Originaltitel: Shoot ’Em Up
Regie: Michael Davis
Produktionsland: USA (2007)
Darsteller: Clive Owen, Paul Giamatti, Monica Bellucci, Stephen McHattie, Greg Bryk, Daniel Pilon
Story:
„Mr. Smith“ fühlt sich berufen einer schwangeren Frau aus einer misslichen Lage zu helfen. Diese wird von einer Gruppe bewaffneter Männer verfolgt. Smith ist aber durchaus in der Lage mit einer so großen Gruppe fertig zu werden und nebenbei noch das Baby auf die Welt zu bringen. Nachdem die Frau trotz seiner Hilfe getötet wurde hat er plötzlich ein Baby und unzählige, schwer bewaffnete Männer am Hals – kein sehr guter Tag! Und dabei wird es bleiben. Ach Quark, es wird schlimmer!!!
Mein Senf:
SHOOT `EM UP ist ein Knaller von einem Film. Ein Kracher auch! Ein Volltreffer sozusagen. Sehr treffsicher – quasi. Alles, nur kein Schuss in den Ofen – eher eine Granate, ein Magazin voller Kuriositäten, Sarkasmus und Irrwitz. Und dieses Magazin ist komplett leer geballert worden. Mitten ins Schwarze. Bildlich gesprochen.
Allein schon das Intro ist ein Traum. Eine Close-Up- Aufnahme der Augen des Hauptcharakters führt eben diesen ein. Wie in einem Italo-Western. Starr blickt er in die Ferne. Die Kamera fährt langsam zurück und gibt das Gesicht von „Mr. Smith“ dem Publikum preis. Dreitagebart, ernst dreinschauend, keine Mine verzogen - ich glaube er blinzelt nicht einmal. Die Kamerafahrt geht weiter und der Lonesome Rider nimmt einen kräftigen Biss von seiner Karotte - Wait, what?
„Esst mehr Gemüse!“
Dieser Film nimmt nichts ernst und parodiert jedes Vorbild. Bereits das Intro gibt hier knallhart die Fahrtrichtung vor! Die Waffe, die Mr. Smith in der ersten Schießerei benutzt, ist eine Walther PPK. Diese wird üblicherweise auch von James Bond benutzt. Wenn man nun auch noch weiß, dass Clive Owen ursprünglich als Bond-Ablöse für Pierce Brosnan vorgesehen war und er erst kurzfristig für „Casino Royal“ von Daniel Craig ersetzt wurde, bekommt es plötzlich eine völlig andere Bedeutung, wenn seine Walther eine Ladehemmung hat und er sie mit den Worten „Was für ein billiges Mistding!“ zur Seite wirft.
Ebenfalls erwähnens- und sehenswert ist der Bösewicht, der Gegenspieler von Mr. Smith (verkörpert von Paul Giamatti). Er ist ein Knaller par excellence! Ständig telefoniert er mit seiner Frau oder schwingt große Reden, wenn er nicht gerade irgendwelche Leute abknallt. Die beiden Kontrahenten Smith und Hertz sind insgesamt inszeniert wie Bugs Bunny und Elmer Fudd. Der eine ist etwas kleiner, gesetzt und trägt immer eine Waffe mit sich herum, der andere ist groß gewachsen, hat meist eine Möhre im Mund und trägt ebenfalls eine Waffe mit sich herum.
„Is‘ was, Doc?“
Im Kern der Geschichte geht es darum, dass Clive Owen (wie schon ein Jahr zuvor in „Children of Men“) ein Baby beschützen muss. Regisseur Michael Davis hatte die Inspiration für die Story durch eine Szene mit Yun-Fat Chow, der in in John Woo's „Lat sau san taam – Hard Boiled“ ebenfalls ein Baby durch eine Schießerei rettet. Warum so viele bewaffnete Kerle hinter diesem Baby her sind interessiert dabei aber auch nur Smith und seine Begleiterin (Monica Bellucci), sonst niemanden. Es ist eigentlich auch gar nicht weiter wichtig(wird aber trotzdem erklärt!). Überhaupt scheint mir nichts in dem Film irgendwie wichtig zu sein oder eine tiefere Bedeutung zu haben, denn die Essenz des Streifens dreht sich nur um zwei Dinge neben denen alles andere zur Nebensache verkommt:
1. Waffen und
2. Wie man mit eben diesen möglichst viele Menschen auf möglichst coole Art umbringen kann.
Das war’s dann auch schon. Das in dem Film keine einzige große Explosion vorkommt, die ja unsinniger Weise von den Waffen ablenken könnte ist dabei sehr bezeichnend! Der Bodycount zum Film ist ebenfalls bemerkenswert und spricht Bände: Imdb.com listet 106 Tote, der Count im dvd-forum.at listet 132 Tote. Irgendwo in der Größenordnung bewegen wir uns jedenfalls – beachtlicher Weise. Und bereits diese Zahlen und Feststellungen unterstreichen, dass die Geschichte des Films nur Mittel zum Zweck ist. Es geht wirklich nur um die rasante Inszenierung von Schießereien. Darin ist auch das Tempo des Films begründet, dass bisweilen auch Assoziationen zum ebenso rasanten wie unsinnigen „CRANK“ weckt.
Die innere Logik des Films ist fernab jeglicher Norm! Überzogen, abgedreht, unfassbar, übertrieben, vollkommen unmöglich, daneben, geschmacklos, physikalisch grenzwertig! „Und wenn ihr das schon toll findet solltet ihr mal sehen wie ich meinen Namen in den Schnee schreibe!“ Was den Irrsinn noch unterstreicht: Als einziges Tötungsinstrument neben Handfeuerwaffen und Gewehren ist noch die Karotte erwähnenswert. Mehr nicht!
„Warum ist eine Waffe besser als eine Frau? Weil es für Waffen einen Schalldämpfer gibt!“
Owen mimt den selbsternannten Rächer und „(…)wütendsten Mann auf der Welt“ sehr überzeugend – falls man das bei einem solchen Film überhaupt so nennen kann. Monica Bellucci ist – nun ja – anwesend und Paul Giamatti ist traumhaft durchtrieben – aber auch „(…)eine Pussie mit einer Waffe in der Hand“. Dieses Gespann trägt den Film! Und der ist für Freunde von Actionfilmen definitiv sehenswert – obwohl mich persönlich der CGI-Einsatz teilweise arg gestört hat! Logiklöcher gibt’s übrigens auch (Karotten kommen hier frisch gewaschen aus der Erde) – aber wen interessiert bei so einem Feuerwerk die Logik? Owen ist so cool, dass er sogar beim Vögeln noch Menschen erschießt und das Baby ist schon nur deswegen sympathisch weil es auf Death-Metal steht!
SHOOT `EM UP ist aber auch eine Enttäuschung auf ganzer Linie! Allerdings nur für die, die Handlung und so etwas wie Vielschichtigkeit erwarten. Drama vielleicht. Eventuell einen Sinn in der Sache statt nur Sache selbst. Irgendetwas mit Anspruch vielleicht? HIER NICHT!
„Ich hasse es, dass diese 40jährigen Wichser immer einen Pferdeschwanz tragen!“
Von mir gibt’s 8/10, aber ich tendiere hin und wieder Richtung 7. Je nach Laune denn eines bleibt Fakt: der Film ist unfassbar dämlich. Da muss man schon mal Bock drauf haben, sonst wird man damit nicht grün! Aber hey, die DVD gibt's mittlerweile auf dem Grabbeltisch - also zuschlagen!