Shoot ’Em Up
WOW! 80 Minuten Rockkonzert, dass unbestreitbar den politisch unkorrekten Weg der Unterhaltung beschreitet und dabei doch so manches Tabu bricht. Schwarzer Humor an jeder Ecke so das einem das Lachen mehr als einmal im Hals stecken bleibt. Bugs Bunny und Elmer Fudd auf Drogen geben sich die Klinke in die Hand und brennen wirklich ein überdrehtes Erwachsenenfilmchen ab, welches sich gewaschen hat.
Die Story um ein Baby was zwischen die Fronten seiner Jäger und seines Retters gerät ist zweifelsohne der erste Paukenschlag, weil eigentlich eine Frechheit, für Film und Zuschauer. Wenn man es genau nimmt beginnt mit der Eröffnungssequenz von „Shoot ’Em Up“ auch schon der Showdown. Von da an rennt Mr. Smith (Clive Owen = Bugs Bunny) durch diesen real gewordenen Cartoon und hinterlässt einen Berg von Leichen, der so hoch ist das die Spartaner glatt vor Neid erblassen dürften. Hertz (Paul Giamatti = Elmer Fudd) ist ein Traumtyp von einem Gegenspieler und mindestens so wütend und gestresst wie sein Zeichentrickvorbild. Doch das hindert ihn nicht daran seiner Sache konsequent genug nachzugehen. Hat man diese Tatsache erkannt sollte sich dieser vollkommen überdrehte und unrealistische Quatsch als Garant für perfekte Unterhaltung outen.
Regisseur und Drehbuchautor Michael Davies hat es hier tatsächlich geschafft, dem Actionfilm als solchen, neues abzugewinnen. Fast schon genial dabei die Idee um den Zwist von Bugs Bunny und Elmer Fudd, da dieser einfach in ein anderes Universum verlagert wurde. Die Onliner krachen im Minutentakt und zünden sogar. Smith strahlt Coolness bis zum Exzess aus und ist dabei auch noch ein kerniger Kerl, der beim Koitus mit einer leckeren Schnitte (Monica Bellucci) doppelt zielsicher ist. Wie gesagt storytechnisch totale Einbahnstrasse spielt der Film seine wenigen Stärken ausufernd direkt aus, ohne dabei den Fehler zu begehen im tarantinoesken Fahrwasser mit zu schwimmen und dabei abzusaufen. Fast könnte man von einer Persiflage auf den Tarantinostil reden. Kaum Zitate, viel Ironie, oft abgefahrene Einfälle und vor allem keine endlosen Dialoge. ACTION wird hier GROSS geschrieben und nimmt schätzungsweise 80 Prozent der Laufzeit in Beschlag. Das die Macher bei den Choreographien sehr kreativ waren ist dabei nur zu beklatschen. So kommt es nicht zu einer Überstrapazierung der Nerven und die Produktion läuft nicht Gefahr eintönig runtergekurbelt zu wirken. Die Shootouts sind schneidig umgesetzt und bieten einige abgefahren Kamerafahrten. Zwar bewegt sich das Actionszenario, im gesamten betrachtet, auf einem schmalen Grad zwischen ausufernd und lächerlich, doch bekommt „Shoot ’Em Up“ diesbezüglich die Kurve. Was nicht zuletzt daran liegt, dass der Film sich selbst überhaupt nicht ernst nimmt und eher immer noch eins draufsetzt.
Die Darsteller tragen ihren Teil dazu bei und vor allem die beiden Hauptdarsteller Clive Owen und Paul Giamatti hatten ganz offensichtlich großen Spass bei der Arbeit, weshalb auch die Dialogszenen vom Hang zum Kultfilm umschmeichelt werden. Owen’s Charakter scheint, so wie er hier gezeichnet wurde, aus „Sin City“ entsprungen zu sein. Prinzipien, Kompromisslosigkeit, Attraktivität und die Kraft, entsprechend einer Situation, zu handeln, machen ihn für seine Gegner sehr gefährlich und für den Zuschauer zum absoluten Sympathieträger. Dabei scheint es jederzeit so dass er nichts zu verlieren hat. Giamatti’s Charakter ist von Anfang an zum scheitern verurteilt, doch will er es nicht wahrhaben. Dabei kann dieser Typ einen schon wieder fast leid tun. Die entscheidende Konfrontation beider Supermänner kommt und ihr Ausgang soll keine Überraschung sein.
Die Wahl der musikalischen Musikuntermalung schallt schräg, hart und passend ins Ohr. Hardrock bzw. Metal, Grunge und Elektronik dominieren das Blei-, und Blutfest von Anfang bis Ende. Songs von bekannten Bands wie Nirvana, Wolfmother, Motörhead, Marr, Paul Oakenfold, AC/DC und Green Day bieten einen saftigen Kracher nach dem anderen und fetzen das die Bude wackelt.
Zwar kann und will ich hier keine fundierte Analyse bereitstellen doch sollte man zugeben das dieser Film eindeutig als gelungen bezeichnet werden muss. Auf der einen Seite Regiedebüt mit diversen Qualitäten, einer satten Ladung Action, pädagogisch überhaupt nicht Wertvoll, auf der anderen höchstwahrscheinlich ein Fluch, denn der nächste Film von Michael Davies wird sicher genauer fokussiert und dann reichen die oberflächlichen Zutaten allein nicht mehr aus. Lediglich die kurze Laufzeit würde ich beanstanden, denn mit 80 Minuten geriet der Film doch sehr kurzweilig.
Fazit: Actionfans werden vollends zufrieden gestellt, denn dieser Cocktail aus Sex, Gewalt und Fun bietet reichlich von allem.
Nach erster Sichtung vergebe ich glatt 9 von 10 Karotten.