Man kann Geburtshelfer spielen und währenddessen ein paar Bösewichte abknallen, man kann Sex haben, weitere Gangster wegpusten und die Frau gleichzeitig zum Orgasmus bringen und wenn man keine andere Verwendung für Karotten hat, als sie zu essen, landen sie vorm Abzug einer Handfeuerwaffe, - dafür muss der Schütze noch nicht einmal unmittelbar in der Nähe sein.
Das alles sind Bestandteile von „Shoot ´Em Up“, dem wohl rasantesten Actioner seit „Crank“.
Clive Owen mimt den Helden (fast) ohne Hintergrund, weshalb er sich schlicht Mr. Smith nennt. Nach der Rettung und Mitnahme eines Neugeboren unter dem Dauerfeuer einer Horde Schießwütiger gelingt ihm, gemeinsam mit der Prostituierten Quintano (Monica Bellucci) zunächst die Flucht. Doch die Hatz findet noch lange kein Ende, während Aufdeckungen in höchste Regierungskreise lenken…
…was zweitrangig und im Kern auch gar nicht so recht nachvollziehbar ist. Da man pausenlos, als würde man selbst einen Shooter an der Konsole durchspielen, mit dem Geschehen in Bewegung ist, fallen diverse Unzulänglichkeiten ohnehin eher minder ins Gewicht.
Wer seinen Hauseingang mit einer Ratte sichert, während des Schlidderns über den Boden einen Tisch als Schutzschild aufrichten kann und Patronen auch ohne Waffe abfeuert, sollte grundlegend nicht hinterfragt werden, - denn all das kann unser Held, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, - das im Verlauf angedeutete Trauma löste dies wohl aus.
So wird denn auch nie deutlich, warum Smith das Baby um jeden Preis schützen will, obgleich er die sieben Leben einer Katze bereits nach wenigen Minuten eingelöst hat.
Auch wird nie klar, woher diese mannigfaltigen Begabungen kommen, wie Fallschirmspringen, Schussvorrichtungen mit Seilen basteln oder der Hang zu Möhrchen, die als Waffe auch mal ins Auge gehen können.
Erstaunlicherweise interessiert dies auch nicht, es bleibt zwar alles recht oberflächlich, storytechnisch dünn und mit zahlreichen Klischees besetzt, die noch nicht mal überspitzt werden, doch die Puste geht dem freudigen Treiben bis zuletzt nicht aus.
Ergo wird, obgleich sich Schießereien nur an verschiedenen Orten wiederholen, für eine Menge Abwechslung gesorgt. Es bleibt auch Zeit für kleine One-Liner („Weißt du, was ich wirklich hasse?...“) und Running Gags (Oberfiesling muss sich vor Frau am Telefon rechtfertigen), was das zuweilen knallharte, auch blutige Geschehen immer wieder wohltuend auflockert, zumal das Baby stets im Risikozentrum steht, sofern es nicht gerade in einem Panzer versteckt wird.
Owen verpasst seiner Figur den entsprechenden Anstrich mit Hundeblick wie eine Mischung aus Jean Reno und Nicholas Cage, Bellucci hält sich dabei eher zurück und überlässt Paul Giamatti als Oberfiesling das Feld, der in nahezu jeder seiner Szenen untermauert, was einen solchen Schurken im Detail ausmacht.
Darstellerisch also eine Idealbesetzung, handwerklich ebenfalls grundsolide, nur der Score könnte etwas mehr brettern.
Und so erwartet Freunde des Actionfilms nichts anderes, als der Titel ankündigt: Gas geben, drauf los ballern und Gehirn in den Spam-Ordner zwischenlagern.
Mit der abgetrennten Hand eines Toten lässt sich nebenbei genauso gut schießen, wie man unter Umständen ein Neugeborenes mit Heavy Metal Klängen beruhigen kann.
Ja, Hanebüchenes sollte man schon mögen…
7,5 von 10