"Violence is one of the most fun things to watch." - Mr. Hertz
Dieser Satz ist nicht nur ein Zitat aus dem Film, sondern auch die Prämisse in Michael Davis' SHOOT 'EM UP und nachdem ich DEATH SENTENCE schon als politisch (herrlich) inkorrekt bezeichnet hatte, fällt es etwas schwer hier noch die geeigneten Worte zu finden. Doch zuerst zur Story ...
Mohrrüben-kauend sitzt der mysteriöse Mr. Smith (Clive Owen) an irgendeiner Bushaltestelle in der Großstadt, als eine hochschwangere Frau schreiend die Straße entlangläuft. Verfolgt von finsteren Typen in schwarz, rennt sie ganz offensichtlich um ihr Leben. "Fuckin' hell!" sagt sich Smith da in einem stark an SIN CITY erinnernden Close-up und schreitet natürlich ein.
Und wie! Schon nach kurzer Zeit versteht der Zuschauer, dass Mr. Smith nicht das erste Mal auf bewegliche Ziele feuert. Nach einer schnellen Geburt im Kugelhagel und dem fachmännischen Durchtrennen der Nabelschnur mit der 9mm, versucht er Mutter und Neugeborenem zur Flucht zu verhelfen. Doch die Frau überlebt das Gefecht nicht. Und so hat Smith nun den Sohn, den er nie haben wollte. Schnell merkt er, dass die Verfolger das Kleinkind um jeden Preis tot sehen wollen und so wendet er sich an Donna "Dairy Queen" Quintano (Monica Bellucci), um das Kind mit Muttermilch zu versorgen. Diese lässt im Puff normalerweise nur erwachsene Kundschaft an die Brust. Doch Oberfiesling und Ex-FBI-Profiler Mr. Hertz (Paul Giamatti) ist ihm dicht auf den Fersen und schon sind alle drei zur Zielscheibe geworden. Beim Versuch die Motive der Killer aufzudecken, stößt Mr. Smith auf eine Verschwörung, die bis in die höchsten Kreise der Politik reicht ...
Wer nun denkt, dass es sich bei SHOOT 'EM UP um einen Thriller handelt, der sei vorgewarnt, denn der Plot dient hier einzig und allein dazu, die ausladenden Gewaltorgien zu motivieren. Dabei bedient sich der Regisseur munter bei Woo, Leone und den Bond-Filmen. Treffsicher, wie seit Blondie in IL BUONO, IL BRUTTO, IL CATTIVO keiner mehr war, schießt sich Mr. Smith durch immer zahlreicher werdende Horden von Killern; er rutscht, rollt und springt dabei aus allen Rohren feuernd durch die Landschaft, dass selbst Yuen Woo Ping ein wenig neidisch sein wird.
"Fuck you, you fuckin' fuckers!" - Mr. Smith
Lines wie diese machen einen Großteil der Dialoge aus und geben uns ebenfalls zu erkennen, dass der Film nicht wirklich ernst gemeint ist. (Fast) alles in SHOOT 'EM UP ist dermaßen überzogen und so vollständig stereotypisiert, dass es wie der Film zum Comic wirkt. Ohne Kopfschüsse, Mohrrüben in der Augenhöhle oder das zynische "Ooops" nach dem versehentlichen Ableben von unbeteiligten Passanten, könnte der Film fast als Komödie durchgehen. So aber ist es eine Art Action-Thriller-Spoof, der die Akzente deutlich bei expliziten und temporeichen Schusswechseln setzt.
Gewalt regiert diesen Film. Kaum haben Smith und Donna etwas Zeit für die obligatorische Liebesschaukel, wird schon wieder gefeuert. Doch ein echter Mann verteilt multiple Orgasmen natürlich genauso problemlos wie Kugeln zwischen die Augen. Wenn das Kind schreit, erklärt "Papa" kurz die Mechanik von Handfeuerwaffen, und zaubert so ein zufriedenes Lächeln auf das Gesicht des Kleinen. Und der einzig sichere Ort, seine Familie zu schützen ist ....? Na klar, ein Panzer.
Und so kann man SHOOT 'EM UP auch als Satire auf eine gewaltgeile Gesellschaft lesen.
Wer Actionszenen liebt, wird in diesem rasant-drastischen Film mit seinem exorbitanten Bodycount Erfüllung finden. Mit rasender Geschwindigkeit, die mit Liedern wie Motörhead's "Ace of Spades" untermalt wird, ballern die überzeugend agierenden Darsteller praktisch pausenlos; egal ob sie zu Fuß, mit dem Auto oder mit dem Fallschirm (!!!) unterwegs sind. Die Spoofigkeit des Films wird wohl für wenig Langzeitwirkung sorgen. Aber kurzweilig unterhalten kann SHOOT 'EM UP allemal.