Die unscheinbare Krankenschwester und Studentin Veronica ist in Wahrheit eine "Harpyie"... ein mythologisches Dämonen-Wesen, das unerkannt unter den Menschen lebt und sich seine Opfer unter Pennern und Junkies sucht, die niemand vermisst. Als sie jedoch zuerst den zudringlichen Dekan ihrer Universität und anschließend den Liefer-Jungen einer Apotheke tötet, stehen bald schon zwei Polizisten bei ihr auf der Matte und stellen unangenehme Fragen. Nachdem sein Partner auch dran glauben muss, schafft es der Cop Francesco, Veronica zu erschießen. Damit wäre der Fall eigentlich erledigt, doch kurz darauf begegnet Francesco zufällig auf der Straße eine Frau, die der Mörderin wie aus dem Gesicht geschnitten ist und als sich in der Pathologie vergewissern will, dass Veronica auch wirklich tot ist, ist ihre Leiche spurlos verschwunden... Fabio Salerno war 1987 mit seinem auf Super-8 gedrehten Amateur-Kurzfilm "Arpie" früh genug dran, um sogar noch den ersten splatterigen Gehversuchen von Andreas Schnaas und Olaf Ittenbach zuvorzukommen... und hätte es eigentlich auch eher verdient gehabt, sich im Home Made-Bereich einen Namen zu machen als diese, denn immerhin liefert er mit der vorliegenden Fingerübung quasi einen auf 'ne etwas mehr als halbstündige Laufzeit komprimierten Überblick über den gesamten Italo-Horror der 80er Jahre: Da gibt es eklige Aufnahmen von Maden und Eye-Violence wie bei Fulci, Bava-eske Farb-Spielereien, eine Transformations-Sequenz à la "Dämonen 2" und Giallo-Verbeugungen in Form von blutigen Messer-Morden... und das alles wie bei Dario Argento beinahe non-stop untermalt von einem Score voller schnieker Metal-Riffs. Dass die Geschichte an sich da vornehmlich durch die fast völlige Abwesenheit einer inneren Erzähl-Logik "glänzt" und ziemlich sinnbefreit von einer Szene zur nächsten springt, empfindet man da auch nur als passend. Besonders merkwürdig übrigens: Wenn man "Arpie" heutzutage noch zu Gesicht bekommt, dann wohl am ehesten auf YouTube in Form eines ultra-miesen VHS-Rips mit grausiger Bild-Qualität, italienischem Original-Ton und grammatikalisch dürftigen englischen Untertiteln, die teils kaum zu lesen sind und sicherlich nicht von einem Muttersprachler angefertigt wurden, was nochmal einen zusätzlichen Schleier des Fast-nicht-Verstehens zu der ganzen Angelegenheit hinzuaddiert... dem Ganzen aber irgendwie auch eine gewisse Mystik und eine Art (alp)traumhaftes Flair verleiht, das man durchaus mögen kann. Phantasievoller als der übliche Amateur-Krempel ist "Arpie" heutzutage aber auf jeden Fall immer noch allemal. Fazit: Für die einen nur ein Stück Kohle, für die anderen bereits ein Rohdiamant... entscheidet selbst.
7/10