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In den USA bezeichnet man die Nachtschicht von 23 bis 07 Uhr morgens allgemein als „Graveyard Shift“, da es während dieser Arbeitszeit beispielsweise bei Jobs des tertiären Sektors (wie wenn man als Tankstellenwärter, Kassierer bei „7-11“ oder in einem 24-h-Diner arbeitet) meist ruhig wie auf dem Friedhof zugeht. Im Falle dieses Films wird während jener Zeit zwar viel und hart in einer verarbeitenden Mühle gearbeitet, doch die örtliche Nähe zu einer alten Beerdigungsstätte verleiht dem Titel eine nette Doppeldeutigkeit.
Basierend auf einer relativ unbekannten Kurzgeschichte des Horror-Meisters Stephen King, verfasste John Esposito auf Basis der Vorlage ein genrekonformes Drehbuch, welches Ralph S.Singleton schließlich für Paramount Pictures umsetzte…

Gates Falls, Maine: Vor vielen Jahren war die „Bachman Textile Mill“ stillgelegt worden, doch nun hat man sie, unter der Führung des fast tyrannisch auftretenden Warwick (Stephen Macht), wieder in Betrieb genommen. Abgesehen von der maroden Bausubstanz und einigen „Arbeitsunfällen“ wird die anlaufende Arbeit zusätzlich noch durch hunderte von Ratten erschwert, welche sich in dem alten Gebäude angesiedelt haben – der örtliche Schädlingsbekämpfer (Brad Dourif) steht angesichts ihrer Anzahl und Hartnäckigkeit auf verlorenem Posten.
Als der Herumtreiber John Hall (David Andrews) neu in die Stadt kommt, bekommt er in der Mühle einen Job an der Maschine zur Baumwollverarbeitung, welche wegen der hohen Betriebstemperatur ausschließlich nachts genutzt wird. Da er zusätzliches Geld gut gebrauchen kann, lässt er sich von Warwick zu einer Entrümplungsaktion des Kellers überreden, da der Zustand jener Örtlichkeit einen klaren Verstoß gegen geltende Sicherheitsbestimmungen darstellt, weshalb Warwick ein städtischer Kontrolleur im Nacken sitzt.
So machen sich einige Angestellte dann während einer Feiertagsschließung an die Arbeit, bei der sie eine Falltür zu weiteren Kellerebenen entdecken, welche in katakombenartige Tunnel in Richtung des in der Nähe gelegenen Friedhofs übergehen. Als ihnen durch den Zusammenbruch einer alten Treppe der Rückweg abgeschnitten wird, müssen sie sich einen anderen Ausgang suchen, doch schon bald werden sie nicht nur mit einer Vielzahl Ratten, sondern auch mit einer blutrünstigen Kreatur konfrontiert, welche für viele diese Nacht zu ihrer letzten werden lässt…

Okay, die Kurzgeschichte von Stephen King gehört nun auch nicht zu seinen Highlights, aber wenigstens ist sie präzise und konsequent: King beschränkte sich auf seinen Hauptcharakter, der zusammen mit dem verhassten Chef eine Aufräumaktion im Keller eines alten Gebäudes antritt und dort auf viele garstige Ratten trifft – das war’s. Hätte man die Vorlage im Format einer „Tales from the Crypt“-Episode umgesetzt, wären mit etwas Fingerspitzengefühl 30 großartige Horror-Minuten herausgekommen – so aber reicherte man die Handlung mit einer Hintergrundgeschichte, vielen neuen Charakteren und schlussendlich gar einem blutrünstigen Monster an, womit die gewünschte Lauflänge zwar ausreichend gefüllt werden konnte, im Endeffekt jedoch die Geschichte zu sehr verwässert und gestreckt wirkte. Neben dem offenkundigen Mangel an echter Spannung, kann man sich dem Gefühl nicht erwehren, es würde irgendetwas fehlen – wenn auch nur ein wenig mehr Tempo, denn trotz der mit rund 88 Minuten verhältnismäßig kurzen Laufzeit, wirkt der Film stellenweise recht langsam, lahm oder gar langweilig (na ja, fast).
Ein Teil der Schuld trägt sicherlich Regisseur Ralph S.Singleton, der zuvor zwar die King-Verfilmung „Pet Semetary“ mitproduzierte, initiatorisch aber ausschließlich bei der TV-Serie „Cagney & Lacey“ Erfahrungen sammeln konnte – seine Umsetzung hat zwar ihre Ansätze und Momente, wirkt aber letztendlich eher halbherzig und uninspiriert. Es spricht auch für sich, dass er bis heute (2004) keinen weiteren Film mehr inszeniert hat…

Das Hauptproblem liegt darin, dass die Inszenierung es kaum vermag, Spannung und Atmosphäre zu erzeugen – obwohl gerade für letzteren Aspekt alle Voraussetzungen eigentlich gegeben waren: Alte, dreckige Kellerebenen und Tunnel, in denen sich ein leichter Nebelschleier unheilschwanger über den Boden gelegt hat, die gigantische Höhle der Kreatur, in welcher sich die Knochen der Opfer meterhoch stapeln, der blutgetränkte unterirdische Fluss, der verkommene Friedhof im Tal gleich unterhalb der Fabrik … und trotzdem will keine Gruselstimmung aufkommen. Stattdessen bekommt man etliche Ratten zu sehen, wie auch kurze Blicke auf Teile der Kreatur (mal ein Flügel, mal eine Klaue, mal ein Bein), einige Härten (hauptsächlich in Form von abgetrennten Gliedmaßen) und viele zwischenmenschliche Konflikte (Warwick verliert beispielsweise am Ende die Nerven und läuft gar Amok).
Als man die Kreatur schließlich vollständig zu Gesicht bekommt, entpuppt sie sich als übergroße Kreuzung aus Ratte und Fledermaus, welche man gar nicht mal so übel umgesetzt hat. Was den Film in meinen Augen sympathisch macht, ist dass er von den Effekten her nie wirklich billig wirkt – aus der Zeit, bevor man Monster und Rattenherden eher per CGI am PC entstehen ließ, hat man bei dieser Produktion in jenem Bereich recht gute Arbeit geleistet.

Abgesehen davon, dass der Film eigentlich nur recht unsympathische und eindimensionale Charaktere aufbietet, leidet er zusätzlich unter seinem farb- und ausdruckslosen Hauptdarsteller David Andrews, der später im Laufe seiner Karriere zwar noch in „Fight Club“ und „Terminator 3“ mitwirken durfte, hier aber eine ganz schwache Vorstellung abliefert. Stephen Macht (aus „Trancers 3 bis 5“, der mich vom Aussehen her ständig irgendwie an Fred Ward erinnerte) spielt das Ekel Warwick zwar auch nicht unbedingt Oscar-würdig, doch wenigstens mit sichtlichem Vergnügen sowie einem (in der Originalfassung) herrlich ungewöhnlich intonierten New-England-Akzent. Die Nebenrolle von Kult-Darsteller Brad Dourif (“Lord of the Rings“/“Death Machine“) als Tabak kauender „Exterminator“ (und Vietnam-Veteran) kann man jedoch getrost als Glanzpunkt bezeichnen, denn er präsentiert seine Figur gewohnt schräg und fast schon manisch, woraus auch die beste Szene des Films resultiert, in der er Hall eindringlich eine Kriegsgeschichte über eine Menschen fressende Vietkong-Ratte erzählt. Für Freunde des B-Films sei noch erwähnt, dass der (Original-) „Wishmaster“ und Albert-Pyun-Wegbegleiter Andrew Divoff (“Adrenalin“/“Faust“) ebenfalls mit von der Partie ist…

„Graveyard Shift“ ist im Endeffekt nun wirklich keine filmische Katastrophe, weder an sich noch als Adaption, doch aufgrund der einfallslosen Geschichte und Inszenierungsweise trotzdem weit von einem guten Film entfernt (dazu wäre mehr Spannung, Atmosphäre und/oder Gore, sowie ein besseres Skript und/oder eine konsequentere Regie nötig gewesen).
Fans des Vorlagen-Autors können sich beim Ansehen jedoch über einige nette Stephen-King-Referenzen freuen: Die „Bachman Textile Mill“ ist vom Namen her eine deutliche Anspielung auf Kings Pseudonym „Richard Bachman“, Warwick fährt einen Wagen, der Erinnerungen an „Cristine“ weckt, und eine „Castle Rock“-Erwähnung ist ebenfalls vorhanden.
Außerdem hat mich der Anfang und das Ende (jeweils mit den blutigen Vorkommnissen rund um die Maschine zur Bearbeitung der Baumwolle) sehr stark an die fast identischen Szenen in der späteren Verfilmung von „the Mangler“ erinnert. Ach ja – und die Sequenz, in welcher das Monster eines der Opfer mit seinem Fledermaus-artigen Flügel umwickelt, so dass sich die menschlichen Konturen noch durchs Gewebe abzeichnen, hat man für „Jeepers Creepers 2“ fast eins zu eins übernommen…

Fazit: Eine weitere „nicht unbedingt gelungene“ Stephen-King-Adaption, die zwar als annehmbarer Tierhorror der Güteklasse „B“ durchgeht, letztendlich aber aufgrund von etlichen Schwächen nicht wirklich überzeugen kann … 4 von 10.

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