Was Du nicht willst das man dir tu, daß füg auch keinem anderen zu!
Die Zutaten für Filme wie "Joyride" sind bestens bekannt: Lange staubige Freeways soweit das Auge reicht, ein paar schäbige Motels und Tankstellen am Straßenrand und, last but not least, ein gemeingefährlicher Psychopath, der irgendwo da draußen lauert um unschuldigen Zeitgenossen den Garaus zu machen. Dieses Konzept war für mindestens drei echte Kassenschlager gut, "Hitcher der Highway-Killer" mit Rutger Hauer, "Breakdown" mit Kurt Russel und allen voran eins von Steven Spielbergs frühen Werken, "Duell". In John Dahls "Joyride" werden einzelne Elemente dieser drei Klassiker zusammengebastelt, zeitgerecht recycelt, und mit einigen modernen Einfällen aufgepeppt. Das Ergebnis ist ein höchst unterhaltsamer, anderthalbstündiger Kurzweiler, der sich hinter den besagten Vorgängern nicht zu verstecken braucht. An den Kinokassen floppte der Film dennoch. Im Jahre 2001 spielte er weltweit nur läppische 36 Millionen US-Dollar ein. Vielleicht ist dieser kommerzielle Mißerfolg darauf zurückzuführen, daß für "Joyride" keine Stars verpflichtet wurden, sondern junge unverbrauchte Gesichert. Eine Tatsache, die zwar wenig publikumswirksam ist, dem Film jedoch erfrischend gut tut.
Die Story:
Semesterferien. Student Lewis Thomas (Paul Walker) will seine heimliche Jungendliebe Venna (Leelee Sobieski) im fernen Colorado abholen, um mit ihr ein paar ausgeflippte Wochen zu erleben. Zu allem bereit kauft er sich ein gebrauchtes Auto und macht sich auf die Reise.
Unterwegs erfährt Lewis das sein Bruder Fuller (Steve Zahn) wieder einmal im Gefängnis gelandet ist. Eigentlich ist Fuller kein übler Bursche, er trinkt nur hin und wieder erheblich mehr als er verträgt und pöbelt dann in der Gegend herum. So auch diesmal. Kurzentschlossen beschließt Lewis einen Umweg zu machen, und seinen Bruder aus dem Gefängnis auszulösen. Die Freude ist natürlich groß und gemeinsam setzen die beiden ihre Fahrt in Richtung Colorado fort.
Doch dann nimmt das Unheil seinen Lauf. Bei einem Tankstop ersteht Fuller ein altes CB-Funkgerät. Gegen die Langeweile auf endlosen Freeways machen die Brüder sich einen Spaß daraus, andere Funker auf den Arm zu nehmen. Ihr erstes 'Opfer' ist "Rusty Nail", ein Trucker mit einer unheimlichen Totengräberstimme. Lewis verstellt sich, indem er sich als Mädchen ausgibt. Dabei ist er so überzeugend, daß "Rusty Nail" sich prompt mit der von ihm imitierten "Zuckerstange" verabreden will. Um den Jux komplett zu machen, schlägt Lewis ein mitternächtliches Rendezvous in einem Motelzimmer vor. Und während sich die Brüder im Nachbarzimmer eingemietet haben um an der Wand zu lauschen, erscheint "Rusty Nail" pünktlich auf die Minute. Leider gerät der Scherz außer Kontrolle, der ahnungslose Bewohner des Nachbarzimmers und der veralberte Trucker geraten miteinander in Streit. Ein Streit, der für den Zimmerbewohner auf der Intensivstation des Krankenhauses endet. Und das "Rusty Nail" vor allem denjenigen nicht verzeiht, die seine Späße mit ihm getrieben haben, das erfahren Lewis und Fuller kurze Zeit später...
Nicht schlecht, was Regisseur John Dahl mit "Joyride" abliefert. Der Zuschauer hat, genau wie das Brüderpaar, keine Ahnung wer sich hinter der Reibeisenstimme des "Rusty Nail" verbirgt. Klar ist nur, das er ein psychopathischer Trucker mit Racheallüren ist, über den Rest darf spekuliert werden. Und genau hieraus resultiert ein Großteil der Spannung des Filmes. Der Zuschauer fiebert mit, weil er wissen will wie der Psychopath aussieht, der Lewis, Fuller - und später auch Venna - ans Leder will. Schade nur, daß seine Figur extrem überzeichnet wird. "Rusty Nail" ist nicht wie Spielbergs Trucker, der einfach nur in seinem Lastwagen sitzt und seinen Kontrahenten von der Straße rammen will. Er ähnelt vielmehr Hitcher dem Highway-Killer, ein Typ der immer weis wo sich seine Opfer aufhalten, was sie als nächstes planen und wie er am besten mit ihnen spielen kann. Doch was perfekt zu einem Highway-Killer paßt, daß wirkt bei einem gesichtslosen Geistertruckfahrer überzogen. Punktabzug in diesem Bereich.
Was die Schauspieler angeht, so darf man sich auf erfrischende Unverbrauchtheit freuen. Zwar briliert hier niemand oscarverdächtig - dazu gibt der Plot ohnehin nichts her - doch wenn man bedenkt, daß weit über zwei Drittel des Filmes ausschließlich von den Gesichtern der drei Hauptdarsteller bestritten werden, so ist deren Leistung durchaus ansprechend. Die typische 'Highwayatmosphäre', die man auch aus zahlreichen anderen Filmen kennt, wird in "Joyride" gut vermittelt und schlägt als klarer Pluspunkt zu buche. Genauso wie die zwar nicht atemberaubende, aber dennoch routiniert in Szene gesetzte Action.
Fazit:
Sehenswertes, flottes Filmchen das von der Spannung lebt. Alles ist auf die Demaskierung des "Rusty Nail" ausgerichtet. Hat man einmal das Ende gesehen, so fehlt für's zweite kucken der Kick. Außer man ist im Besitz der RC2 DVD und Surroundfan, dann kann man davon nicht genug bekommen.