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Im Kielwasser ähnlich gelagerter Actionreißer kam 2007 der Film "Shoot Em Up" in die Kinos. Die Story ist leicht erzählt: Clive Owen sitzt auf einer Bank und knabbert eine Karotte. Eine schwangere, panische Frau stolpert vorbei, verfolgt von bewaffneten Männern. Kurzerhand greift Owen ein - der Rest ist ein beinahe durchgehender, von lauter Rockmusik unterlegter Kugelhagel.

"Shoot Em Up" ist handwerklich sehr gut gemacht. Der Puls des Films nimmt von Anfang bis Ende einen schweißtreibenden, hektischen Rhythmus an, der dem Zuschauer kaum eine Atempause gönnt, die Action ist furios inszeniert und mit einigen haarsträubenden Stunts garniert und das ganze Gewitter wird immer wieder durch grotesken Humor ins leicht Surreale verlagert. Freunde skurriler Actionfilme, wie es schon "Crank" und "Smokin' Aces" waren, kommen hier gewiss auf ihre Kosten.

Doch auch wenn die Filmemacher ein Gespür für groteske Szenen erkennen lassen (zugegeben: so cool wie Clive Owen hat noch keiner in der Filmgeschichte eine Möhre gefuttert, geschweige denn sie zweckentfremdet), übertreiben sie es allzu oft mit der slapstick-ähnlichen Überzeichnung der Actionszenen. So sieht die Wohnung des Helden eher wie eine Lagerhalle aus, die sich zwar für rasante Stunts eignet, aber wohl kaum zum Wohnen. Und die Sprüche, die er nach jedem erfolgreich absolvierten Kampf loslässt, sind in den meisten Fällen allzu verkrampft auf cool getrimmt. Außerdem fällt bei all dem Actionradau die hauchdünne Story schnell hinten runter, ganz zu schweigen von der Figurenzeichnung. Und Paul Giamatti, der oft Fieslinge spielt, überspitzt seine Figur eines durchgeknallten Gangsterbosses mal wieder so rettungslos, dass man schon ein wenig gezwungen lachen muss.

Auch nehmen die Stunts an sich mit fortlaufendem Film immer unglaubwürdigere Dimensionen an - und spätestens, wenn der Held seine mit Kugeln durchsiebte Hand in eine offene Flamme hält, um auf den Bösewicht zu schießen, betreten die Drehbuchschreiber vorsichtig das Reich des Blödsinns. Hinzu kommt eine völlig unnötige, brutale Schlusssequenz - und mal ganz ehrlich: So wahnsinnig originell ist ein Film dieser Machart nicht, wenn er nur kurze Zeit nach oben genannten Slapstick-Action-Streifen herauskommt.

Insgesamt bietet "Shoot Em Up" aber ein sehr unterhaltsames Stück postmodernen Action-Kinos. Da wird geflucht, geballert und gekämpft, was das Zeug hält, die Story, obwohl kaum vorhanden, hat immer noch genug Platz für eine kleine politsatirische Einlage, und Clive Owen, der definitiv anspruchsvollere Rollen spielen kann, versucht sich erfolgreich als Action-Held. Wer keine allzu hohen Ansprüche an Glaubwürdigkeit von Handlung und Stunts stellt, dürfte hier bestens unterhalten sein.

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