Review

Wenn im eingeblendeten Prologtext einer Amateurproduktion bereits mehrere Rechtschreibfehler ins Auge stechen, was mag denn da wohl auf uns zukommen?

Es wird ja auch fortlaufend einfacher für Hobbyfilmer: Camcorder werden immer erschwinglicher und bieten eine brauchbare Bildqualität, ein paar agile Kumpels treibt man mit einer Kiste Bier auch irgendwo auf und ein abgelegenes Waldstück findet sich ebenfalls in der Nähe unseres Dorfes.
Also alle Mann in den Wald und Martial Arts vortäuschen.

Anders verlaufen diese rund 27 Minuten Kurzfilm nämlich nicht. Das Vorwort will uns lediglich erläutern, dass wir im Jahre 2047 leben, der 3. Weltkrieg seit fünf Jahren beendet ist und die Welt einem Chaos unterliegt, angeführt von „Kleindiktatoren und Psychopathen“.
Ein solcher (auf einem Stuhl sitzend und von zwei Adjutanten umgeben), erklärt einer Gruppe von bunten Individuen, dass alsbald sein Mister X gegen sie antreten werde und dem Überlebenden der Kämpfe die Freiheit gegönnt sei. Jeder bekommt noch unterschiedliche Waffen zugeteilt und dann darf man in Richtung Wald laufen.

Was folgt, besteht aus grölenden und brüllenden Typen, die sich in einem Waldstück mit Schwertern oder Säbel bekriegen, auch andere Waffen kommen zum Einsatz und es wird sogar mal ein Bein oder eine Faust benutzt. Klingt solide, könnte aber kaum dilettantischer inszeniert sein.
Bereits die erste Einstellung wurde herrlich gegen das Sonnenlicht gefilmt, es entstehen lustige Lichteffekte, nur die eigentliche Kulisse wirkt etwas milchig, während man sich für die Hintergrundmusik offenbar der eines Blockbusters bedient hat, denn das klingt ziemlich orchestral und nicht nach Amateurbeitrag.

Humor hat Macher Thomas Zeidlmeier ja, denn der lässt seine Protagonisten erstmal durch den ortsansässigen Theaterfundus ausstatten, so dass einige mit weißem Ritterhemd und blauem Gürtel durch die Gegend latschen, ein anderer ganz in Schwarz und weitere im ordinären Freizeitlook.
Nun denn, es ist Apokalypse und die wenigen Überlebenden der gesamten Menschheit stammen zum Teil eben auch aus der Ritterzeit. Da darf man sich auch nicht wundern, in einer Szene im Hintergrund ein Motorflugzeug zu hören, das sind dann wohl die Neuzeit - Survivor.

Und dann die Kämpfe: Meistens Zweikämpfe, damit die Choreographie den Teilnehmern nicht allzu viel abverlangt, die Geschwindigkeit der Bewegungen ist fast schon okay, doch zuweilen wartet ein Gegner auffällig lange, bis sein Gegenüber sich endlich duckt oder zur Seite weicht. Natürlich sieht man deutlich, dass nie eine Waffe die Person berührt, da stoppt man auch schon mal zehn Zentimeter vor dem Gesicht, während der andere brüllt wie ein Ochse unterm Mähdrescher.

Die Bluteffekte sind aber zuweilen witzig, etwa, wenn sich ein Verletzter windet: „Oarrgh, mein Arm, den kann ich jetzt nicht mehr gebrauchen“, um kurz darauf eine blutverschmierte Plastikhand aus dem Ärmel zu ziehen.
Hier wird auch schon mal ein Herz aus dem Unterleib (!) eines Opfers gerissen, während ein anderer bewusst auf die Blutpumpe unter seinem Pulli drückt, damit die Suppe noch mehr spritzt.
Wunderbar auch die tödliche Verletzung durch einen Speer von Hals bis Schädeldecke, nur, dass die Speerspitze etwa eine Handbreit versetzt vom Eintrittspunkt auf den Kopf geklebt wurde.
Aber das sind so kleine Highlights, die diesen Hobbyfilmbeitrag fast schon sehenswert machen.

Ernst nehmen sollte man diesen Streifen ohnehin zu keiner Zeit, - auch in handwerklicher Hinsicht nicht. Die Schnitte sind grob gesetzt, teilweise werden Dialoge gar mittendrin abgeschnitten, die Kamera zittert häufig und das Mikro ist leider kein externes, weshalb man einige Sätze im lauschigen Wind des Waldes erst gar nicht verstehen kann.
Erinnert in seiner Art stark an die ersten Ergüsse von Leuten wie Schnaas oder Bethmann, nur die Kamera ist aufgrund technischer Entwicklungen eine bessere.

Und mittendrin ist mir noch etwas aufgefallen, was überhaupt nicht in den Kontext der Handlung passt: Man sieht für etwa vier, fünf Frames einen Pillermann (sitzender Typ, nicht erigiert).
Hat der Macher da etwa für 0,2 Sekunden provozieren wollen, oder gar vergessen, seine ganzen Privataufnahmen ordentlich zu schneiden?

Wertet diesen Humbug natürlich nicht auf und ich kann mir in diesem Zusammenhang auch vorstellen, wer diesem Beitrag bereits mehrfach zehn Punkte verliehen hat.
Insofern relativieren wir diesen Schnitt mit einer realistischen Einschätzung eines nicht Beteiligten der Produktion:
2 von 10

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