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Sieht man sich im Allgemeinen den deutschen Amateurfilm an, kann man sich eigentlich größtenteils bei den 80er Jahre Produktionen nur noch an den Kopf packen. Nicht so bei Nekromantik, denn dieser setzt, entgegen den gegnerischen Produktionen, nicht auf billig gemachten Splatter, sondern auf sehr gut gefilmte, künstlerisch aufgemachte Szenen, unterlegt mit schöner Klaviermusik und eine, im wahrsten Sinne des Wortes, tief eindrigende Story.

Moralaposteln sollten um Nekromantik einen weiten Bogen machen, denn der Film beschäftigt sich mit dem Thema Nekrophilie, also den Sex mit Leichen. Der bedauernswerte Rob, der bei einer Leichensäuberungsfirma arbeitet, fröhnt mit seiner Freundin nach Arbeitsschlus seinem größten Hobby, der Nekrophilie. Als Rob eine verweste Leiche mit nach Hause bringt, reißt sich seine Freundin diese unter den Nagel und verschwindet mit ihr über alle Berge. Für Rob beginnt ein seelischer Höllentrip.

Wie man an der Story erkennt, ist Nekromantik nicht die pure Perversion wie manche es dem Film gerne nachsagen. Regisseur Buttgereit schafft es geschickt, die wunderschön gefilmten Szenen mit der wenig spannenden, aber dafür umso tiefgründigeren Story zu verbinden, sodass der Zuschauer zwangsweise mit Rob mitfiebert und plötzlich sogar versteht, warum er sich so fühlt. Hierzu wird teilweise im Ansatz erklärt, wieso Rob diesem stark seltsamen Hobby nacheifert, wobei leider auch ein Kaninchen in einer echten Tiersnuff-Szenen dran glauben musste. Man sieht, dass nicht nur billige italienische Regisseure diese Art des Schocks anwenden. In meinen Augen ein starker Minuspunkt.
Weiterhin wird der seelische Abstieg des Protagonisten nahezu etappenhaft erläutert, einzelne Szenen zeigen gut, wie er von der "Normalität", hinüber in den Wahnsinn und zum Schluss in die absolute Verzweiflung getrieben wird, die durch einen extremen Showdown schonungslos auf den Zuschauer eingedroschen wird.

Ich muss zugeben, dass ich Amateurfilmen nicht viel abgewinnen kann. Aber Nekromantik hat mich vollends überzeugt. Fast schon semi-professionell anmaßend, wird uns hier dieses Stück Amateurfilm präsentiert, was nicht zuletzt auch auf die schauspielerische Leistung von Daktari Lorenz und seiner Partnerin Beatrice M zurückzuführen ist. Wer auf tiefgründige Filme steht, ein wenig Perversion verkraften kann, und obendrein auch noch etwas für Amateurfilme übrig hat, sollte sich Nekromantik auf jeden Fall mal ansehen. Empfehlen kann ich hierbei nur die deutsche Blood Pictures DVD, die mit vielen Extras und guter Qualität glänzt, mittlerweile aber nur noch schwer zu kriegen sein dürfte.

Fazit: Schön gefilmt, stimmige Musik und tiefgründige Story. Nekromantik ist ein Meisterwerk der deutschen Amateurfilme.

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