Was Leinwandverarschungen betrifft, kennt das Duo Friedberg/Seltzer kein Pardon. Mit „Scary Movie“ klappte das zunächst noch ganz ordentlich, auch wenn die nachfolgenden Teile nicht mehr an die Qualitäten des Erstlings anknüpfen konnten. Dann folgte mit „Date Movie“ die Talsohle und nun startet man mit „Fantastic Movie“ eine Parodie auf Fantasy Blockbuster.
Das kann funktionieren, sofern man in der Lage ist, sich auf das Fäkalniveau eines Zehnjährigen hinab zu begeben.
Da es sich bei der Handlung um wahllosen Spoof (Parodie durch Imitation) bekannter Genre-Filme handelt, bleibt lediglich festzuhalten: Vier erwachsene Waisenkinder gelangen von Willys Schokoladenfabrik durch einen Kleiderschrank in das Königreich Gnarnia (mit stumpfen G) und müssen das Volk von der Königin, der weißen Schlange/Schlampe befreien.
Ohne roten Faden reiht man hier eine Persiflage an die nächste, um möglichst viele Vorbilder einzubauen, gleiches gilt für die Auftritte bekannter Filmfiguren. So darf ein schlechtes Samuel L Jackson Imitat eine Frau aus dem mit Schlangen gefüllten Flugzeug werfen, Borat in seinem berühmten Badeoutfit rumstehen, eine Paris Hilton Kopie in den Boden gestampft werden, Carmen Electra in die Rolle der Mystique aus „X-Men“ schlüpfen und der masochistische Mönch aus „Da Vinci Code“ schrill durch die Gegend hechten. Zudem gesellt sich der versoffene Pirat Jack Swallows, der dem Original zumindest auf den ersten Blick ähnlich sieht und nicht so unbeholfen schauspielert wie der übrige Cast. Bis auf Jayma Mays in der Rolle der Lucy, die so naiv und niedlich durch die Gegend tollpatscht, dass es schon wieder sympathisch ist.
Zu entdecken gibt es allerdings viele Filme: Von „Mission Impossible“ über „Superman“, „Casino Royale“, „Nacho Libre“ und „Rob Roy“ bis zu „Scarface“ und „Klick“.
Ansonsten beherrschen leider niveaulose Gags und tumber Slapstick das Treiben. Da kann man sich schon denken, dass der Schokoladenfluss in Willys bunter Fabrik eben nicht aus Schokolade besteht. Es ist zwar okay, einen Gnom durch einen Zauberstab in die Luft zu schleudern, - beim dritten Mal hintereinander bereitet das dann aber weniger Freude.
Noch unsinniger erscheinen Szenen, in denen sich die vier Hauptfiguren ständig gegenseitig verprügeln oder häufig Sätze nachplappern. Überaus albern erscheint dazu ein mehrfacher gebrachter Gag, bei dem einer Figur in Gefahrensituation Hühnerflügel wachsen und er doof herumgackert.
Überdies dürfen natürlich nicht eine maßlos übertriebene Kotzszene und ein Viagra-Gag fehlen.
Das wäre auch alles noch zu verkraften, doch was wirklich nervt, sind die ständigen und unpassenden Einschübe irgendwelcher schrillen MTV-Serien und Darbietungen irgendwelcher Rapper mit halbnackten Tänzerinnen. Wenn auf Jack Swallows Schiff eine Nummer wie „Pirates wife of the Caribbean“ performt wird, ist der Tiefpunkt definitiv erreicht.
Doch nicht alle Gags gehen ins Leere, zuweilen kann man sogar ein wenig schmunzeln oder leise vor sich hin lachen. Der sprechende Biber etwa, der Lebensabschnittsgefährte eines Faun, ist für sich gesehen ganz niedlich, die Anspielung auf das Paar Pitt/Jolie im Zuge einer Adoption gelungen und das heruntergekommene Team um Harry Potter (inklusive Ron und Hermine) kann für einen Moment durchaus erheitern.
Wahrscheinlich gewollt dilettantisch, aber irgendwo witzig, gestaltet sich eine Martial Arts Szene, bei der das Double deutlich als Asiat mit blonder Perücke zu sehen ist, während die Figur eigentlich von einem älteren Durchschnittsamerikaner verkörpert wird.
Unterm Strich bleibt das durch den Kakao ziehen jedoch auf plumpen Niveau, auch wenn einem die Suche nach bekannten Vorbildern leidlich bei Laune hält.
Aber es spricht Bände, wenn die Outtakes während des Abspanns die meisten Lacher generieren.
Letztlich finde ich „Fantastic Movie“ zwar nicht so mies, wie er in der allgemeinen Kritik angesehen wird, eine Empfehlung kann ich deshalb aber dennoch nicht aussprechen.
Man stelle sich vor: „Scary Movie“ auf Fantasy Ebene, die Gags beschränken sich auf Comedy-Gewalt, Fäkalhumor und einfallslosen Erotik-Sequenzen, dazu MTV-Clips und drei, vier Gesangseinlagen und am Ende bleibt eine Handvoll gelungener Gags.
Jetzt kann man sich in etwa ausmalen, ob sich der Kinobesuch lohnen könnte…
3,5 von 10