Robert Brenneis (Alfred Dorfer) fühlt sich in der Sackgasse seines Lebens. Eigentlich könnte es ihm ja gut gehen. Eine kluge Frau (Andrea Eckert), einen tüchtigen Sohn und eine ihn zumindest in Ansätzen ausfüllende Arbeit als Musiklehrer. Aber das war nie der Plan. Einst ambitionierter Musiker, der Wert auf künstlerische Authentizität legte, doch der Erfolg ließ auf sich warten. Von der Frage: Wann man entdeckt und den großen Durchbruch schaffen würde? Zu ersten Zweifeln: Ob man überhaupt jemals davon Leben wird können? Bis hin zur komplett resignierenden Absage dieses Lebenstraums. So wird kurzerhand die Lederjacke (vorerst) an den Nagel gehängt und der sichere, aber unsexy Lehrerposten angenommen. Irgendwie traurig, aber auch irgendwie normal. Sein damaliger Bandkollege, Pokorny (Lukas Resetarits), hat es hingegen geschafft zum viel beachteten Popstar zu werden. Seine seichten und pathetischen Pop-Nümmerchen schlugen ein und sind seitdem in einer enervierenden Endlosschleife in Robert Brenneis Leben präsent. Neben dieser Schmach und so manchem selbstgeiselnden Gedankenspielen (warum er und nicht ich?) stellt sich auch noch sein Schulalltag als äußerst ernüchternd heraus. Ein verzweifelter Selbstmordversuch eines seiner Zöglinge, desinteressierte und gewalttätige Schüler und ätzende Lehrerkollegen, die seiner fälligen Pragmatisierung aus schierer Bosheit im Weg stehen. Nachdem auch immer wieder sein privates Glück durch seine verbittert sarkastische und neurotische Art auf die Probe gestellt wird und sich seine Frau in Form eines getrenntes Urlaubes eine Beziehungspause wünscht, ist es so weit. Seine gute-Onkel-Strickweste wird gegen die Lederjacke zurückgetauscht und sein fusseliger Intellektuellen-Vollbart abrasiert. Das Image des sensiblen, mitfühlenden „Verstehers“ wird entsorgt und gegen altbackenes, aber wirksames Rebellentum mit gezwungener Coolness getauscht. Ein Treffen mit seinem ehemaligen Freund und vermeintlichen Rivalen Pokorny ermöglicht nun auch einen direkten Vergleich zwischen beiden Lebensentwürfen.
Nahezu die gesamten 90er Jahre dominierte den österreichischen Film eine kleine Gruppe von Kabarettisten, die ihren Bühnenerfolg in die Lichtspielhäuser übertragen wollten. Mit Erfolg, denn Filme wie Muttertag, Indien, Hinterholz 8 und andere mehr wurden zu großen Kassenerfolgen und/oder Klassikern der heimischen Filmlandschaft. Die Besonderheit jener Filme war ihr oft überzeichneter, schwarzer Humor, der schrill und wild soziale Milieus bzw. ganz im Sinne österreichischer Persifliertradition (Grünbaum, Bronner, Qualtinger u.a.) die tiefen Gemeinheiten und Besonderheiten der österreichischen Gesellschaft farbenfroh beleuchtete. Dass viele dieser kabarettistischen Darsteller oft nur über hinkendes Schauspieltalent verfüg(t)en, sollte angesichts der grell-parodistisch überzeichneten Figuren (Bsp. Muttertag) nicht weiter ins Gewicht fallen. Es erhöhte vielleicht sogar die unbekümmerte und anarchische Stimmung jener Filme.
Freispiel wollte aber etwas anderes sein, als nur eine parodistische Verballhornung. Die Geschichte um einen Mann in der Midlife-Crisis weiß - obwohl nicht neu - inhaltlich durchaus zu gefallen und zu belustigen, doch das Spannungsfeld zwischen Kabarettbühne und filmischer Narration wird hier öfters strapaziert oder einfach nicht erkannt. Da ist Alfred Dorfer, der Probleme hat, seine doch recht anspruchsvolle Rolle zu stemmen. Seinem humoristischen Talent tut dies zwar keinen Abbruch, aber es gelingt ihm kaum, seine Rolle mit Glaubwürdigkeit oder Anteilnahme zu füllen. Stattdessen legt er seiner Rolle immer wieder Zitate aus seinen Bühnenprogrammen in den Mund, die seine Figur zu einem pointierten aber distanzierten Off-Kommentator des eigenen Lebens/Zustand degradiert. Alfred Dorfer bleibt so ausschließlich in der Rolle des Kabarettisten verhaftet.
Neben dem Hauptdarsteller gesellen sich wieder die unvermeidbaren Bühnenkollegen dazu. Roland Düringer als aalglatt schmieriger Produzent mitsamt seinem Arsch kriechenden Untergebenen-Schoßhündchen (Günther Paal), Reinhard Nowak als Freund von Brenneis und viele weitere Nebenrollen und Cameos aus diesem Kabarettdunstkreis. Zwar ist diese Who-is-Who-Spielerei schnell als billiger Effekt entlarvt, doch kann man sich angesichts der brachialen Spielfreude so mancher dieser „Promis“ ein Lachen kaum verkneifen.
Harald Sicheritz` Freispiel hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits ist der spitzzüngige Witz, die stimmige Inszenierung und der immer wieder stark ausgeprägte sarkastische Humor ein triftiger Grund, den Film als gute Unterhaltung einzustufen, andererseits lässt das fehlende Bekenntnis, weg vom monologisierenden Kabarettprogramm, hin zu einem dem Erzählfluss verpflichtenden (Schau-)Spielfilm, vieles ungelenk wirken. So lässt diese unglückliche Mischung einige ambitionierte Momente und eigentlich die gesamte Geschichte gekünstelt und distanziert wirken.