Robert Brenneis ist ein Looser, ein absoluter Verlierer wie er im Buche steht. So schlimm, daß selbst seine Frau kurz vor dem Davonlaufen ist. Das liegt hauptsächlich daran, daß aus seiner Musikerkarriere nichts wurde und das einstige erfolgssüchtige Multitalent nun als Musikprofessor vor sich hin wurstelt, im Hinterzimmer noch etwas Musik machen darf und zusehen muß, wie seine Frau als Künstlerin Karriere macht und sogar sein einstiger Kollege und Freund Roland Pokorny nun im Musikgeschäft ganz oben steht.
Überhaupt, der Pokorny. Von jeder Plakatwand lacht er herab. Nicht mehr der jüngste, leicht untersetzt - und erfolgreich. Geld wie Heu, die jungen Mädels himmeln ihn an. Und Robert steht auf der Verliererseite. "Er hat alles was ich nicht habe" denkt Robert über Roland, langsam staut sich ein regelrechter Hass auf. Es muß was getan werden, direkte Konfrontation mit dem Gegner. Und so treffen die alten Freunde aufeinander...
Harald Sicheritz schuf einen typisch österreichischen Film, der ganz anders verläuft als man zunächst annehmen möchte. Geradlinig und doch krumm, schräge Typen, kuriose Situationen, der Alltag von einer anderen Seite aus betrachtet. Viele Szenen erinnern an "Hundstage", doch "Freispiel" wartet mit deutlich mehr Unterhaltung und Komödie auf - eine Art "Freundliche Hundstage". Die Grundstimmung ist harmonisch, trotz aller Aggressionen - die Bilder sprechen eine bunte Sprache.
Doch die richtige Aussage fehlt, der Film plätschert vor sich hin und hat kein Ziel. Das Ende ist wenig überraschend und in Anbetracht der aufgeworfenen Problemstellungen während des Filmes viel zu banal. "Freispiel" will unterhalten und doch zum ernsthaften Nachdenken anregen - dieser Balanceakt misslingt zuweilen.
Dank guter Schauspieler macht das aber nichts, in jeder Szene hat man seine Freude beim Zusehen. Roland Düringer und Reinhard Nowak machen ihre Sache gut, fast schade daß die großen Stars nur in Nebenrollen auftreten. Doch die Starbesetzung ist ebenso vom allerfeinste, Alfred Dorfer sorgt für unfreiwillige Komik, Lukas Resetarits wirkt zwar etwas fehlbesetzt, kommt aber seiner Rolle perfekt nach und wirkt als liebenswerter Musikstar direkt menschlich - und Augenweide Andrea Eckert spielt natürlich wieder in der Profiliga ganz oben.
"Freispiel" ist ein unterhaltsamer und nachdenklicher Film zugleich, der aufgrund einiger guter Szenen und hervorragenden Schauspielern den löchrigen Plot wettmacht.
(8/10)