Monaco Franze. Denn Stenz und Macho-Aufreisser sind zweierlei. Der eine hat Stil, Charme und Humor, der andere ist plump. Der eine sucht das ewige Abenteuer, ihm geht es um den Vorgang der Eroberung an sich, dem anderen geht es nur ums Ergebnis. Beim Stenz ist der Weg das Ziel - und dieser Weg ist von Dietl auf herrlich unterhaltsame Weise verfilmt worden. Witzig, zum Lachen, zum Nachdenken - in jedem Falle aber zum Lieben.
(10/10)