Hartes und packendes Gangsterdrama, das beinahe die Klasse von den ganz großen Genrefilmen wie „Der Pate“ erreicht.
Schon der Auftakt ist Atmosphäre: Kleingangster Terry Noonan (Sean Penn) will einen Deal durchziehen, doch seine Geschäftspartner wollen ihm ans Leder. Es kommt zum Streit, Terry erschießt einen seiner Partner und muss von da an untertauchen. Das Ganze spielt in nebeligen Seitenstraßen und Hinterhöfen, die genau das richtige Ambiente bieten. Derartige eingängige Stadtaufnahmen finden sich zuhauf in „Im Vorhof der Hölle“, denn gerade die Atmosphäre ist einer der größten Pluspunkte dieses sehr eingängigen Gangsterdramas.
Um unterzutauchen begibt sich Terry in sein altes Viertel Hells Kitchen, in dem er aufgewachsen ist und das er zehn Jahre nicht gesehen hat. Bald trifft er auf seinen Jugendfreund Jackie Flannery (Gary Oldman), ebenfalls ein Kleingangster. Jackies Bruder Frankie (Ed Harris) macht inzwischen das große Geschäft, denn er ist zum Oberhaupt des irischen Pendants zur Mafia aufgestiegen. Durch die irische Verbrecherorganisation unterscheidet sich „Im Vorhof der Hölle“ von den meisten anderen Gangsterfilmen, die ja meist die italienische Mafia behandeln, und entwickelt einen durchaus eigenen Stil.
Terry erhält von Frankie eine Anstellung und wird wieder integriert. Es wallen sogar wieder Gefühle für seine Jugendliebe Kathleen (Robin Wright Penn), die Schwester der Flannery-Brüder, auf. Doch dies ist nicht gerade günstig, denn Terry ist inzwischen Undercover Cop und ermittelt gegen seine ehemaligen Freunde…
„Im Vorhof der Hölle“ ist ein wirklich packendes Drama, das zwar etwas von dem üblichen verdeckter-Ermittler-Polizeifilm hat, aber größtenteils Gangsterfilm ist. So steht Terrys Polizistenlaufbahn etwas außen vor und stattdessen beschreibt „Im Vorhof der Hölle“ packend, wie Terry erkennt, dass sich seine Freunde von einst verändert haben: Jackie ist gewalttätig und leidet unter Stimmungsschwankungen, Frankie geht fürs Geschäft eiskalt über Leichen, während Kathleen endlich ein ehrliches Leben führen will. Dabei nimmt sich „Im Vorhof der Hölle“ viel Zeit für die Charaktere und schafft es sehr emotional zu werden. Egal ob Frankie kaltblütig selbst Leute aus seinem Umfeld ermordet oder Terry bald zwischen Pflicht und Freundschaft zerrissen ist, stets ist „Im Vorhof der Hölle“ sehr eingängig.
Großen Verdienst daran tragen die Schauspieler, allen voran ein mal wieder großartiger Sean, der die oben angesprochene Zerrissenheit Terrys wunderbar rüberbringt. Ed Harris als berechnender Gangsterboss ist ebenso gut und beweist fast soviel Charisma wie in seiner Rolle in „The Rock“. Gary Oldman steht den beiden nur knapp nach und scheint schon mal für seine spätere Paraderolle zu üben: Den Fiesling, der jederzeit in Gewalt ausbrechen kann, aber auch seine Zusammenbrüche und Schwächen. Da kann der Supportcast trotz ebenfalls guter Leistungen nicht ganz mithalten, denn der Film gehört eindeutig diesen drei Darstellern.
Wie die meisten Gangsterdramen hat auch „Im Vorhof der Hölle“ Überlange, aber schafft es fast durchweg spannend zu bleiben. Die Enthüllung, dass Terry verdeckter Ermittler ist, kommt vielleicht etwas früh, aber sonst beweist Regisseur Phil Joanou viel Gespür für das richtige Tempo und Timing. Bestes Beispiel wäre die Sequenz, in der Terry und eine Truppe Gangster auf einen Anruf warten – falls dieser nicht kommt, sollen sie ein Blutbad anrichten. Terry will das natürlich verhindern, die Situation spitzt sich immer weiter zu und die Spannung erreicht ungeahnte Höhen.
Leider kann „Im Vorhof der Hölle“ nicht durchweg so spannend bleiben und so gibt es kleinere Hänger. Vor allem gegen Ende gerät die Geschichte etwas ins Stottern, ehe das grandiose Finale am St. Patricks Day den Film furios abschließt. Dies besteht aus seinem genialen Shoot-Out, das an John Woo erinnert, denn hier wird in Zeitlupe mit sehr blutigen Einschüssen für reinen Tisch gesorgt. Im Gegensatz zu Woo ist die Szene aber sehr realistisch gehalten, denn hier legt ein einzelner Mann keine Gegnerhorden um, sondern die Kontrahentenmenge bleibt überschaubar und realistisch.
Schlussendlich ist „Im Vorhof der Hölle“ ein ziemlich spannendes, genial gespieltes Gangsterdrama mit tollem Finale. Aufgrund kleinerer Hänger wird die Klasse von „Der Pate“ zwar nicht ganz erreicht, aber eine klare Empfehlung für jeden, der etwas mit diesem Genre anfangen kann.