Review

2001 war der Durchbruch des Schauspielers Paul Walker. Der Mann, der leider am 30. November 2013 durch einen Autounfall verstorben ist. Es ist immer sehr krass, wie sich das Review-Verhalten solcher tragischen Meldungen auswirkt, aber das Verhältnis zu solchen Filmen bleibt jedoch immer das gleiche. Filme werden nicht besser und auch nicht schlechter, wenn der jeweilige Schauspieler stirbt, sondern sie bleiben gleich gut/schlecht.

Kommen wir auf das Jahr 2001 zurück. Nicht nur, dass Kubricks "Odyssee im Weltraum" nicht stattgefunden hat, sondern Paul Walker schaffte mit dem Film "Fast & The Furious" seinen endgültigen Durchbruch und drehte im selben Jahr noch den Roadmovie-Thriller "Joy Ride - Spritztour" ab, wobei ich jetzt nicht weiß, welcher dieser beiden Filme zuerst das Licht der Welt erblickte. Egal, Bier auf, denn Paul Walker spielt den College-Studenten Lewis, der für seine heimliche Flamme Venna (Leelee Sobieski "The Glass House") einen Roadtrip quer durch die USA unternimmt, um mal einen Schuss bei ihr zu landen. Unterwegs gabelt er noch seinen Bruder Fuller (Genial: Steve Zahn) auf, der mal wieder Ärger mit der Polizei hat, auf. Unterwegs zur Holden erlauben die Brüder sich per CB-Funk einen Scherz mit einem Trucker, der sich "Rostiger Nagel" nennt. Was als Scherz gedacht war, entpuppt sich aber leider als Alptraum für die beiden, da dieser Trucker kein gewöhnlicher Fernfahrer ist, sondern ein durchgeknallter Psychopath, der sich rächen und auch vor Leichen nicht zurück schrecken wird...


Es sind mehrere Zutaten, die "Joy Ride" von anderen Roadmovie-Thrillern abhebt. Zum einen ist es das ungleiche Brüderpaar, dass zwar nicht im Buddy-Modus zusammenhalten aber dennoch miteinander klar kommen muss - zum anderen ist es der Gegenspieler: Rusty Nail (ausländisch für: Rostiger Nagel). Wenn man die Film-Historie von Paul Walker durchforstet und sich ansieht, wie er sich im Laufe der Zeit gemausert hat, wird man bei diesem Beispiel erschreckend feststellen, dass ihm noch das grausige Michbubi-Image anhaftet. Er passt zwar mit dem rasierten Gilette-Gesicht und akkurat geschminkter Fresse perfekt zu seinem Charakter, der lediglich durch seine Vernunft punkten kann, aber in Sachen Coolness oder aggressiven Auftreten komplett auf der Strecke bleibt. Somit bleibt die Rolle austauschbar, was den Schauspieler anbelangt, den Charakter den er spielt ist auch nahe an der Kotzgrenze. Und dennoch funktioniert das Ganze durch die Rolle von Steve Zahn, dem ich bis heute viel mehr gegönnt hätte, als er schauspielerisch in den letzten Jahren zeigen durfte. Sein Charakter ist witzig, exzentrisch und sehr spontan, wenn es in heiklen Situationen drauf ankommt. So ergänzt sich Walkers Pussie Rolle ganz gut, ich will nicht sagen perfekt, mit der von Zahn.
Leelee Sobieski als Tittenmaus bleibt vorerst mal schmuckes Beiwerk per Telefonleitung und kommt auch später nicht darüber hinaus, so dass man sagen kann, dass Zahn den Film beinahe alleine trägt.

Aber was sind solche sympathische Charaktere, die mal nicht an Saufen, Poppen, Kiffen und Medikamente denken wert, ohne einen passenden Gegenspieler. Und dies hat Regisseur John Dahl (der heute fast nur noch unbekannte TV-Serien abdreht) perfekt (und nicht nur ganz gut) gelöst. Mit dem rostigen Nagel hat er den perfekten Bösen erschaffen. Eine, zumindest in der deutschen Synchronisation, perfekte Stimme, ein Mann, den man nie zu Gesicht bekommt (und nicht einmal als Schauspieler im Abspann erwähnt wird !) und dessen Truck einfach nur wirkt wie die personifizierte Ausgeburt der Hölle. Schon alleine, was an Bedrohung alleine durch diesen Truck entsteht, verdient einen Orden. Perfekt ausgeleuchtet, man sieht nur so viel, wie man sehen muss, damit der Gegenspieler eine unbekannte Komponente des Bösen bleibt. Fantastisch.

Während der knappen Einführung bekommen wir die beiden Hauptakteure zu Genüge skizziert, was sich im weiteren (spannenden) Filmverlauf, auch noch immer wieder etwas vertiefen soll, ohne dass großartige Verschnaufpausen eingelegt werden müssen.
Eine weitere Komponente, bei der ich dachte, die in den 80ern mit der Kult-Serie "Knight Rider" ausgestorben ist, ist der Lautstärkepegel des CB-Funks. Dieser dient sinnbildlich für die Bedrohung, wie nah "Rostiger Nagel" ist, bzw. wie er gerade drauf ist. Leider kommt man auch um die Klischees nicht ganz drum herum, so dass hier und da mal Gewitter mit Blitzen herhalten müssen, um manchen Szenen den gewissen Pepp zu verleihen.

Auch werden falsche Fährten gelegt, was in dem Genre nicht unüblich ist, aber dennoch perfekt unterhalten kann, weil man sich nie sicher ist, ob die unsichtbare Stimme Person X ist, die Dir gerade gegenüber steht.
Als der Zielort der Freundin erreicht wird, kommt es leider zu einem kleinen Durchhänger. Dort ebbt der zuvor hohe Spannungspegel kurz einmal ab, um danach wieder in die Höhe zu schnellen, auch wenn der Schlussspurt nicht mehr viel mit einem Roadmovie gemeinsam hat. Dennoch wirkt das alles wie aus einem Guss und ist ein Finale, das diesem Film den gewissen Stempel aufdrückt.


"Joy Ride - Spritztour" ist mit Sicherheit kein Film der Extraklasse. Aber dennoch ein Streifen, denn ich mir alle paar Jahre mal wieder reinpfeife. Von daher:

8/10

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