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HO HO HO! (Tod)


Erst kürzlich von "Spiegel Online" totgesagt, bekommt der Weihnachtsfilm nun eine rettende Injektion ins kreative Herz gejagt. Zwar ist das Serum aus dem mittlerweile auch nicht mehr ganz taufrischen Buch „Schweinsgalopp“ von 1996 extrahiert, bekennenden Pratchett-Jüngern, die schließlich in die Millionen gehen, dürfte dies allerdings völlig egal sein.

Denn das mittlerweile seit einem Vierteljahrhundert bestehende Scheibenwelt-Universum in Fleisch und Blut bestaunen zu dürfen, ist schon ein Ereignis für sich.
Und Regisseur Vadim Jean beweist ein ausgesprochen sicheres Händchen bei der Übertragung von Pratchetts überbordender Fantasie in den Rahmen eines TV-Zweiteilers. Bemerkenswert, verbrach er doch zuletzt das extrem nervige Martin-Short-Vehikel „Jiminy Glick in Gagawood“.

Zwar sollte man seine Erwartungen an Effekte und Ausstattung nicht zu hoch hängen, was bei Pratchett schwer fallen mag, aber das Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen; speziell die Räumlichkeiten in der Unsichtbaren Universität vermitteln direkt ein heimeliges Gefühl, wie es nicht nur Fans gefallen dürfte, sondern auch zu einem Weihnachtsfilm passt.
Wobei der Schwerpunkt dennoch auf dem Themenkreis der Scheibenwelt liegt, es erleichtert die Orientierung in dieser verrückten Welt also ungemein, wenn man schon mal von Ankh-Morpoks Assassinengilde oder den Vorgängen in der Magischen Universität gehört hat.
Dann stellt man sich auch gar nicht erst die Frage, weshalb der Hauptdarsteller des Films ein zwei Meter großes Skelett ist, das aus lauter Anteilnahme für die Menschheit den Job des Geschenkeverteilers übernimmt.
Anteilnahme für die Menschheit, das Stichwort, wenn es um Pratchett geht, denn unter dem Fantasy-Zuckerguss seiner Werke blitzt immer wieder der Humanismus durch.
Der sich, wie im Falle der vorliegenden Geschichte, auch schon mal in philosophischen Exkursen über den Hang des Menschen zum Aberglauben niederschlägt, was die Verfilmung elegant und, ganz wichtig, unverkitscht aufzubereiten versteht. Da verzeiht man ihr auch gerne die eine oder andere dramaturgische Länge, die zweifellos von Pratchetts, nur in Buchform effektiver Fähigkeit zum Auswalzen skurriler Umstände herrührt.

Sofern möglich, sollte übrigens unbedingt die englische Originalfassung angeschaut werden, da man so natürlich nicht nur sämtliche Witze ungefiltert zu hören bekommt, sondern auch Ian Richardson als TOD genießen darf. Splendid. Gerade, wenn man bedenkt, dass diese Rolle in der Discworld-Zeichentrickversion auch schon von Christopher Lee ausgefüllt wurde.
Von der seltsamen Idee der deutschen Synchonisation, aus der Weihnachtsfest-Analogie „Hogswatch“ „Silvester“ zu machen, fangen wir gar nicht erst an…

Gut, was steckt denn letztendlich im Strumpf?

Gerade im permanent mit Oberflächenreizen wuchernden TV-Mehrteiler-Bereich zeigt „Hogfather“, wie es auch gehen kann. Eine unaufgeregt und liebevoll erzählte Geschichte, die vielleicht nur für Pratchett-Leser vollends zu genießen sein wird, allen anderen aber auch ein wohliges Gefühl in der Magengegend bescheren dürfte.

Merry Hogswatch, all of you!

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