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Eddie Murphy ist zurück und nur kurz nach seiner Glanzleistung in „Dreamgirls“ suhlt sich der Superstar wieder in seinem favorisierten Genre – der derben Slapstick-Komödie. Schon in „Der Prinz aus Zamunda“ und den beiden Teilen zu „Der verrückte Professor“ schlüpfte Murphy in verschiedenste Rollen und zeigte einerseits großen mimischen Facettenreichtum aber andererseits auch seine Vorliebe für billige Zoten.

Hatte „Der Prinz aus Zamunda“ noch ein annehmbares Drehbuch und wurde durch die versierte Schauspielführung von John Landis noch zusätzlich aufgewertet, so verkommt die eigentlich witzige Story von "Norbit" zum dämlichen, viel zu lang geratenen Fettenwitz. Das stumpfe Skript schrieb der Hauptdarsteller zusammen mit seinem älteren Bruder Charles Q. und den mäßig talentierten Autoren David Ronn und Jay Scherick (National Security“, „Guess Who“, „I Spy“). Wirkt der Anfang noch originell und mit ausgeprägtem Sarkasmus versehen, so driftet die Handlung schon bald in eine schwer vorhersehbare und nur schwer zu ertragende Abfolge von niveaulosen Witzen ab.

Jeder Witz des Films basiert im Prinzip darauf, dass Norbit total ängstlich und unselbstständig wirkt und seine Freundin/Frau absolut fett, hässlich und unsympathisch ist. Obwohl ich ein Freund von derbem und politisch unkorrektem Humor bin, so stört mich ein so unmotiviertes Drehbuch schon enorm. Weiterhin ist die ekelhafte Verlogenheit zu erwähnen mit der sämtliche Charaktere gezeichnet sind, ein typisches Problem von Romantic Comedys. Norbits Traumfrau ist wunderschön, ein herzensguter Mensch und ihr Verlobter nutzt dies natürlich nur schamlos aus. Cuba Gooding Jr. hat als eben dieser Verlobte ebenfalls einen undankbaren Charakter zugeteilt bekommen, direkt nach seiner Einführung entpuppt er sich als Arschloch und hat keinerlei Chancen was aus seiner Rolle raus zu holen.

Umso überraschender das sich das Ensemble derartig motiviert und gut aufgelegt zeigt, so werten Terry Crews („Everybody hates Chris“), Eddie Griffin („Undercover Brother“) oder auch Marlon Wayans („Requiem for a Dream“) den Film stark auf, zeigen sich alle von ihrer besten Seite und sorgen für so manchen guten Gag. Wirklich traurig das man sich keinerlei Mühe gab dem Ganzen eine Portion Eigenständigkeit und Esprit zu verleihen, der Humor kommt immer mit dem Holzhammer und hätte man es nicht mit so ausgereiften und charismatischen Comedians zu tun, so würde der Film gänzlich untergehen. Thandie Newton ist pures Eyecandy, muss nur gut aussehen und wird ebenfalls nicht für zwei Cents gefordert, sieht aber wirklich atemberaubend aus.

Eddie Murphy spielt seine drei Rollen mit Inbrunst und gibt sich viel Mühe den Figuren mehr Individualität zu verleihen als den platten Familienmitgliedern der Klumps im Sequel zu „Der verrückte Professor“. Leider artet auch „Norbit“ in belanglose Nichtigkeit aus, schuld ist aber nicht wirklich Murphy, jedenfalls nicht seine darstellerische Leistung. Alle drei Charaktere bleiben aber klischeehaft und da nützt all die verlorene Liebesmüh’ rein gar nichts. Wie schon in „Prinz aus Zamunda“ war unter anderem auch Rick Baker für die phänomenal glaubwürdige Verwandlung Murphys verantwortlich. Selten zuvor hat im Film eine extreme Typ-Veränderung besser ausgesehen und das lässt mich wieder hoffen wenn ich an das Remake von John Waters’ „Hairspray“ denke – dort schlüpft John Travolta in die Rolle einer übergewichtigen Frau.

Fazit: Schade das „Norbit“ so austauschbar und banal geraten ist, sowohl die gut aufgelegten Darsteller als auch der eine oder andere gute Witz und sozialkritische Spitzen zeigen durchaus Potenzial für eine gute Komödie. Grundidee ist befriedigend, Umsetzung ausreichend, Drehbuch leider ungenügend.

3,5 / 10

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