Review
von Leimbacher-Mario
Das Zeigen der Männer
In „Fracture“ gibt man sich den jungen Ryan Reynolds als charmanten Anwalt gegen den alten Anthony Hopkins als ausgefuchster Mörder nahezu im Lector-Modus - das klingt erstmal richtig geil und verlockend. Und „Das perfekte Verbrechen“, wie er austauschbar und mies hierzulande heißt, ist auch teilweise ein richtig starker Film. Vor allem dank seiner beiden Stars im Psycho-Ping Pong. Doch im Endeffekt bleibt er dann leider für mich doch eher sehr oberflächliche, altmodische, sicher stilsichere, aber auch super zahme und beliebige Thrillerware, die ohne ihre beiden Leads einfach mal fast gar nichts mehr auf der Habenseite hätte. Außer ein paar Stilpunkte und die Idee des „perfekten Mordes“. Und das reicht mir dann nicht ganz... Doch eins nach dem anderen.
Das ist kein Film, bei dem man allzu viel und lange über Logik, Sinn und Realismus nachdenken sollte. Das wird einem schnell klar. Das Problem: „Fracture“ spielt sich und seine Themen derart bieder, fast literarisch trocken und ernst runter, dass ich das Grübeln und Kopfschütteln oft nicht ausschalten konnte. Nicht falsch verstehen: ich mag das Ding. Oder vieles daran. Aber ganz sicher nicht, weil der Film wunderswie clever ist oder so intelligent, wie er meint zu sein. Sondern weil die Bilder ansprechen, die Darsteller das Haus rocken und man schon wissen will, wer gewinnt bzw. wie das Ding endet und aufgerollt wird. Ob das dann besonders schlau oder überraschend ist, steht auf einem anderen Blatt. Und da beissen sich für mich etwas Anspruch und Wahrheit, da bleibt „Fracture“ sehr oberflächlich, zäh und eigentlich ein Poser. Nur eben ein derart brillant besetzter und elegant inszenierter, dass man über seine offensichtlichen, beißenden, eklatanten Schwächen wirklich großzügig und gerne hinwegguckt. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Qualität und Klasse kannst du dir eben auch im Filmbusiness zum Teil einkaufen. Dann fällt ein seltsames, teilweise gar dummes und sich zu wichtig nehmendes Drehbuch nicht mehr allen auf oder zu sehr ins Gewicht. Lange leben die Goslings und Hopkins' Hollywoods! Die beiden verwandeln hier zwar keine Scheisse zu Gold, das wäre viel zu streng, aber Magerquark in ein lecker-süßes Dessert. Und das kann auch nicht jeder.
Fazit: Mordsthriller und Gerichtsdrama und Krimi und psychologische Schachpartie zwischen zwei gnadenlos guten Schauspielern - „Fracture“ macht viel gut, selbst wenn er das Prädikat durch ein paar Hänger und ein paar Logiklöcher mehr am Ende nicht in seiner Gänze verdient hat. Perfiden Spaß und genug Spannung bietet er aber dennoch. Wenn man die Längen und das Auf-der-Stelle-Treten nicht zu hoch aufhängt, vielleicht etwas lockerer und großzügiger an die Sache geht, als der Film und alle Beteiligten selbst.