„Banditen“ kann trotz der spielfreudigen Stars Bruce Willis und Billy Bob Thornton (nach „Armageddon“ wieder gemeinsam vor der Kamera) nicht so recht überzeugen.
Dabei fängt Barry Levinson seinen Film ziemlich launig an, auch wenn „Banditen“ wie zu viele Filme der Neuzeit die Technik des aus der Rückblende heraus Erzählens strapazieren. So beginnt auch dieser Film mit seinem scheinbaren Ende: Die Kumpane Joseph 'Joe' Blake (Bruce Willis) und Terry Lee Collins (Billy Bob Thornton) stehen nach einem schief gelaufenen Banküberfall umzingelt mit Geiseln in dem Gebäude. Umschnitt auf ein Boulevardmagazin, das posthum über die Verbrecher berichtet. Doch trotz der häufig genutzten Erzählweise ist der Auftakt genau die richtige Weise Zuschaueraufmerksamkeit einzufangen.
Joe und Terry kennen sich von ihrem gemeinsamen Knastaufenthalt: Joe ist der teilweise sehr aggressive, zu Wutausbrüchen neigende Typ, während Terry ein ziemlich sensibler Hypochonder ist. So kommt Terry mehr aus Freundschaft und Gewohnheit als aus echtem Freiheitswillen mit, als Joe spontan einen Bentonmischer klaut und damit durchs Tor der Haftanstalt brettert. Man merkt direkt wie die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt, weshalb auch das Zusammenspiel trotz der Verschiedenartigkeit ihrer Figuren überzeugt.
Auf der atemlosen Flucht raubt Joe eine Bank nur mit einem Textmarker bewaffnet aus, doch Terry entwickelt eine neue Methode. Sie besuchen den Bankdirektor und zwingen ihn am nächsten Morgen zur Herausgabe des Geldes – effektiv und gewaltfrei. Doch dann tritt Kate Wheeler (Cate Blanchett), eine frustrierte Hausfrau, in das Leben der beiden Banditen…
Eines hat „Banditen“ auf jeden Fall: Viel Charme. Was er sträflicherweise nicht hat, das sind echte Höhepunkte. So sind z.B. die Actionszenen nett inszeniert, aber immer nur kleine I-Tüpfelchen am Rande. Allerdings bietet sich „Banditen“ auch nicht als Actionstoff an, weshalb es intelligent von Levinson war diesen Aspekt nur teilweise zu betonen, aber in anderen Punkten ist das Fehlen echter Highlights schon schlimmer.
Hier wäre vor allem die Handlung zu nennen: Anfangs startet der Film noch als amüsante und ziemlich flotte Räuberpistole, doch kurz nachdem Kate mit im Spiel ist, sinkt das Tempo dramatisch ab. Es häufen sich immer wieder Liebesgeplänkel zwischen der Frau und beiden Männern, der obligatorische Streit folgt dann bald. Doch es fehlt den Dialogen an Pep und echte Romantik versprüht die Liebeleien leider auch nicht. Leider zieht sich dieser Mittelteil sehr in die Länge und bleibt trotz der charmant miteinander interagierenden Darsteller wenig interessant.
Dabei lassen gerade Anfang und Ende das Potential des Films erahnen: In der Anfangsphase sind die Gags sehr witzig (vor allem das Abendessen mit der Familie des ersten Bankdirektors), auch wenn man keine echten Brüller vorgesetzt bekommt. So wiederholen sich die Witze (in erster Linie über Terrys eingebildete Krankheiten) auch erst im schwachen Mittelteil. Gegen Ende kommt dann noch die fintenreiche Auflösung, die erklärt, wie es zu der Eingangssequenz des Films kam – doch irgendwie hat man diese doch vorausgeahnt.
Bruce Willis spielt hier eine etwas sanftere Version seiner Standardrolle als liebenswertes Rauhbein (und das obwohl Verbrecher), wobei er mit dem mal wieder sehr wandlungsfähigen Billy Bob Thornton einen genauso überzeugenden Partner bekommt. Cate Blanchett hängt sich rein (ihre Gesangsnummern sind voller Elan), aber wirkt doch immer etwas sehr blass und apathisch. Bonuspunkte bekommt Troy Garity als Joes Cousin und angehender Stuntman, der sich gut im Licht der Stars schlägt, und auch die Nebendarsteller sind ganz OK.
So ist „Banditen“ ein sehr charmantes Gaunerstück, doch das Fehlen von echten Highlights und der recht lahme Mittelteil lassen die Räuberpistole in der Filmmasse untergehen.