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„Råzone“ ist ein dänisches Drama, welches aktueller vom Inhalt nicht sein könnte. Sicherlich darf man die Jugend nicht komplett über einen Kamm scheren, doch die Darstellung in „Råzone“ kommt einen sicherlich alles andere als unbekannt vor. Nicht nur deswegen hatte der Film in Dänemark einen sehr großen Erfolg.


Christina (Laura Christensen) gehört zu einer kleinen Bande, zu der noch ihre Freundin Cecile (Stephanie Leon), Trine und Pernille gehören. Lernen ist alles andere als wichtig, eher unterdrücken sie andere Mädchen an der Schule, am Wochenende ist Party angesagt, wo Alkohol in strömen fließt und auch vor Drogen wird kein halt gemacht.
Eines Tages deutet Cecile eine Situation zwischen ihrem Freund und Christina falsch. Zwar wollte sich Ceciles Freund an Christina heranmachen, diese blockte aber ab. Für Cecile ist klar, ihr Freund betrügt sie mit Christina. Die alte Freundschaft von Christina und Cecile fängt an zu bröckeln. Bei einen kleinen Raub einer Umkleidekabine in ihrer Schule sorgt Cecile dafür, dass Christina fast erwischt wird. Da aber einige Sachen fehlten und Christina wieder erkannt wurde, gibt sie die Namen ihrer Freundinnen preis, um nicht die komplette Schuld auf sich zu laden. Von da an wird Christina die Zielscheibe ihrer ehemaligen Freundinnen, die vor nichts mehr zurückschrecken...


Zu Begin lässt „Råzone“ den Zuschauer kaum Zeit zum atmen, man befindet sich direkt in einer Situation, in der Christina und ihre Freundinnen ein Mädchen bedrohen, natürlich wegen einem nichtigen Grund. Erst dann beruhigt sich das Szenario und der Film fixiert sich auf die beiden Hauptdarsteller Laura Christensen und Stephanie Leon, wobei der Film sich hauptsächlich um die Person Christina dreht und von der man im Film auch viel mehr erfährt.
Der Film hat scheinbar seine eigene Auffassung, wo die Probleme der Jugendlichen herkommen oder was eine mögliche Ursache dafür sein könnte. Interessanterweise erfährt man nur was über Christina und Cecile, selbst da nur wenig, aber es reicht, um zu verstehen.
Christinas Eltern sind geschieden, sie lebt bei ihrem Vater, der kaum Zeit für sie hat. Exemplarisch ist hier, dass Christinas Mutter ihre Tochter in einem Cafe vergisst. Als Christina zum haus ihrer Mutter fährt, sieht sie, wie diese, schon schwanger vom neuen Freund, alles für wichtig hält, doch nicht an das eigentliche Treffen mit ihrer Tochter.
Über die Person Cecile erfährt man noch weniger, sie ist aber die brutalste und selbstsüchtigste Figur um Film. Bei Christina hat man immer noch den Eindruck, sie weiß ganz genau, dass sie eigentlich das falsche tut, Cecile scheint alles egal. Hier erfährt der Zuschauer nur, dass sich die Eltern überhaupt nicht für Cecile interessieren, ein blaues Auge bei Cecile verrät den Rest. Umso erstaunlicher ist der Unterschied bei Christinas Vater, wenn dieser Auseinandersetzungen mit ihr hat. Er verlässt eher das Zimmer, als einmal auszuholen, wie es Ceciles Vater wohl für richtig hält.

„Råzone“ erzählt sicherlich keine neue Geschichte, doch passt sie perfekt in die Diskussion, die auch in Deutschland geführt wurde und immer noch geführt wird. Vernachlässigung durch die Eltern, die Schule als Hort der Erziehung, die diesem Anspruch natürlich nicht gerecht werden kann. Hinzu kommen die typischen Aktivitäten der Schüler, saufen, Drogen und Sex.
Zwar werden diese Themen alle aufgeführt, doch vermeidet es Regisseur Christian E. Christiansen diese Dinge zu übertreiben und dem Film damit einen gewissen Schmuddellook zu geben. Dadurch wirkt der Film viel realistischer und glaubvollerer, als zum Beispiel der Film „Havoc“, welcher durch gewisse Szenen provozieren wollte, schlussendlich nur heiße Luft war mit peinlichen Dialogen und Schauspieleinlagen.
Auch durch die Art, wie der Film gedreht wurde, entsteht ein realistischer Eindruck. Das Filmmaterial scheint ein bisschen gröber zu sein, jedenfalls wirkt der Film nicht scharf wie mit einer HD-Kamera gedreht, sondern viel gröber. Viel Make-up wurde bei den Schauspielern auch nicht benutzt um den Film authentischer zu machen. „Råzone“ sieht einfach „echter“ aus als die sonstigen Film, wie auch zum Beispiel „Havoc“. Unerlegt werden gewisse Szenen immer mit der dazu passenden Musik, welcher meiner Meinung nach gut ausgewählt wurde.

Ist „Råzone“ anfangs noch relativ harmlos, so steigern sich die Aktionen gegenüber Christina in ein dramatisches Finale. Auch hier zeigt sich der Unterschied zwischen dem europäischen und amerikanischen Kino. In „Råzone“ gibt es kein Friede Freude Eierkuchen, es regiert der blanke Hass.

Sehr überzeugend agieren die Schauspieler in „Råzone“. Laura Christensen, den der eine oder andere Skandinavienfan aus „Midsommer“ kennt, spielt die Rolle der Christina hervorragend und authentisch. Kein Wunder, gilt Laura Christensen langsam aber sicher als neuer Star im dänischen Film, was nicht nur an ihrem Aussehen liegt. Stephanie Leon scheint die Rolle der Cecile auch auf den Leib geschrieben worden zu sein. Auch Leon geht in der Rolle vollkommen auf und bringt sie überzeugend rüber. Das Finale mit beiden reißt auch noch mal kurz die Beziehung der beiden an. Aber schon vor dem Finale passiert einiges, was der eine oder andere vielleicht als konstruiert oder unrealistisch abtitelt, aber es passt zu dem Film. Wirklich unrealistisch wird „Råzone“ nie, genau das ist die Stärke des Films.


Fazit: Ob „Råzone“ je den Weg nach Deutschland finden wird, bleibt abzuwarten. Ein dänischer Film, der erfolgreich im Kino lief, muss noch lange nicht nach Deutschland kommen. So wünschen wäre es aber. „Råzone“ ist ein Drama, welches sich nicht vor den großen Vorbildern verstecken muss, ganz im Gegenteil. Die Optik und die Schauspieler sorgen dafür, dass „Råzone“ realistischer wirkt als diverse andere Filme dieser Gattung. Auch das vielleicht etwas überdramatische Finale passt zum Film, jedoch spiegelt der Film schonungslos den Umgang an heutigen Schulen und unter Jugendlichen wieder.
„Råzone“ sei allen Fans von Dramen und/oder Laura Christensen empfohlen.

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