Review

Die Brüder Lewis und Fuller begeben sich mit einem Oldtimer auf den Weg zu Lewis‘ Freundin Venna. Über CB-Funk spielen die beiden dem Trucker „Rusty Nail“ einen bösen Streich. Der erweist sich jedoch als gemein-gefährlicher Psychopath und dreht den Spieß einfach um: Unerbittlich jagt er ihnen mit seinem schweren Laster hinterher, zu allem bereit...
Jaja, die Story hat schon einen ganz langen Bart und erinnert stark an Genrefilme wie „Duell“, „Hitcher“ und „Breakdown“, aber was soll‘s? Das hier ist wieder mal einer der Filme, die nur unterhalten wollen, ohne daß man hinterher weiter darüber nachdenkt. Und was soll ich sagen? „Joyride“ hat mich über die gesamte Laufzeit wirklich prächtig unterhalten - und ich werde John Dahls Regiedebüt trotzdem schnell wieder vergessen haben. Zuvor will ich ihn aber noch entsprechend würdigen bzw. die Aspekte erwähnen, die mir nicht so gefallen haben.
Fangen wir mit dem Positiven an: „Joyride“ hat einen ganz starken Anfang. In den ersten Minuten werden uns die beiden Hauptfiguren Lewis (Paul Walker) und Fuller (Steve Zahn) nähergebracht; letzterer hat nur Blödsinn im Kopf und sitzt deshalb - nicht zu Unrecht - desöfteren im Knast.
Die längere Exposition ist jedoch keineswegs störend, sondern leitet die Geschichte passend ein, um nach etwa zwanzig Minuten unseren Bösewicht einzuführen, der eine hervorragende Synchronstimme verpaßt bekommen hat und so intensiv wirkt, daß man von vornherein vor dieser Person einfach Angst haben muß. Dennoch nehmen die beiden Hauptprotagonisten ihn auf den Arm - und ich muß sagen, eigentlich haben sie es folglich auch nicht besser verdient, gnadenlos von „Rusty Nail“ verfolgt zu werden.
Regisseur Dahl beschränkt sich dabei nur auf diesen einen Handlungsstrang, baut keine unnötigen Subplots ein, die den Verlauf stören könnten. Etwa nach einem Drittel des Films nimmt die Geschichte Fahrt auf, und der Zuschauer wird von einem Spannungshöhepunkt in den nächsten geschickt. Einfach großartig die Szene, in der Lewis und Fuller dämmert, daß ihnen der Psychopath direkt an der Stoßstange hängt, und mindestens genauso großartig die darauffolgende Szene an der Tankstelle und der anschließenden Flucht. Spannender kann man einen Film nicht gestalten. Auch die Musikuntermalung trägt ein gehöriges Maß dazu bei.
So hätte es gern bleiben können: Doch „Joyride“ fällt nach der Halbzeit unübersehbar ab, nämlich als Venna (Leelee Sobieski) ins Spiel kommt. Nicht nur daß die Story eine längere Verschnaufpause von einer runden Viertelstunde einlegt, nein, sie erliegt schließlich leider auch den Genrekonventionen. Alles, was in der letzten halben Stunde geschieht, hat man wirklich schon hundertmal gesehen. Sicherlich ist das noch einigermaßen aufregend und nervenkitzend (vor allem die Minuten im Maisfeld), auch kann man nicht unbedingt vorhersagen, welcher der drei Hauptfiguren den Schluß überleben wird und wer nicht, aber bei mir machte sich bald deutliche Enttäuschung breit. Wer sich im Genre auskennt, mag vermutlich ähnlich denken, denn noch nicht einmal vor einer typischen Teenie-Horrorfilm-Schlußpointe à la „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“, die nun garantiert nicht überraschend kommt, wird Halt gemacht.
Wenn ich allerdings sehe, welche anderen Enden Dahl und seine Crew ursprünglich im Kopf gehabt haben (u.a. eine Hommage an Spielbergs „Der Weiße Hai“), so finde ich, daß man sich schließlich doch für die richtige Variante entschieden hat. Nichtsdestotrotz hätte ich mir insgeheim ein bittereres und weitaus böseres Finale gewünscht als das, was nun vorliegt - ein Ende, das sich stärker in den Kopf gebrannt hätte.
Dem Zuschauer wird lange das Aussehen des Truckfahrers vorenthalten, was wiederum gut gelungen ist. Dadurch behält er fast den gesamten Film über seine Unheimlichkeit, seine Übermächtigkeit bei. Vielleicht wäre es noch besser gewesen, sein Gesicht bis zum Schluß nicht zu präsentieren, so daß sich jeder selbst sein eigenes Bild von ihm machen kann, aber der Punkt hat mich nicht weiter gestört.
Empfindlich gestört hat mich aber am Ende so manches Logikloch. Ja, ich weiß, welcher Film ist immer logisch, aber die Tatsache, daß z.B. das Trio aus dem Motelzimmer flüchtet und lieber in den (sehr viel unsicheren) Wagen steigt und davonfährt, wobei es darin doch überhaupt keine Möglichkeit hat, sich im Falle eines Angriffs zu wehren, fällt doch unangenehm auf. Weiterhin bedauerlich: Vennas Charakter wird überhaupt nicht weiterentwickelt und spielt augenscheinlich gar keine Rolle außer die des geknebelten Opfers. Ansonsten hätte die Handlung (bei entsprechender leichter Abänderung am Anfang) auch ganz gut ohne sie auskommen können.
Die schauspielerischen Leistungen sind glatter Durchschnitt, wobei ich Steve Zahn noch als den besten des ohnehin sehr kleinen Schauspielercasts ansehe. (Am besten insgesamt schneidet eindeutig der ekelhafte Polizist ab, der die beiden Hauptprotagonisten vor dem Motel verhört, aber der hat ja nur eine Minirolle.) Wenigstens gehen die drei Hauptakteure als Identifikationsfiguren durch, haben aber sicherlich keine größere Karriere zu erwarten. (Na ja, wer hätte gedacht, daß Johnny Depp nach seinem katastrophalen Filmdebüt in „Nightmare on Elm Street“ einmal einer der beliebtesten Darsteller Hollywoods werden sollte?)
Atmosphärisch ist „Joyride“ sehr stark, der Zuschauer wird von der recht düsteren Grundstimmung (gerade wenn die treibende Spannungsmusik von Marco Beltrami ertönt) mitgerissen.

Fazit: Spannender, atmosphärisch sehr stimmer Psychothriller, der nach ziemlich langer Exposition auf einige Spannungshöhepunkte zusteuert. Die erste Dreiviertelstunde glaubte ich sogar, einen der wirkungsvollsten Nervenkitzler der letzten Jahre vor mir zu haben, doch leider sackt das Niveau in Hälfte zwei ab, viele Genre-Klischees trüben den zuvor sehr guten Gesamteindruck, auch wenn die Spannung weitestgehend gehalten werden kann. Für einen Partyabend aber trotzdem ideal geeignet!
GESAMT: 7/10 (Unterhaltungswert: 8 - Handlung: 5 - Schauspielerische Leistungen: 5 - Kameraführung/Atmosphäre: 8 - Musik: 8)

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