Review

Noch vor einiger Zeit begrüßten Horrorfilmfreaks Beiträge wie „Ring“ oder „Grudge“ besonders wegen ihrer Jump Scares, die beim Publikum mit asiatischen Schreckgesichtern neue Maßstäbe setzten.
Mittlerweile scheint sich daraus der eigentliche Fluch herauskristallisieren, denn kaum ein neuerer Gruselschocker mag auf diesen Effekt verzichten und dieser droht dadurch auf Dauer natürlich zu langweilen.
Verhält sich bei „Haunted Forest“ kaum anders, knapp zusammengefasst: „Grudge meets Evil Dead“ oder „The Ring“ in den Wald verlegt.

Nun gut, es gibt schon Gründe, warum die Regiearbeit von Mauro Borrelli, der sich als brauchbarer Ausstatter für Filme wie „Fluch der Karibik“ und „Lemony Snicket“ bewährt hat, kaum Begeisterung hervorrufen kann.
Denn der Streifen scheitert primär an der wenig abwechslungsreichen und nahezu überraschungsfreien Story.
Vor 200 Jahren fand im Wald ein Verbrechen statt, woraus ein Fluch resultierte.
Seans Großvater hatte sich einst mit diesen mystischen Begebenheiten auseinander gesetzt und nun ist es an Sean und seinen Freunden, den Kern in Form eines rätselhaften Baumes ausfindig zu machen und somit auch das spurlose Verschwinden eines Touristen aufzudecken.
Doch der Fluch greift nach wie vor um sich.

„The spirit of the tree took your mind“ heißt es fortan, wenn das Dämonenwesen Satinka die wenigen im Wald umherlaufenden Figuren mit dem Fluch infiziert.
Da befinden sich nämlich nur Sean und seine zwei Freunde, ihr kleiner Hund und zwei Girlies, die seltene Pflanzen suchen.
Sobald jemand für kurze Zeit allein umherstromert, raschelt es ein wenig im Geäst, etwas huscht durchs Bild und kurz darauf hat die Person einen langen dünnen Dorn unter der Haut.
Ab da kann man die Leute abschreiben, sie verhalten sich entweder wie Zombies oder wie unter Drogen stehend oder beides.
Selbst Held Sean bekommt so einen Dorn verpasst und ist daraufhin nicht mehr so ganz der Sympathieträger, auch wenn er im Verlauf natürlich eine Schlüsselposition einnimmt.

Aber mit den Schreckmomenten hält es sich wahrlich in Grenzen, zumal der einfache Wald ohne auffällige Sehenswürdigkeit kaum atmosphärische Momente bereithält.
Hier und da taucht blitzschnell ein Dämonengesicht auf, verformen sich auch mal einzelne Äste, fallen Maden vom Baum oder strömen Motten in/aus einem Mund, - doch allzu phantasievoll entfaltet sich das alles nicht.
Und spätestens, wenn eine Rückblende verdeutlicht, dass es sich bei dem Opfer, welches das Dämonentreiben begründet, eigentlich um eine Indianerin handelt, wir es jetzt aber mit einem asiatischen Gesicht zu tun haben, wird einem die einfallslose Effekthascherei deutlich.
Auch geblutet wird nicht sonderlich, zwar kann gegen Ende eine ordentlich verarbeitete Kollage noch ein paar Effekte unterbringen, doch Gorefreaks sollten sich hier insgesamt keine Hoffnungen machen.

Einzig handwerklich wurde recht solide Arbeit verrichtet. Die Kamera liefert ordentliche Einstellungen, die zuweilen etwas Spannung aufkommen lassen und einige Schnitte mit weichen Übergängen fallen sogar positiv ins Auge.
Ferner klingt der Score keineswegs uninspiriert, er wird nur zu selten eingesetzt, während die Sound-FX zumeist einen treffenderen Knalleffekt auslösen, als die dazugehörigen Bilder.
Die wenigen Computereffekte, die hauptsächlich dem merkwürdig verformten Baum Leben einhauchen, sind passabel und letztlich auch die Ausstattung, sowie die Farbfilterkorrektur während der Rückblenden gelungen.

Dem Gesamteindruck beschert das jedoch nur einen geringfügig positiven Anteil.
Ein Dämon bewacht einen Wald und insbesondere einen Baum. So latschen Leute durchs Grün, werden vom Fluch gepackt, von den anderen gesucht und ebenfalls nach und nach infiziert. Da kann man zwar während der letzten Minuten noch eine Temposteigerung feststellen und auch die Anzahl der Effekte steigt ein wenig, doch unterm Strich ist das für einen abendfüllenden Gruselstreifen zu wenig.
Man fiebert mit keinem der Protagonisten mit, auf dass es egal ist, ob die im Waldboden verschwinden und ein bedrohlich starres Auge einer Asiatin im Close Up ist mir auch schon mal untergekommen.
Also nichts Neues aus den Grudge-Nachmacher-Reihen, zwar nicht gänzlich lahmarschig, aber auch zu wenig zum Zusammenzucken, man kennt´s halt alles schon.
4 von 10

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