Auf den endlosen Highways der Staaten tummeln sich Serienkiller, Entführer, oder einfach nur Verrückte, so wurde im Jahr 1971 ein Vertreter von einem Lastwagen fast zu Tode gehetzt, wer sich an Steven Spielbergs "Duell" erinnert. Um es gleich vorweg zu sagen, "Joy Ride" ist kein Remake, vermag aber doch ein wenig an "Duell" zu erinnern. Aber es blitzen auch typische Elemente eines Slashers auf, die sich besonders auf das teilweise kindische Verhalten der drei Hauptcharaktere beziehen. So sehr man es Regisseur John Dahl (Red Rock West, Unforgettable) auch wünscht, doch sein "Joy Ride" ist nicht mehr als eine überdurchschnittliche Hatz, die eindeutige Fehlerquelle ist das mäßige Skript von J.J. Abrams (Armageddon - Das jüngste Gericht, Mission: Impossible III), der diese 23 Millionen Dollar Produktion auch mit produzierte.
Lewis Thomas (Paul Walker) kann es kaum erwarten seine damalige Jugendfreundin Venna (Leelee Sobieski) wieder zu sehen. Dafür kauft er sich sogar ein Auto, um sie erst vom Campus abzuholen und dann gemeinsam nach New Jersey zu fahren. Doch vorher holt er seinen älteren Bruder Fuller (Steve Zahn) aus dem Knast in Salt Lake City. Auf dem langen Weg zu Venna erlauben sich die Beiden einen Scherz über CB-Funk mit dem Trucker "Rostiger Nagel". Doch der entpuppt sich als kompromissloser Psychopat, der Lewis und Fuller nun auf Schritt und Tritt verfolgt. Besonders als sie Venna abholen, lässt "Rostiger Nagel" seinen Rachegedanken freien Lauf, für Lewis und Fuller geht es nun um Leben und Tod. Plötzlich befindet sich auch Venna in der Gewalt des brutalen Truckers, der nicht eher ruht, bis alle für den Scherz mit ihrem Leben bezahlt haben.
Warum muss sich der Zuschauer eigentlich immer erst so lange gedulden, bis das eigentliche Geschehen seinen Lauf nimmt? Die Einführung der beiden Kindsköpfe Lewis und Fuller hätte ruhig kürzer ausfallen dürfen, wobei besonders einige pubertäre Dialoge übel aufstoßen. Hierbei entpuppt sich schnell Fuller als eigentliche Quelle des Übels, denn er animiert Lewis förmlich dazu "Rostiger Nagel" über CB-Funk reinzulegen. Hierfür büßt er schon mal einige Sympathiepunkte vom Zuschauer ein, das Mitfiebern will hier nicht immer gelingen, weil für Lewis und Fuller die ein oder andere Lektion nicht schadet. Aber sie konnten ja auch nicht wissen, was für ein Psychopat sich hinter dem Trucker verbirgt, dessen ruhige aber dennoch eindringliche Stimme über CB-Funk schon für eine Gänsehaut sorgen kann. Und was "Rostiger Nagel" betrifft, so treten einige Parallelen zu Spielbergs "Duell" auf. Man erfährt nichts über ihn, der neugierige Zuschauer fragt natürlich nach dem "Warum"? Aber was man nicht kennt oder erklären kann, jagt dem Menschen nun mal Angst ein, doch auf dieser Schiene vermag "Joy Ride" nicht ganz zu überzeugen, weil man "Rostiger Nagel" gegen Ende zu Gesicht bekommt. Das ist eine Art Entmystifizierung, die dem Film einen Teil seiner Intensität klaut.
Auch vermag man "Rostiger Nagel" nicht ganz zu verstehen, der aufgrund des Scherzes einem Menschen den Unterkiefer herausreißt, aber Lewis und Fuller immer wieder verschont. Dennoch darf es spannend werden, wenn der Trucker den beiden Brüdern auf die Pelle rückt. Aber zwischen diesen spannenden Sequenzen gibt es immer wieder Löcher, wo "Rostiger Nagel" seine Opfer plötzlich in Ruhe lässt. Die haben dann Zeit Venna abzuholen, mit ihr einen Trinken zu gehen und es werden sogar noch diverse Rivalitäten zwischen Lewis und Fuller angeschnitten, die Beide in Venna verschossen sind. Diese Pausen können dem Spannungsbogen nur schaden. Auch fragt man sich, wie "Rostiger Nagel" plötzlich etwas von Vennas Freundin Charlotte (Jessica Bowman) erfährt und diese entführen kann. Das ist dann doch etwas zu weit hergeholt, doch Dahl gelingt es im letzten Drittel die Spannungsschraube stark anzuziehen, der absolute Höhepunkt hier ist die Verfolgungsjagd durchs Maisfeld bei Nacht. Auch das darauf folgende Finale im Motel lässt kaum Wünsche offen. Nebenbei ist Dahl hoch anzurechnen, dass er bei dieser Hetzjagd fast komplett auf diverse Brutalitäten verzichtet. Einen kleinen Clou darf es im Finale auch noch geben, wobei man sich das schon vorher denken konnte. Paul Walker (The Fast and the Furious, Running Scared), Steve Zahn (National Security, Sahara) und Leelee Sobieski (The Glass House, 88 Minutes) sind zumindest mit Elan bei der Sache und verkörpern ihre klischeeträchtigen Rollen überzeugend.
Eine spannende nonstop Hetzjagd ist Dahl leider nicht gelungen, dafür hat "Joy Ride" zuviele Unterbrechungen, die dem an sich gelungenen Spannungsbogen schaden. Die Darsteller sind engagiert, doch ihre zu verkörpernden Figuren könnten fast aus einem Slasher stammen, zumindest ihrem Verhalten nach. Doch nun zu den positiven Seiten, denn wenn "Rostiger Nagel" in Erscheinung tritt wird es auch wirklich spannend und fast ohne Brutalitäten.