Man kann Regisseur Buttgereit sicher nicht vorwerfen, dass er sein Handwerk nicht beherrscht, seine Präsentation ist relativ stilsicher und die morbide Atmosphäre kommt an. Doch das pseudophilosophische Kunstwerk gefällt mir ebenso wenig wir ein abstraktes Gemälde mit einem blauen Quadrat auf weißem Hintergrund. Manche mögen viel darin erkennen, doch ich halte Buttgereits Werk für vordergründig und wenig sachlich. Das wird vor allem durch die letzte Szene deutlich, in der sich Hauptfigur Rob seinem allerletzten sexuellen Höhepunkt hingibt, indem er sich selbst zerfleischt.
Auch die Parallelmontage mit der Kaninchenhäutung und Rob, der an einem Toten herumschneidet, hinkt gewaltig und will in erster Linie nur schocken und Tabus brechen.
Sicher sind die Splatter-FX ganz ordentlich ausgefallen und auch die Gestaltung der „Liebesleiche“ kann sich sehen lassen. Selbst die Darsteller geben ihr Bestes, um authentisch wirkendes Verhalten widerzuspiegeln.
Doch was hat die Einstellung eines pinkelnden Kerls mit dem Thema zu tun? – Nichts! Nur ein weiteres Element, um zu ekeln und den Zuschauer zur Kotztüte greifen zu lassen.
Dass man sich mit dem Thema Nekrophilie auch nachvollziehbar auseinander setzen kann, hat der Film „Deranged“ nach den wahren Begebenheiten des Serienkillers Ed Gein bereits bewiesen. Doch Buttgereit verspielt Seriosität durch Effekthascherei, zeigt immer wieder Innereien in Gläsern, schwelgt minutenlang in einer Liebeszene, die einen flotten Dreier mit einer modderigen Leiche darstellt.
Da kann auch der minimalistische, aber gut komponierte Score nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei „Nekromantik“ schlichtweg um kranken Blödsinn handelt.
3 von 10 Punkten