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Fast alles aus der Feder Stephen Kings wird früher oder später verfilmt, egal ob Roman, Novelle oder Kurzgeschichte – auf letzterem basiert „Graveyard Shift“.
Der Titel bezieht sich auf die amerikanische Bezeichnung für die Nachtschicht, wenn es still wie auf dem Friedhof ist. In einer Spinnerei in einer amerikanischen Kleinstadt haben Angestellte bei der Nachtschicht allerdings das Pech friedhofsreif zu enden: Ein Fledermausmonster geht um, das zusätzlich noch Ratten kontrolliert und killt die Leute unbemerkt. Das war es dann auch an Erklärungen: Woher das Vieh kommt, ob Intelligenz besitzt, was genau das Wesen überhaupt ist – all das fällt flach. Gibt das Biest halt und es killt Leute, Basta.
Der junge Draufgänger John Hall (David Andrews) heuert in dem Betrieb an – die Stelle des nächtlichen Überwachens der Maschinen ist mal wieder frei. Doch bald kommen er und andere Mitarbeiter mit dem Bösen in Berührung...

Im Falle von „Graveyard Shift“ fällt direkt auf, dass die Vorlage kaum genug für einen Langfilm hergab, denn sonderliche Kohärenz kann man dem Film nicht attestieren. In der ersten Hälfte gibt es halt ein paar Zwischenfälle, der Rattenfänger Tucker Cleveland (Brad Dourif) wird eingeführt und ein paar Subplots eingeführt (u.a. eine Liebelei, die aber lustlos runtergespult wird). Das ist aber alles von wenig Bewandtnis, in der Hauptsache geht es darum die Zeit bis Hälfte zwei zu überbrücken, in der eine Aufräumaktion im Keller zunehmend zum Überlebenskampf wird. Da ist schnell klar, wen es erwischen wird und wer überleben darf, auch ist klar, wer als unschuldiges Vornewegopfer endet und wer aufgrund besonderen Unsympathentums erst später draufgeht. Auch die Rattenfängerfigur bringt zwar Skurrilität in den Film, wird aber vom Drehbuch verschenkt, da sie mittendrin sang- und klanglos den Löffel abgibt.
Brad Dourif ist dann auch der B-Akteur, der dem Treiben hier seinen Stempel aufdrückt, mal wieder in der freakigen Nebenrolle, aber die Art von Part kann er ja im Schlaf. Der Rest vom Fest ist blass, selbst Held David Andrews kann nicht herausstechen und bleibt genauso profillos wie der fiese Chef, des Protagonisten Schätzelein oder die Arbeitskollegen – aber die sind zum großen Teil eh nur Metzelmasse, darunter auch Andrew Divoff.

Aber dennoch ist bei „Graveyard Shift“ nicht Hopfen und Malz verloren, da immerhin Regie und Setdesigner ihren Job verstehen. Den Kulissen sieht man das günstige Budget gelegentlich an, doch für die niedrigen Geldmittel macht der Film dann einiges her und besitzt zudem den Charme des Handgemachten. Gerade die Auftritte des mörderischen Biests sind nett kleine Highlights und wenn man dann in der Höhle angekommen ist, darf man sich über stimmige Umgebung freuen (cool z.B. ist der Fressplatz des Monsters).
Zudem versteht Regisseur Ralph S. Singleton es aus dem Plot noch einiges an Spannung herauszukitzeln, so vorhersehbar die Geschichte an sich auch sein mag. Doch stets wird auf gute altmodische Art mit den Erwartungen gespielt wann und von wo das Vieh jetzt zuschlägt, die Ratten als Unheilsboten verbreiten ein stimmiges Gefühl der nahenden Bedrohung und die Mordszenen sind auch recht stimmig gemacht, wobei die Effekte nicht übermäßig hart geraten sind.

„Graveyard Shift“ ist kein Highlight unter den King-Verfilmungen, dafür geben Drehbuch und Besetzung nicht genug her. Doch immerhin Regisseur und Crew wussten hier zum Teil was sie taten und drehten so einen billigen, aber ganz soliden B-Horrorstreifen, dessen Charme des Handgemachten ihn noch ins Mittelfeld hievt.

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