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Ein schluffiger Typ lernt auf einer Party die hübsche Marion kennen und es dauert nicht lange, bis sich zwischen den beiden Teenies eine zarte Romanze entwickelt... bis das junge Mädchen ihren Lover eines Tages mit irgendeinem Lulatsch (Jörg Buttgereit himself!) betrügt. In seinem Wahn vergewaltigt der Hintergangene seine Ex in einem Wald und schneidet sich im Anschluss an die Tat die Pulsadern auf. Seine wahre Rache vollzieht sich jedoch erst neun Monate später, als Marion sein missgestaltetes Kind zur Welt bringt... Der Kurzinhalt klingt ein wenig wie Jörg Buttgereits Version von "Eraserhead", doch das Ergebnis dieses frühen filmischen Gehversuches ist sehr viel weniger kryptisch als der besagte David Lynch-Streifen, sondern mehr in your face. "Hot Love" leidet natürlich unter den üblichen Amateurfilm-Krankheiten und formalen Mängeln - wobei das verwendete Super 8-Equipment eigentlich aber ganz passabel gehändelt wurde - doch sind es in diesem Fall viel eher Pacing und Storytelling, die zu wünschen übrig lassen: Für den erzählten Inhalt ist die Chose mit einer knappen halben Stunde Laufzeit ungefähr dreimal so lang, wie sie eigentlich sein müsste und vor allem die ausladende Party-Sequenz im ersten Drittel ist einfach nur endsnervig! Buttgereits Inszenierung ist derweil bestenfalls als naiv zu bezeichnen, wenn er den Prozess des Sich-ineinander-Verliebens dadurch visualisiert, dass ein herzförmiger Rahmen über das Bild gelegt wird und der Protagonist seiner Liebsten einen Ring mit den Lettern "LOVE" an den Finger steckt. Das nenn' ich mal "Show, don't tell"! Dass innerhalb der Handlung weitesgehend auf Dialoge verzichtet wurde, ist da aber eigentlich eher ein Vorteil, denn zumindest werden die - schon genug gebeutelten - Darsteller auf die Art nicht überfordert. Trotzdem gefällt mir "Hot Love" aber ganz gut, weil Buttgereit hier durchaus bereits einen persönlichen Stil und sowas wie eine erkennbare, eigene Handschrift entwickelt hat, das Ganze aber mehr aus dem Bauch raus (im wahrsten Wortsinn!) und weniger kunstsinnig ist, als seine nachfolgenden Leichenficker-Epen. So richtig ab geht's dann in den letzten fünf Minuten, wenn da zunächst in der Geburts-Szene eine Baby-Puppe aus einem Pappmaché-Unterleib gezogen wird die Angelegenheit kurz darauf in einem finalen Splatter-Set-Piece voller selbstgepanschter F/X kulminiert. Den graphischen Detailgrad eines "Nekromantik" erreicht Buttgereit dort zwar nicht, aber das Gezeigte reicht aus, um ein kleines Ausrufezeichen zu setzen. Kurzum: Wohl oder übel ein Klassiker des deutschen Home-Made-Horrors.

6/10

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