Gruselhaus und Geisterkinder – dieser Thematik etwas Innovatives zu verleihen, wird im Zuge der ganzen „Grudge“-Kopierer immer schwieriger. Also dachten sich die Gebrüder Pang („The Eye“), bedienen wir uns besser gleich mehrerer Versatzstücke und bleiben nicht nur im Subgenre des Geisterhaus-Mysteriums, auf dass auch Hitchcocks „Vögel“ zum Einsatz kommen.
Am Ende wirkt dann doch alles wie „Cold Creek Manor“, mit brauchbaren Effekten, aber äußerst brüchigem Script.
Aus meiner Sicht ist das Drehbuch von Beginn an brüchig. Da zieht Familie Solomon von Chicago nach North Dakota aufs Land, um nicht nur eine abbruchreife Farm zu bewohnen, sondern mit Anbau von Sonnenblumen(!) Geld zu verdienen.
Doch bereits kurze Zeit nach dem Einzug nimmt die etwa 16jährige Tochter Jess (Kristen Stewart) unerklärliche Geräusche wahr und auch Kleinkind Ben, das seit einem traumatisierenden Vorfall nicht mehr spricht, registriert übersinnliche Erscheinungen. Bis auch die Eltern begreifen, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, hat die zunächst undefinierbare Gefahr bereits Gestalt angenommen.
Große Überraschungen sollte man in der Tat nicht erwarten, denn bereits das Intro in Form eines Flashbacks in schwarzweiß deutet die Spuk-Ursache an: Eine Familie starb unter unerklärlichen Umständen in jenem Haus und nun kehren ihre Geister zurück, um den Kindern, gemäß des Titels, etwas mitzuteilen.
Prinzipiell will man also die Bewohner aus dem Haus graulen und das geschieht mit allerlei Effekten. Von temporären Kratzspuren auf dem Boden, einer Krähenattacke auf Dad, einen immer wiederkehrenden Schimmelfleck, herumwirbelnden Gegenständen wie durch Geisterhand bewegt und nicht zuletzt huschen immer wieder Schatten durch das Gebäude und das Sonnenblumenfeld.
Einige der Schockmomente sind recht gut getimt, da sie sich nicht lange ankündigen und blitzschnell zum Zuge kommen. Wieder andere lassen sich in ihrer Entwicklung angemessen Zeit, etwa, als Jess ihren Bruder auf dem Arm hält und nicht sieht, wie sich ihm ganz langsam eine Geistergestalt nähert.
Allerdings wirken einige „Jump Scares“ reichlich abgenutzt, denn wenn da ein Kind in einer Ecke kauert, dessen Gesicht zunächst nicht erkennbar ist, wird dies bestimmt kein kleiner Junge sein, der sich vor Gram wegen Einnässens nach Abgeschiedenheit sehnt.
Tendenziell kann der überwiegende Teil der Spannungsmomente aber überzeugen, vor allem die beiden Krähenangriffe. Lediglich große Scharen aus der Distanz wurden per CGI erzeugt, ansonsten verwendete man echte, recht gut dressierte Tiere, die sauber im Bild festgehalten wurden und einen insgesamt positiven Anteil an Tierhorror vermitteln.
Auch der Einsatz von Kleinkindern birgt ein nicht zu unterschätzendes Risiko an Glaubhaftigkeit. Hier hatte man allerdings zwei pfiffige Kleinstdarsteller zur Verfügung, die zu keiner Zeit unsicher wirken. Im Gegenteil. Das ist schon spooky, wenn der Kleine mit dem Finger auf etwas deutet, woraufhin mindestens eine unter der Decke krabbelnde Geistergestalt sichtbar wird.
Was die Gruselmomente betrifft, ist also alles in Ordnung, gut getimt und über die Distanz angemessen verteilt.
Nur das Script bröckelt an allen Ecken und Enden gewaltig und wenn der tatsächliche Grund für den Spuk ans Tageslicht gerät, wandelt sich das Mysteriöse plötzlich zu einem Thriller, in dessen Anteilen „Shining“ einmal mehr grüßen lässt, - denn das bereits in der Szene, als Kleinkind Ben auf dem Flur einem Spielzeugtrecker folgt (im Original Dreirad und Ball…).
Das ist insofern etwas ärgerlich, weil durch diesen Bruch eine Menge Atmosphäre flöten geht und andererseits derbe Logik – und Handlungslöcher entstehen.
Zumal man diesen „Twist“ aufgrund einer Person außerhalb der Familie lange im Vorfeld hat ahnen können.
Immerhin nimmt einen das Geschehen von Beginn an ein, wozu die allesamt akzeptablen Leistungen sämtlicher Darsteller beitragen.
Bis auf Kristen Stewart als Jess haben die meisten Mimen zwar eher wenig zu tun, dafür kann die 1990 geborene Darstellerin, die bereits neben Jodie Foster agierte, die Hauptrolle in allen Belangen locker meistern und die düster-mysteriöse Grundstimmung glaubhaft verstärken.
In zwei kleinen Szenen gibt es auch ein Wiedersehen mit William B. Davis, der in „Akte X“ den Krebskandidaten gab.
Am Ende bleibt jedoch ein recht zwiespältiger Eindruck, da hier Qualitäten stark auseinanderdriften. Während sich das Script fast überhaupt nicht mit Charakterzeichnungen und logischen Verhaltensmaßnahmen der Figuren beschäftigt, können indes Atmosphäre und Gruselmomente in inszenatorischer Hinsicht als gelungen bezeichnet werden.
Doch beides ist nicht aufeinander abgestimmt, recht willkürlich bringt man brauchbare Schockeffekte, die am Ende, nachdem man alle Hintergründe gewahr wird, nicht selten Fragezeichen entstehen lassen.
So bietet „The Messengers“ zwar brauchbaren Spuk auf Pfaden von „Ring“, „The Others“ und Konsorten, doch wirklich begeistern mag einen der Gesamteindruck aufgrund des schwachen Drehbuches nicht.
So was von knapp
6 von 10