Es gibt diese Filme, die verlassen Dich während des Schauens. Sei es, weil der Film so langweilig ist, dass Du einschläfst. Oder Thema und Umsetzung sind uninteressant, so dass Du unkonzentriert wirst und dich plötzlich dabei ertappst, nebenbei die Wohnung aufzuräumen oder im Internet zu surfen. Oder die Handlung ist so verworren, dass Du nicht mehr nachkommst und am Ende gar nicht mehr weißt, worum es überhaupt ging.Shoot 'Em Up ist so ein Film, doch er ist weder langweilig noch verworren. Er ist vielmehr so voller abgedrehter toller Action, dass man am Anfang ruft "Wow, wie geil!", etwas später dann sagt "Hey, das ist jetzt aber etwas übertrieben!", noch später meint "Nee, oder!?", und am Ende schaut man sich die wilden Actionsequenzen an und findet sie nur noch blöd.
Schade eigentlich, denn mit Clive Owen und Monica Bellucci hat man zwei wirklich leckere Darsteller kombiniert, denen gegenüber Paul Giamatti einen unterhaltsamen, sympatisch-genervten Bösen abgibt. Aber dann kommt die erste Actionszene, eine Mischung aus Matrix-Kampfkunst, gemischt mit Jackie Chan-Slapstik und knackigen Killerkarotten, garniert mit noch knackigeren One-Linern à la Bruce Willis aus den 80ern. Esst mehr Gemüse.
Reihenweise fallen die namenlosen Schwarzgekleideten, die wie aus Containern entleert aufs Set stürmen, um sogleich umgehauen oder umgelegt zu werden. Der Oberböse bleibt natürlich von allem unbehelligt und kann unbesorgt seine zynischen Bemerkungen fallenlassen, während um ihn herum die Arbeits-Gangster sterben wie die Fliegen. Man erfährt dann auch, dass es um Waffengeschäfte und die entsprechenden politischen Komplikationen geht, dazu noch um dubiose Genexperimente mit jungen Frauen und deren Babys, von denen auch eines in die Obhut unseres Helden und seiner aufregend schönen Bezahlt-Freundin fällt.Wenn es nur einfach ein Actionfilm wäre, würde man ihn sich anschauen und gut ist. Aber Shoot 'Em Up ist so übertrieben, dass ab einem gewissen Punkt das Anschauen weh tut. Bei uns war es die Fallschirmspringer-Sequenz. Bei anderen mag es schon bei der Treppenhaus-Karussel-Maschinengewehr-Szene ausgesetzt haben. Und wieder andere halten vielleicht durch bis zur Hand-im-Kaminfeuer-Abschuss-Sequenz, ehe sie den Kopf und sich selbst schütteln...
Fies oder? Obwohl ich so schlecht über den Film berichte, wird man doch neugierig drauf, stimmts? Wir wussten jedenfalls im Nachhinein nicht, ob wir den Film doof fanden, weil er so maßlos übertrieben war, oder ob wir nicht doch Spaß hatten, weil man wirklich lachen muss über die Potenzierung all dessens, was man aus früheren Actionfilmen kennt. Mir fällt gerade ein, dass ich schon mal so einen völlig übertriebenen Film gesehen hab - Transporter - The Mission. Stellt Euch den vor, nur nicht so realistisch.... :-)Fazit: stilistisch maßlos übertriebene Action funktioniert vielleicht bei Superhelden oder in der Matrix, bis zu einem gewissen Grad auch noch bei James Bond. Aber bei normalen Actionfilmen sollte man eher auf realistische Action setzen, wie z.B bei Das Bourne Ultimatum.