Endlich mal wieder billiger Tierhorror im Kino, das hat es doch seit „Die 120 Tage von Sodom“ nicht mehr gegeben.
Und nicht nur das. Da versucht man es zusätzlich mit politischen Untertönen, die in Zeiten von G8-Gipfel und Bob-Geldorf-Initiativen unser weißes Afrika-Herzchen wach rütteln mögen.
Nun denn, mit zwei gesüppelten Bierchen im Kopp nimmt man die ganze Gutmenschtuerei müde belächelnd in Kauf, stutzt zwar ein wenig, aber freut sich über ein Riesenkrokodil im ostafrikanischen Burundi.
Was im Kontext auch ein wenig an „Der Geist und die Dunkelheit“ erinnert, jedoch ohne Geist, während in Sachen Innovationen eher Dunkelheit vorherrscht.
Ein Reporterteam, bestehend aus Heldenpaar Tim und TV-Frau Aviva, nebst dunkelhäutigen Kameramann Steven verschlägt es also inmitten des Bürgerkriegs in Burundi, wo man das mordende Riesenkrokodil Gustave einfangen will. Doch alsbald will ihnen „Little Gustave“ an die Gurgel, ein mächtiger Kriegsböller, der hurtig seine grimmige Miliz auf die Amis loslässt.
Bis der Stoff jedoch einigermaßen auf Touren kommt und das Krokodil endlich etwas deutlicher zuhappert, muss man sich mit einem verlehmten Schamanen, der Aufstellung des maroden Equipments, sowie einem bitterlich gesungenen „Amazing Grace“ am Lagerfeuer auseinandersetzen.
Okay, das Boot der Reporter wird kurz beschossen und eine Hinrichtung von einem Versteck aus beobachtet. Aber dann nervt ausgleichend wieder moralinsaures Geschwätz von Aviva, einem Croco-Experten und Jürgen Prochnow.
Jawoll, letzterer konnte mal wieder eine kleine Rolle ergattern und mimt Jacob Krieg (!), der hier offenbar seit der Kolonialzeit lebt und daher fließend Kirundi spricht.
Prochnow selbst macht sich aber eher zum Löffel, muss mit einer völlig unpassenden Synchro leben und hat auch sonst wenig Screentime.
Zwar fiebert man mit den dafür vorgesehenen Helden ebenfalls weniger mit, weil unsympathisch und nervend, dafür setzt Kameramann Steven ein paar zynische Oneliner, die allerdings auch manchmal über das Ziel hinaus schießen (Sklaverei war eine gute Sache…). Dennoch ist er der eigentliche Sympathieträger.
So wird man vor allem während der ersten Hälfte häufiger mal den Kopf schütteln, während man auf die Wirkung der Biere wartet, da man unentschlossen zwischen Bürgerkriegsauseinandersetzungen und Tierhorror pendelt.
Beide Elemente lassen im Verlauf aber zumindest das Tempo ansteigen.
So tauchen phasenweise Soldaten auf, eröffnen das Feuer und jagen die Truppe durch güldene Wiesen, was auch das Krokodil bevorzugt.
Zudem reißt dieses einen Holzpavillon nieder, zerstört Teile der Ausrüstung, klettert katzengleich einen Käfig hoch und schnappt sich Leute aus beiden Gruppen, was neben einigen blutigen Schusswunden sogar ein wenig splatterig anmutet.
Das Reptil an sich mutet aber eher doof an, vor allem innerhalb unterentwickelter CGI.
Wenn das Vieh mit dem Zurücksetzen eines Autos ins Wasser zurückbefördert wird, kann man sich ein Losprusten jedoch kaum verkneifen.
Doch so soll es letztlich auch sein, denn der Stoff funktioniert ausschließlich auf Trash-Ebene, da wirken die hübschen Panoramaaufnahmen der malerischen Landschaft beinahe deplatziert, obgleich es die einzigen Momente sind, für die sich der Kinobesuch wirklich lohnt.
Denn ansonsten wackelt und schwenkt die Kamera reichlich hektisch in der Gegend rum und vermag kaum eine Auseinandersetzung deutlich festzuhalten. Das kaschiert zwar Unzulänglichkeiten auf Effektebene, wirkt sich aber auf der großen Leinwand umso negativer aus.
Überhaupt passt so ein eigentlich mieser Trash nicht so recht ins Kino, zumal da das Kommentare ablassen unter Gleichgesinnten eher vermieden wird.
Für Hartgesottene könnte das aber ein Besuch wert sein, vor allem für die, die Krokodilhorror seit den 70ern unterhaltsam scheiße finden.
Zugegeben, der Genremix als solcher funktioniert überhaupt nicht und die eingestreuten Bürgerkriegsszenen drängen zuweilen ein aufkommendes Schmunzeln beiseite.
Doch wer sich voll auf den Tierhorror konzentriert, - und da lehne ich mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster – bekommt einen unterhaltsamen, schrägen und auch zugegebenermaßen einfältigen C-Streifen präsentiert, der insgesamt Freude bereitet.
Kann sein, dass ich bald unten aufklatsche, aber ist ja nicht so tief…
5 von 10