Zwischen den Eheleuten John und Helen Alexander kriselt es kräftig... so sehr, dass letztere sich nicht einmal mehr die Mühe macht, ihre lesbische Beziehung mit ihrer besten Freundin Liz vor ihrem Mann zu verbergen. Als Helen dann plötzlich bei einem Autounfall ums Leben kommt und John als Alleinerbe ihr Vermögen sowie ihre Anteile an einem Automobil-Werk zufallen - und die Überreste einer Bombe in dem Wrack gefunden werden - kommt dem ermittelnden Scotland Yard-Inspector Gordon der Gedanke, dass dieser seine Frau doch glatt ermordet haben könnte. In einer Gewitternacht findet John in seiner Dusche die Herumtreiberin Christine vor, von der er sich spontan in einen Club abschleppen lässt, in dem gerade einer ihrer selbstgedrehten Pornos vorgeführt wird. In Christines Bettgefährtin in dem besagten Streifen glaubt John sofort, seine verstorbene Frau zu erkennnen... was allerdings unmöglich ist, weil dieser erst nach ihrem Tod entstanden ist. Oder ist Helen etwa immer noch am Leben und John das Opfer einer perfiden Intrige, das unschuldig als Mörder dastehen soll...? Unter den Aspekten eines Edgar Wallace-Streifens betrachtet ist der in italienischer Co-Produktion entstandene "Das Gesicht im Dunkeln" eine echte Enttäuschung, denn er beinhaltet - abgesehen von Klaus Kinski in der Hauptrolle, der hier zwar relativ "normal" agiert, den Betrachter aber natürlich trotzdem immer auf Distanz hält - so gut wie keine Trademarks der Reihe mehr. Das lockere Gruselkrimi-Entertainment ist nun endgültig passé, dafür hat man sich halt was anderes überlegt: Ein paar recht freizügige Nackedei-Auftritte der weiblichen Besetzung sollen das Publikum da bei der Stange halten, wo die Geschichte selbst (die übrigens auch mit auf die Kappe von Lucio Fulci geht!) nicht viel hergibt. Erstaunlicherweise wird aus der Angelegenheit von Genre-Altmeister Riccardo Freda auch inszenatorisch nicht viel rausgeholt, was darauf schließen lässt, dass dieser beim Dreh auch nicht wirklich durch das wirre und spannungslose Skript geblickt hat. So schlurft "Das Gesicht im Dunkeln" ohne echte Höhepunkte fast schon lethargisch seiner wenig durchdachten Auflösung entgegen und dürfte selbst beim zeitgenössischen Publikum damals nichts weiter als schiere Langeweile verbreitet haben. Rialto-Stamm-Produzent Horst Wendlandt war nach Sichtung des fertiggestellten Films übrigens derart wenig von dem Ergebnis angetan, dass er erstmalig auf eine namentliche Nennung im Vorspann verzichtet und hierzulande vor dem Kino-Start ausgiebige Kürzungen angeordnet und einige Szenen umgestellt hat, wodurch das verschleppte Pacing des Streifens aber auch nicht mehr behoben werden konnten... der anschließende Flop in den Lichtspielhäusern war die logische Folge und es verwundert einen wirklich nicht, dass man erstmalig seit Beginn der Reihe ein Jahr ausgesetzt und mit "Die Tote aus der Themse" erst 1971 wieder einen Edgar Wallace-Film auf die Beine gestellt hat, der dann auch mehr nach klassischen Mustern zugeschnitten gewesen ist. Die possierlichen Miniatur-Tricks (explodierende Spielzeug-Autos etc.), mit denen ein paar Stunt-Sequenzen preisgünstig hingefaket werden, wecken Erinnerungen an das Œuvre von Fredas Landsmann Antonio Margheriti, der hatte auch ein Faible für sowas. Fazit: Weder als Versuch eines "seriösen" Psycho-Thrillers noch als früher Giallo-Vertreter auch nur halbwegs zu gebrauchen...
4/10