Obgleich er im Endeffekt einen positiven Eindruck hinterlässt, wird dieser kleine Independent-Psycho-Thriller es schwer haben, sein Publikum zu finden.
Begrenzt auf einen Schauplatz mit nur wenigen Figuren und, was vor allem auffällig ist: Das Drehbuch setzt ganz gezielt auf durchweg unsympathische Charaktere, was ein latentes Unbehagen beim Betrachter auslöst.
Titelfigur Marcus ist ein Psychopath: Soeben hat er die junge Frau Brooke in ihrem eigenen Haus in der Badewanne zum Verbluten abgelegt und empfängt im selbigen ein paar Gäste zum Weihnachtsessen. Marcus gibt sich als ihr neuer Freund aus, der von Brooke gebeten worden sei, sie kurzfristig zu vertreten. Noch ahnt niemand der Gäste, welches Spiel Marcus treibt und wie er die Anwesenden gegeneinander auszuspielen droht…
Nach einem etwas kryptischen Einstieg, der bereits einige kurze Szenen des Verlaufs vorweg nimmt, benötigt es eine ganze Weile, bis man überhaupt Interesse am Geschehen aufbringen kann. Niemand der Gäste kann den anderen ausstehen, der Bruder der Gastgeberin trifft auf seine Ex, dessen Neue mag niemand, dann noch ein Ex und noch eine Verflossene, - da sind Spannungen vorprogrammiert, es kommt zu diversen Zwiegesprächen, einer knallt seiner Ex eine und mittendrin Marcus, der sich immer mal wieder ins Bad verzieht, vehement aufs Nichtrauchen in der Wohnung besteht und mit unterdrückt aggressiven, aber sehr bestimmenden Tonfall die Runde zu leiten versucht.
Dabei ist es schon verwunderlich, dass Marcus Anwesenheit kaum hinterfragt wird, Brookes Abwesenheit ebenfalls kaum und die vagen Geräusche, die eine Zeit lang aus dem Bad kommen, einschließlich als Marcus die Sterbende anbrüllt, hört offenbar auch niemand.
Und obwohl jeder gegen den anderen stichelt, kommt niemandem der Gedanke, das Haus einfach wieder zu verlassen.
Über Motiv und Ziel des Psychopathen erfährt man bis zuletzt nichts, vermutlich verfügt er über gute medizinische Grundkenntnisse, benötigt die ständige Kontrolle der Situation, zehrt vom Gefühl der Macht und hält Schnappschüsse seines Treibens mit der Digitalkamera fest.
Die anfangs trostlose Stimmung wird jedoch im Verlauf konsequent fortgesetzt und das Unbehagen wächst stetig, da Marcus ein hohes Wagnis eingeht und mit dem Risiko spielt, vorzeitig aufzufliegen.
Geschickt wird ein Geheimnis am Essenstisch enthüllt, für eine weitere Enthüllung hat Marcus bereits im Vorfeld gesorgt, was eine weitere Person ins trübe Licht der erzürnten Zeugen stellt.
Am Ende findet eine Rangelei statt, ein Nasenbluten kommt dem Killer eher ungeplant zugute, doch am Ende geht alles ein wenig zu schnell.
Der Showdown wirkt, im Gegensatz zum etwas schwerfälligen Einstieg, viel zu abrupt und überstürzt im Ablauf, denn nachdem ausschließlich Dialoge das Geschehen beherrschten, kommt final ein wenig Tempo auf und man versucht innerhalb weniger Minuten entscheidende Momente zu komprimieren.
Die Handlung fokussiert sich also komplett auf Interaktion der Charaktere, ergo müssen die Darsteller eine Menge tragen. Die meisten Mimen agieren passabel, doch ausgerechnet Debütant Ross Kurt wirkt in der Titelrolle als Marcus in manchen Einstellungen ein wenig hölzern, in anderen neigt er zum Overacting. Allerdings vermag er den Ausdruck des Unberechenbaren recht gut zu transportieren.
Mit einfachsten Mitteln entstand ein am Ende recht verstörender Stoff, der ab einem bestimmten Zeitpunkt fesselt, obgleich man mit keinem Protagonisten mitfiebert.
Das äußerst geringe Budget der Regiedebütanten Hardison/Robinson sieht man der Produktion kaum an, mit kleinen Lücken und dramaturgischen Schwächen innerhalb des Plots kann man leben und die Laufzeit von rund 78 Minuten ist dem Sujet absolut angemessen.
Nichts, was in Ansätzen positive Stimmung verbreitet, doch das perfide Spiel mit bitterbösen Enthüllungen wird stellenweise überraschend gut auf den Punkt gebracht.
6,5 von 10