Von Warner Oland zu Sidney Toler!
Nun war es also soweit: im Jahr 1938 verstarb Warner Oland, der (eigentlich schwedische) Darsteller des berühmten chinesischen Detektivs nach sechzehn Filmen (davon zwölf noch existent und hier komplett abgedeckt) überraschend an einer Lungenentzündung, nachdem er Anfang des Jahres eine neue Produktion nur vorerst abgebrochen hatte und das vorliegende Drehbuch an die Mr.Moto-Serie ging.
Eine hektische Suche nach einem geeigneten Nachfolger begann und wer angesichts von Sidney Tolers Rekordzahl von 22 Filmen daran zweifelt, dass er nicht vornherein der ideale Ersatz war, dem sei gesagt, dass Toler der 35.Schauspieler war (!!!), der für die Rolle getestet wurde. Auch war Toler 1938 bereits älter als Oland zum Zeitpunkt seines Todes, eine Tatsache, die sich aber gut verbergen ließ.
Toler war Amerikaner, aber offenbar kam es Hollywood nie wirklich in den Sinn, jetzt vielleicht einen asiatischen Darsteller zu befördern, stattdessen kam es zu einem erneuten Fall von „Yellowwasching“, um mit Augen-Make-Up aus einem kaukasoiden Darsteller einen asiatischen zu machen. Wie schon bei Oland und seinem Sohn Nr. 1 – stets dargestellt von Keye Luke - weitete sich das nicht auf die Sprösslinge aus, die sehr wohl von Asiaten gespielt werden durften.
Tatsächlich war mit Olands unfreiwilligem Abgang auch Keye Lukes Zeit abgelaufen, der die Rolle immerhin achtmal spielte. Stattdessen castete man auch hier neu und wählte Victor Sen Yung als Sohn Nr. 2 Jimmy Chan (den er 13x verkörpern sollte) aus. Sen Yung sollte sogar noch nach Tolers Tod innerhalb der Reihe weiterspielen, nämlich einen weiteren Sohn namens Tommy Chan in vier Filmen der Roland-Winters-Phase.
Und weil die beiden offenbar als regelmäßiges Duo geplant waren, eröffnet „Charlie Chan in Honolulu“ (also an seinem Heimatort) dann auch mit einer trauten Familienszene des kompletten Chan-Clans an der Dinner-Tafel, als sich die Geburt des ersten Enkelkindes ankündigt. Als guter Großvater unterstützt Charlie natürlich im Krankenhaus die Tochter, weswegen sich Jimmy des Falls annimmt, der telefonisch daheim eintrudelt: offenbar ist auf dem einlaufenden Frachter „Susan B. Jennings“ ein Manner erschossen worden.
Es ist ein wenig unbewohnt, einen neuen Hauptdarsteller zu begrüßen, der in der ersten halben Stunde des Films praktisch nur zwei, drei ergänzende Kurzauftritte hat (während sich Jimmy immerhin relativ professionell anstellt, während ihn alle für den berühmten Ermittler halten).
Der Fall erweist sich als typisches „murder mystery“ von der Stange, quasi ein Best-Off der inzwischen bekannten Abläufe, praktischerweise reduziert auf einen Quasi-Closed-Room, nämlich den des Frachters. Hineingeworfen in den Mix werden alle möglichen Zutaten: die Jagd auf das Geld, dessen semi-illegale Übergabe den Todesschuss offenbar provoziert hat, ein von einem Gesetzeshüter transportierter Verbrecher, eine mysteriöse Frau und – als besonders absurde Zutat – einen klassischen „mad scientist“ in einer Nebenrolle, der angeblich seit Jahren ein Gehirn in seiner Apparatur am Leben erhält und sich für Nachschub von allen Beteiligten sehr interessiert. Für Letzteren holte man sich mal wieder einen typischen Gruseldarsteller mit George Zucco, der noch häufiger in diversen Blubberlabors herumschrauben sollte.
Während die Polizeit diesmal halbwegs kompetent unterwegs ist, kommt mal wieder externer „comic relief“ in Form des Mädchen-für-alles Al Hogan, dessen Witz darauf beruht, dass er keine Leuchte ist und Grimassen schneiden kann. Mysteriöserweise hat er einen wilden Löwen frei herumlaufend an Bord, der sich auch noch mit einem kleinen Affen kabbeln darf, wirklich ein abgenutzter Gag, um die Laufzeit zu strecken (der Löwe spielt aber gut!).
Ist Chan dann endlich an Bord (Toler ist noch etwas steif in der Rolle und ernster als sein Vorgänger), gibt es die üblichen Komplikationen, einen zweiten Mord und ein Feuer, bis der Täter fest steht – der wie bei Chan üblich wieder mal eine „Überraschung“ sein soll, die man aber allmählich erraten kann, weil die Figur sich bis dahin konstruktiv gezeigt hat.
Ich mag diese Closed-Room-Mysteries, aber hier stimmt die Balance noch nicht und alles gerinnt zu einem akzeptablen, aber nicht sonderlich aufregenden Mischmasch, bei dem Komiker Eddie Collins viel zu viel Screentime hat und Toler viel zu wenig. Für Letzteren war es aber noch ein insgesamt ordentlicher Start. (6/10)