Die Unfähigkeit zur Kommunikation und Fragen über Schuld und Moral stehen im Vordergrund von Ray Lawrence Sozialdrama. Betörend schöne Landschaftsaufnahmen und starke Darstellerleistungen können jedoch nicht über mangelnde Spannung hinwegtäuschen, da die Handlung kaum eine Fläche zur Identifikation bietet.
Angesiedelt in der titelgebenden australischen Kleinstadt geht es um Stewart (Gabriel Byrne), der mit seinen drei Freunden einen alljährlichen Angelausflug in den Outbacks unternimmt.
Nach dem Leichenfund einer jungen ermordeten Aborigine beschließen die Männer, ihr Wochenende fortzusetzen und die Polizei erst nach dem vollbrachten Ausflug zu informieren.
Doch dadurch gerät die scheinbar idyllische Fassade einiger Bewohner Jindabynes ins Wanken und während sich Stewart gegenüber seiner Frau Claire (Laura Linney) immer stärker verschließt, versucht die, das allgemeine Schweigen der Männer zu brechen und zwischen ihnen und den Aborigines zu vermitteln.
Bereits mit dem unglaubwürdigen Verhalten der vier Männer unmittelbar nach dem Leichenfund gerät die Geschichte ins Wanken, denn wer wäre wohl imstande, im selben Gewässer zu angeln und sich in aller Seelenruhe seinen Freizeitaktivitäten hinzugeben, während nur wenige Meter entfernt die Leiche einer jungen Frau liegt?
Dieser Umstand kann lediglich als schwach konstruierter Ausgangspunkt angesehen werden, da die Männer folgend an der Richtigkeit ihres Verhaltens festhalten, was gehörige Unruhen in der Kleinstadt zur Folge hat. Denn nicht nur die verärgerten Aborigines äußern ihren Zorn durch kleine Randalierungen, auch die ohnehin schon stark belastete Ehe von Stewart und Claire wird auf eine knallharte Probe gestellt.
Nur leider konzentriert man sich nicht stark genug auf die Tiefen dieser Ehe, über deren Vorgeschichte man nur fragmentartige Teile geliefert bekommt.
Da werden zahlreiche Nebenhandlungsstränge eingebaut, die den Zuschauer teilweise ein wenig in die Irre führen, etwa, wenn Stewarts kleiner Sohn mit einer gleichaltrigen, ziemlich geheimnisvollen Freundin am See spielt und beinahe ertrinkt.
Auch Stewarts Freunde, sowie deren Ehefrauen bekommen zu wenig Persönlichkeit verliehen, als dass deren Belange tatsächliches Interesse hervorrufen können.
Ebenso wird die Frage nach dem Killer komplett in den Hintergrund gerückt und zu keiner Zeit thematisiert, was im Kontext ebenfalls Unglaubwürdigkeit hervorruft, - der Zuschauer kennt den Täter, der hin und wieder am Rande in Erscheinung tritt, von den Protagonisten wird seine Identität aber erst gar nicht hinterfragt, da man sich ausschließlich um die Umstände und den Umgang mit dem Leichenfund beschäftigt.
Daraus resultiert dann auch streckenweise ein wenig Stillstand innerhalb der Storyentwicklung, die primär Dank zweier stark aufspielender Darsteller noch solide unterhält.
Während Gabriel Byrne seinem Stewart eine markante, oft schweigende Präsenz verleit, kann Laura Linney der Claire eine vielschichtige Persönlichkeit bescheren, deren Selbstzweifel nach zahlreichen Solidarisierungsversuchen und kritischem Nachfragen bei den Weißen absolut glaubhaft rüberkommen.
Einen weiteren Pluspunkt stellen die toll fotografierten Landschaftsaufnahmen der „Sowy Mountains“ dar, die vor allem zu Beginn mit der musikalischen Untermalung einiger Ethno-Gesänge ein mystisches und zugleich verträumtes Bild darstellen. Auch ein feierliches Ritual unter den Aborigines ist ein deutliches Zeichen für die handwerkliche Versiertheit des Regisseurs.
Nur vermag die Erzählung nie so recht fesseln, viele Aspekte bleiben unter der Oberfläche, gerade so, wie Teile der versunkenen Kleinstadt im See nur ansatzweise als kleine Metapher ins Spiel gebracht werden.
Eine stärkere Konzentration auf die beiden Hauptfiguren und das Weglassen einiger Nebenhandlungsstränge hätte gewiss mehr Interesse hervorgerufen und das etwas zu versöhnliche Ende in einem glaubhafteren Licht erscheinen lassen.
So bleibt letztlich ein ruhig erzähltes Drama ohne Höhepunkte, was die oberflächliche Fassade einer idyllischen Kleinstadt im Nachhinein kaum verändert hat.
Als Kritik am Umgang mit den australischen Ureinwohnern passabel, als Drama über persönliche Konfliktbewältigung hingegen zu dünn.
5,5 von 10