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Fair Play sollte grundsätzlich im Sport gelten, im Job ist es in vielen Branchen schon längst ins Gegenteil umgeschlagen, wie Regisseur und Autor Lionel Bailliu mit seiner herrlich bissigen Satire anhand beider Bereiche erzählt.

Wenn es um Karrierestrategien geht, sind Chef Charles und seine Angestellten Jean-Claude, Alexandre und Nicole nie zurückhaltend, die Ellenbogen auszufahren und mit Intrigen und Manipulation ihrem Ziel ein Stück näher zu kommen. Während sportlicher Freizeitaktivitäten sind Erpressung und Lügen an der Tagesordnung, bis ein gemeinsamer Freizeit-Trip beim Canyoning zum Überlebenskampf wird…

Die sauber eingefangenen Szenen beim Squash-Duell schienen ansatzweise vertraut und tatsächlich hatte Bailliu 2002 einen oscarnominierten Kurzfilm abgedreht, der veranschaulichte, dass dieser Sport eben auch mentale Stärken benötigt, welche auch in diesem Fall zum entscheidenden Spiel, Satz und Sieg führen.

Interessant ist ohnedies, dass sich keine Szene in irgendwelchen Büroräumen abspielt, denn man trifft sich beim Rudern, Joggen, auf dem Golfplatz oder eben im rauen Canyon, um in Zwiegesprächen im knallharten Business eine Stufe höher zu gelangen.
Dabei sind die Figuren zwar ein wenig überzeichnet und unterliegen einigen Klischees, wie der Chef, der unter der Fuchtel des reichen Schwiegervaters steht oder die Frau, die aus moralischen Gründen Geld unterschlägt, doch die Charaktere agieren größtenteils glaubhaft, welche durch ihre wunderbar hinterhältigen Wortwechsel Suspense schüren.

Im letzten Drittel gerät der Stoff schließlich zum reinen Thriller und wendet sich von der subtilen Bissigkeit ab, was jedoch nicht minder unterhaltsam ausfällt. Zwar wirken einige Gegebenheiten ein wenig konstruiert und auch der Ausgang mag nicht jedem schmecken, doch auch im Bereich der reinen Action beweist Bailliu ein sicheres Händchen für eine funktionierende Dramaturgie, eine sauber arbeitende Kamera und eine latent unheilvolle Atmosphäre zwischen Felswänden und reißenden Strömungen, denn dass es hier nicht mit einem Beinbruch getan ist, dürfte jedem nach Sichtung der ersten Hälfte klar sein.

Auf darstellerischer Ebene kann man sich auf die überwiegend bekannten Gesichter verlassen: Jean-Pierre Cassel brilliert in einer seiner letzten Rollen als Schwiegervater auf dem Golfplatz, Marion Cotillard überzeugt nicht nur durch ihre Fitness, während Eric Savin einen wunderbar skrupellosen Chef gibt, bei dem man am besten keinen Arbeitsvertrag unterschreibt. Aber auch Benoît Magimel und Jérémie Renier wissen mit nuanciertem Spiel glaubhaft zu erscheinen.

Am Ende kämpfen sie alle wie ein Rudel Wölfe ums nackte Überleben und doch laufen die Fäden, welche zuvor beinahe kapitalartig verwoben wurden, im finalen Akt übersichtlich, wenn auch ein wenig vorhersehbar zusammen.
Von der sozialkritischen Satire zum reißerischen Thriller, - diese Brücke muss erst einmal geschlagen werden, ohne dabei über die eigene Dramaturgie zu stolpern, was Bailliu, bis auf minimale Mankos, hervorragend gelungen ist.
7, 5 von 10

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