All Guns Blazing
Kein ruhiger Abend für Mr. Smith (Clive Owen), der karottekauend auf den Bus wartet, denn eine schwangere Frau wird von einigen Männer in eine Lagerhalle verfolgt. Wie ein echter Gentleman eilt er ihr zu Hilfe, nur um prompt in eine wilde Schießerei verwickelt zu werden. Nebenbei hilft er auch noch das Baby auf die Welt zu bringen, dass leider nichts von seiner Mutter hat, denn die überlebt den Kugelhagel nicht.
Um dem Neugeborenen weitere Unannehmlichkeiten zu ersparen, gibt er es bei der Prostituierten Donna Quintano (Monica Belluci) ab, die zunächst mal als Leihmutter herhalten soll. Wie sich recht bald herausstellt, dient dieses und weitere Babies einem eher fragwürdigen Zweck. Diesen zu verheimlichen ist Aufgabe von Hertz (Paul Giamatti), der immer wieder neue Leute anheuern muss, um Smith irgendwie aus dem Verkehr zu ziehen.
Man merkt schon, die Story ist nicht unbedingt oscarwürdig und spielt auch nicht die erste Geige. Was aber bei einem reinrassigen Actionfilm wie Shoot 'Em Up eh völlig nebensächlich ist, denn hier liegt die Betonung ganz klar auf Action.
Während der sehr kurzen Laufzeit geht es praktisch pausenlos zur Sache. Ständig gibt es bleihaltige und blutige Schusswechsel, die glücklicherweise sehr übertrieben dargestellt und somit dem Genre voll gerecht werden. Dazu noch ein paar markige Oneliner und der perfekte, anspruchslose Actioner ist fertig.
Genau diesen Aspekt erfüllt Shoot 'Em Up zu 100%. Er will gar nicht mehr sein als eine Ballerorgie und nimmt sich niemals ernst. Auch wenn es hier und da ein paar Rückblenden und Dialoge bezugnehmend auf Smiths Vergangenheit gibt bekommen die Charaktere keine Tiefe. Ist das bei so einem Film notwendig? Nein!
So wirr die Story, die neben dem Geballer abläuft auch ist, so unterhaltsam ist sie auch. Dass Regisseur Micheal Davis den John Woo Klassiker Hard Boiled ganz genau studiert haben dürfte ist ziemlich offensichtlich, denn die Machart seines Film erinnert doch stark an Chow Yun Fats Paradefilm. Im Gegensatz zu Woo hat Davis aber wirklich jede unnötige Storysekunde über Bord geworfen.
Die Action ist wild, laut und verrückt, teils mit CGI realisiert und kaum in der Wirklichkeit vorstellbar. Genauso muss das sein. Als Actionfan war ich fast permanent am Lachen und Schmunzeln ob des abgefahrenen Spektakels, dass ich bewundern durfte.
Abgerundet wird das Ganze - und damit verdient sich der Film die (genrespezifische) Höchstnote - von einem grandiosen Rocksoundtrack, der vor allen Dingen härteren Klängen Rechnung trägt. So dürfen u.a. AC/DC, Motörhead und Nirvana das Geschehen untermalen, was das Sehvergnügen gleich noch mal steigert.
Ein Actionfilm nach Maß - knackig, kurz, bleihaltig, voller Adrenalin und witzger Momente. Nichts für Kinder, aber erwachsene Filmfans dürften ihren Spaß haben. Ich hatte ihn jedenfalls.