Shoot 'Em Up hat eine schmalbrüstige Alibistory, flache Charaktere und besteht eigentlich nur aus immer wieder aufgefahrener Action. Na und? Im Gegensatz zum äußerst schwachen 300, der auf dasselbe Konzept (lediglich in anderem Setting) setzte und damit in Beliebigkeit versank, geht hier die Rechnung nämlich auf. Weniger CGI, mehr Abwechslung im Detail.
Mit seinen einfallsreichen, optisch aufwändigen Ballereien und dem temporeichen, oftmals hektischen Pacing erinnert der Film sofort an andere aktuelle Blender wie Crank oder Smokin' Aces. Zum Glück wirkt aber Shoot 'Em Up weit ausgereifter als letzterer Streifen und präsentiert sich wie aus einem Guss. Dabei finden sich in diesem Film so viele Anspielungen auf andere Actionwerke, dass Michael Davis ein Lob dafür verdient hat, sie allesamt so nahtlos aneinandergereiht und ins Ganze eingeordnet zu haben.
Die Schießereien des Films, sein Dreh- und Angelpunkt, sind zugleich seine größte Stärke, da sämtlich sehr einfallsreich inszeniert: Nicht nur die zahlreichen Gegner werden auf verschiedenste Weise mit Blei durchsiebt, auch die Umgebung wird mittels der durchschlagkräftigen Waffen trickreich ummodelliert, um so den halsbrecherischen Aktionen und Bewegungsabläufen der Hauptfigur als Spielfeld zu dienen. Diese bewegt sich in einer ausgefeilten Choreographie durch die Gegnerhorden und setzt gar ihr Markenzeichen, die knackige Karotte, als äußerst tödliche Waffe ein ("Esst mehr Gemüse!"). Nicht nur böser Humor schimmert hier durch, sondern in den stilisierten Schießereien ebenfalls eine deutliche Anlehnung an John Woo. Auch hier zielgenaues Schießen mit zwei Waffen gleichzeitig, auch hier eine kunstvoll zerlegte Umgebung, auch hier blutige Einschüsse.
Doch damit nicht genug: Der temporeiche Stil, der anders als bei Woo nicht von Zeitlupen und episch ausgewalzten Durchlöcherungen dominiert wird, nähert sich andererseits dem aktuellen härteren Actionkino an, genauso wie der sarkastische, desillusionierte Protagonist. Leichte Regierungskritik scheint in seinen Aussagen wie auch dem Verlauf der Geschichte durch, hier ähnelt der Film ein wenig dem Shooter. Dabei nimmt sich der Film aber nie zu ernst (s. die omnipräsente Karotte), sondern ist auch herrlich selbstironisch. Da hat der ballernde Gemüsefreund zum Beispiel nur das Pseudonym Mr. Smith - wer braucht schon Namen? Alles ist auf die Action ausgerichtet, kompromisslos wird auf Charaktereinführungen und eine genauere Ausführung der Rumpfgeschichte verzichtet. Stattdessen lieber nackte Haut: Monica Belluci als Hure und Smiths "Freundin" sorgt wieder einmal dafür. Deren überschüssige Muttermilch kommt anstatt zuwendungsbedürftigen Freiern bald aber einem echten Baby zugute. Dieses nämlich ist der Grund für all das Blei und Blut; es steht ganz oben auf der Abschussliste einer bis an die Zähne bewaffneten Killertruppe. Warum? Der Film liefert zwar eine Erklärung, doch die ist hanebüchen und an den Haaren herbeigezogen. Nicht weiter wichtig - es ist schließlich unbezahlbar, einen bärbeißigen Actionhelden zu sehen, wie er sich mit dem Baby im Arm durch die Gegnermassen metzelt.
Wie man sieht, provoziert Shoot 'Em Up zwischendurch mit sichtbarer Freude: Da wird die Waffenlobby wird durch einen gewaltgeilen Perversling repräsentiert, der finstere Oberassassine (Paul Giamatti) weidet sich an den Brüsten einer gerade Ermordeten und eine Entbindung findet per Pistolenkugel statt. Auch einige handfeste Folterszenen finden sich (darunter eine Reminiszenz an Django) und verleihen dem Film leichte Kanten, die seine makellose Inszenierung, die ein wenig zur Glätte neigt, aufrauht und dem Film somit gut zu Gesicht steht.
Der einzige Schwachpunkt dieses gewaltreichen Potpourris (neben den unrealistischen, dafür aber eher seltenen CGI-Effekten) lässt sich leicht im Vergleich mit dem zu Beginn genannten Crank aufzeigen: Es fehlt bei den Abziehfiguren und der unnahbaren, übermenschlichen Ausstrahlung des Helden der Funken Menschlichkeit, der Crank erst so unwiderstehlich macht. Denn Mr. Smith begeht keinen einzigen Fehler, jeder Treffer sitzt. So cool das ist und so gut Clive Owen diese Rolle verkörpert, reicht eine Karotte im Mundwinkel nicht ganz, um die Distanz zum Zuschauer zu überbrücken. Dafür aber sorgt die professionelle und doch augenzwinkernde Inszenierung für ein blutiges, adrenalindurchflutetes und dabei boshaft witziges Vergnügen, das in seiner pointierten Belanglosigkeit von vorn bis hinten Spaß macht.