Kaum Resonanz von der Kritik, kein Erfolg in den US-Kinos, bei uns praktisch vollkommen unbekannt - das kann ja wohl nichts Besonderes sein.
Kann es wohl!
Als eine der erfreulichsten Überraschungen auf dem Gebiet der übersehenen Filme bietet "Die Muse" über die vollen 97 Minuten vergnügliche Unterhaltung mit ein paar kleinen Schwächen.
Fangen wir mit denen ruhig an, denn an diesen scheiden sich sicherlich die Geister:
Zunächst einmal schreibt und inszeniert sich hier der Hauptdarsteller selbst. Das ist den wenigsten Fällen in Hollywood nicht in die Hose gegangen und auch hier läuft es nicht ohne Probleme ab. Das wesentliche Problem ist in diesem kreativen Trio leider der Darsteller. Brooks selbst ist zwar eine hinreichend knuddelige und ausreichend sympathische Figur, kommt aber selten über Sitcom-Niveau hinaus, wenn es um Ausstrahlung und Langzeitwirkung geht. Hier hätte man sich sicherlich ein einprägsameres Gesicht gewünscht, das gemäßigt woodyallenesk durch seine Schreibmisere stolpert. Danny De Vito oder Jeff Goldblum z.B., um das Größenspektrum voll abzudecken.
Zweite Schwäche: die Muse wird gespielt von...Sharon Stone.
Hmtja, schräg ist sie. Abgehoben. Leicht schrill. Extravagant. Aber irgendwie will es nicht passen. Stone, der ihr "hartes" Image immer noch nachhängt, bekommt die pointierte Federleichtigkeit dieser Rolle, die von Blake Edwards sein könnte, nie ganz hin. Sie hat zwar den Drive, aber letztendlich ist sie es nicht. Obwohl Dreh- und Angelpunkt der Handlung, beschleicht einen ständig die Idee, daß es eine andere Schauspielerin auch getan hätte. Resultat: die Unverwechselbarkeit ist nicht vorhanden.
Ansonsten hüpft der Film aber unterhaltsam von einem Episödchen zum nächsten. Übrigens hält sich die vielkolportierte Hollywood-Satire stark in Grenzen. Zwar liefert der Film in der ersten halben Stunde einiges dazu, dann aber gerät die Mischung stark in eine Mischung aus Situations- und Screwball-Comedy. Brooks hachelt stets im Windschatten der ihn errettenden Muse hinterher, während um ihn jeder von ihr sofort zu profitieren scheint, nur er nicht.
Andie McDowell gibt eine schön runde Vorstellung als Brooks Ehefrau und darf die ausgetretenen Pfade von Eifer- und Rachsucht komplett verlassen, um eigenen Handlungsspielraum (und eine Keksbäckerei) zu erhalten.
Währenddessen nölt und meckert Brooks fröhlich für sich hin, verteilt dauerhaft One-Liner und hält die Handlung am Laufen. Zwischendurch heitern dann reichlich Cameo-Auftritte das Geschehen mit Aha-Erlebnissen auf: Rob Reiner geht mit Familie ins Aquarium, Martin Scorsese veräppelt sich selbst als hektischer Maniker und James Cameron holt sich den entscheidenden Tip, keine Fortsetzung von "Titanic" zu drehen. Jennifer Tilly und Lorenzo Lamas schauen auch mal rein und sogar Spielberg (in einer zwar ausgetretenen, aber hüsch extrentischen Sequenz) gibt sich die Ehre. Wir wissen nur nicht so recht, welcher.
Das Schöne an "The Muse" ist, daß man nicht genau vorhersagen kann, was als Nächstes geschieht. Brooks Buch verhält sich nicht freundlich gegenüber den üblichen Plotklischees, reißt aber auch nicht ständig dicke Überraschungen heraus, dafür jedoch stets vergnügliche Handlungswendungen. Und auch wenn der satirische Biß leider Stück für Stück flöten geht, bleibt meistens noch genug Comedy über, um sich eben nicht über bekannte Jokes zu beschweren. Wenn der Film dann noch ein Zielpublikum gehabt hätte, vielleicht wäre er dann ein verdienter Erfolg geworden. So aber können wir uns immerhin positiv überraschen lassen. (7/10)