Review

„Hitcher“ ist out, der neue Landstraßenstrolch heißt Rostiger Nagel – doch an das große Vorbild kommt er nicht heran.
Lewis Thomas (Paul Walker) will an sich in den Semesterferien via Flugzeug nach Hause kommen – doch dann telefoniert er mit seinem Schwarm Venna (Leelee Sobieski) und erfährt, dass sie sich von ihrem Freund getrennt hat. Er behauptet, er habe sich ein Auto gekauft und könne sie auf dem Heimweg von ihrer Uni mitnehmen. Ruckzuck wird das Flugticket versetzt und eine gebrauchte Karre für die Knete besorgt. Doch einsam auf die Highways von Amerika, das ist keine Idee wie man ja aus Filmen „Hitcher“ und „Duell“ weiß, welche „Joyride“ im Verlauf auch noch beklaut.
Lewis erfährt, dass sein Bruder Fuller (Steve Zahn) wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit im Knast sitzt, der praktischerweise genau auf dem Weg liegt und holt ihn ebenfalls ab. Fuller ist weitaus verlotterter als sein braver Bruder und lässt erstmal ohne dessen Wissen ein CB-Funksystem in der Karre installieren. Dem ungleichen Brüderpaar kauft man zwar erst nach einer Weile ab, dass beide aus demselben genetischen Material sind, aber die Reibereien sorgen für ganz unterhaltsame Dialoge.

Aus Langeweile überredet Fuller seinen Bruder sich am Funkgerät als Frau auszugeben und einen Trucker namens Rostiger Nagel zu verarschen, indem er sich als Frau ausgibt. Doch die beiden treiben den Scherz etwas zu weit und müssen feststellen, dass Rostiger Nagel ein Psychopath ist, der solche Spielchen gar nicht gern hat…
„Joyride“ ist leider nicht der erhoffte Spannungskracher, doch einer macht seinen Job bei der Sache definitiv richtig: Regisseur John Dahl. Die Stimmung von „Joyride“ lässt das richtige Gänsehautfeeling aufkommen, das schon Genreperlen wie „Hitcher“ auszeichnete. Vor allem die düsteren Szenen im Maisfeld oder kleine Spannungshöhepunkte wie Rostiger Nagels Eislasteraktion können immerhin kurzfristig für Gänsehaut sorgen und beeindrucken mit der unheimlichen Stimmung, welche die Angst der Protagonisten glaubhaft rüberbringt.
Wo wir bei den Protagonisten sind: Schauspielerisch passen hier Rolle und Besetzung stets zusammen. So bleibt Steve Zahn als Querulant Fuller, der sich am Funkgerät treffend Schwarzes Schaf nennt, mit seiner launigen Performance am ehesten im Gedächtnis, da er doch ein paar Lacher auf seiner Seite hat. Paul Walker spielt so blass und ausdruckslos wie sein Charakter brav ist. Sicherlich ist er kein Totalausfall, aber mehr Elan wäre doch wünschenswert gewesen. Ebenfalls etwas ausdruckslos und passiv ist Leelee Sobieski, deren Rolle auch so passiv ist, dass alle ihre Aufgaben das Wort ’werden’ beinhalten: Abgeholt werden, entführt werden usw. Ebenso wie bei Walker ist auch ihre Leistung immerhin mittelmäßig, da sie auf ihre ausdruckslose Art dann doch irgendwie zur Rolle passt.

Leider versagt das Drehbuch an mehreren Stellen und da wäre als erstes die Psychopathenfigur zu nennen: Zum einen erfährt man zu wenig über ihn. Ist er einfach nur ein Killer wie der „Hitcher“ oder tatsächlich Trucker, der bei Scherzen gewaltig ausrastet. Zudem ist er sehr inkonsequent: Einem Unbekannten reißt er kurzerhand den Kiefer raus, aber den Jugendlichen gibt er immer eine Chance zu entkommen (was vor allem im Finale sehr unglaubwürdig wirkt). Immerhin kommt er mit seiner charismatischen Stimme und dem düsteren Truck, der arg an das Vehikel aus „Duell“ erinnert, recht bedrohlich rüber und kann Gänsehaut verbreiten – allen Logiklücken seine Figur betreffend zum Trotz.
Doch sobald Rostiger Nagel nicht auftaucht, dann herrscht Leerlauf in „Joyride“ (sehen wir von der ganz witzigen Einführung der Brüder mal ab). Und leider tritt er viel zu wenig in Aktion. Anfangs scheint es ja noch eine spannende Highwayhatz zu geben, doch dann lässt er die Jugendlichen scheinbar in Ruhe. Doch der halbwegs findige Zuschauer weiß mit Genrekenntnis und Blick auf die Laufzeit, dass der Psycho noch mal auftauchen wird, denn man hat noch fast den halben Film vor sich. Leider lässt die Rückkehr von Rostiger Nagel auf sich warten, ist aber wenig überraschend, da man schon die ganze Zeit drauf spekuliert. Danach wird der Film dann für eine kurze Zeit wieder spannend, Dahls Inszenierung sei Dank, doch insgesamt tritt der Psycho einfach zu wenig in Aktion.

„Joyride“ hat gute Ansätze und ist stellenweise wirklich sehr spannend, was vor allem an John Dahls gelungener Inszenierung liegt, aber unterm Strich reicht es nur zu Mittelmaß, da der Bösewicht zu wenig in Aktion tritt und zu oft Leerlauf herrscht.

Details
Ähnliche Filme