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Einst von mir im superspäten Nachtprogramm der Privaten entdeckt, musste nach dem Ansehen dieses Streifens gleich die DVD her. Phil Joanou zauberte hier 1990 einen absoluten Geheimtipp im Gangstergenre hin, der wie so oft in die Lichterflut des nächtlichen New Yorks eintaucht. Motiv ist das dortige, irische Gangsterwesen.

Terry Noonan ist mittlerweile ein Polizist geworden. Zusammen mit einem Kollegen (John Turturro) ermittelt er verdeckt in der Drogenszene und fingiert Heroindeals, um die Gangster in die Zange zu nehmen. Irgendwann verschlägt es ihn in seine ehemalige Heimat, Hells Kitchen, das Irenviertel von New York. Hier tobt das Verbrechen als Krieg zwischen Iren und der Mafia. Terry nimmt, um einen Fuß in die Tür zu bekommen, Kontakt mit seinem alten Freund Jack Flanery auf (wieder mal voll in seinem Element: Gary Oldman). Der tollwütige Hitzkopf lässt kaum einen Konflikt aus und spannt seinen Freund gleich in seine destruktiven Aktivitäten ein. Terrys Konzentration ist derweil voll und ganz auf Jacks Familie gerichtet: Bruder Frank (böse: Ed Harris) scheint mittlerweile zum großen Boss aufgestiegen zu sein und kristallisiert sich mehr und mehr als Ziel von Terrys Ermittlungen heraus, während deren Schwester Kathleen (Robin Wright Penn) altes Feuer neu entzündet. Schnell steckt Terry in einem gewaltigen Konflikt zwischen Gesetzespflicht und Gefühlen, doch die Skrupellosigkeit von Frank und die der Mafia lässt ihn schnell einen finalen Entschluss fassen...

Hier haben wir mal wieder einen der Sorte unbekannt, der die Höchstnote mehr als verdient hat. Atmosphäre wird hier wahrlich groß geschrieben; in vielen großen Genreepen vermisst man die immer mal wieder ein wenig, doch hier genießt man nicht nur schmutzige Hinterhöfe und billige Geschäfte, sondern auch bezaubernde Großstadtatmosphäre, die einmal mehr vom Musik – Magier Ennio Morricone (der auf mich eine magische Anziehungskraft auszuüben scheint) mit einem brillanten Score unterlegt wird, den man schon gleich im verwaschen-schummrigen Vorspann voll abbekommt und sich wünscht, der Film würde nur aus Vorspann bestehen. Die Hauptakteure haben leichtes Spiel, hier absolut glaubwürdige Rollen abzugeben, allen voran mal wieder Gary Oldman, der den cholerischen Junkie bis zur Perfektion zu beherrschen scheint. Edelmime Sean Penn ist einfach nur wunderbar anzuschauen in seiner gammeligen Lederjacke, und gerade im blutigen Showdown zeigt der Regisseur, dass er nicht nur mit sanftem Pinsel malen kann. Hier zieht man alle Register und baut sämtliche Merkmale von epischem Gangsterklassiker in das Spiel ein, ohne sich allein darauf zu verlassen – die Kamera nimmt sich viel Zeit bevor ausgeblendet wird, Charaktere werden tief beleuchtet und viele Klischees werden gekonnt ausgelassen. Die Gewalt hält sich zurück, kommt jedoch in gelegentlichen Ausbrüchen und einem fulminanten Finale richtig zur Geltung. So entstand ein eher stilleres Werk, welches sich jedoch nicht hinter den Größen des Genres zu verstecken braucht: wer Filme wie Scarface, Der Pate, Carlitos Way, GoodFellas, Casino oder Es war einmal in Amerika über alles liebt, sollte auch diesen Streifen hier im Schrank stehen haben!

Insgesamt ein fantastischer Film mit allem, was sich der Gangsterfreund wünschen kann, darüber hinaus als exzellente DVD von Metro Goldwyn Mayer erschienen, mit gestochen scharfem Bild und perfektem Ton. Ist für relativ kleines Geld zu haben, was für jeden Filmfreund spätestens Anlass sein sollte, sich diese Genreperle nach Hause zu holen.

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