Review

Der generelle Anstieg des Meeresspiegels, vermehrt aufkommende Stürme und dazu eine erhöhte Sturmintensität, - irgendwann wird eine Stadt wie London einfach weggespült.
Noch in den 90ern konnte man derlei Katastrophenszenarien weitgehend belächeln, doch seit ein paar Jahren wirkt eine solche Szenerie beängstigend real, was dieser TV-Zweiteiler mit viel Action und nur wenigen Längen recht fesselt auf den Punkt bringt.

Bereits nach wenigen Minuten tritt eine erste Flutwelle in Erscheinung und überschwemmt eine Kleinstadt in Schottland. Der Wasserpegel steigt bis zu den Dächern und anhand des Schicksals einer älteren Dame mit Tochter wird intensiv geschildert, wie sich das traute Heim mit seinen alltäglichen Abläufen von einer Sekunde zur anderen in eine wuchtig nasse Hölle verwandeln kann.
Doch die meteorologische Gefahr ist längst noch nicht gebannt, denn eine noch viel gewaltigere Flutwelle rollt auf London zu und zwingt den Krisenstab zur raschen Evakuierung, während die Zeit davon rennt.

Wenn man sich rund drei Stunden Laufzeit mit dem schematisch eigentlich vorhersehbaren Stoff beschäftigt, bedarf es gleich mehrerer Figurengeflechte, um auf Dauer Abwechslung zu schaffen. Neben Einzelschicksalen der Vertreter des Krisenstabs steht ein getrennt lebendes Ingenieur-Paar im Mittelgrund, dazu ein Dad mit seiner Tochter, die sich während des Ausbruchs mitten in der Stadt befinden, zwei Arbeiter im U-Bahn Tunnel und alter Professor, der das Ausmaß der Katastrophe schon länger hat kommen sehen, doch erst jetzt wird ihm endlich Gehör geschenkt.
Zu Beginn herrscht infolgedessen noch leichte Verwirrung, klar, alte Familienwunden müssen geheilt werden, doch Zugehörigkeiten, sowie Beziehungen untereinander erschließen sich anfänglich nicht immer.

Derweil muss man zwischenzeitlich einige Klischees in Kauf nehmen, bei denen in Teil Eins schon klar ist, wie sie in Teil Zwei fortgeführt werden dürften. Auch mit logischen Unzulänglichkeiten hat man zuweilen zu kämpfen, etwa, als einer der Helden ins Wasser springt, teilweise gegen den Strom schwimmt und dann auch noch unter Wasser (da schwimmt jede Menge Unrat und aufgrund der Strömung dürfte man rein gar nichts sehen) ein Boot an die Oberfläche zaubern will.
Auch das Verhalten der Mannschaft im Sperrwerk scheint irrational, denn die ahnten schließlich weit im Vorfeld, was da auf sie zukommen würde.
Wenn die angenehm schnellen Szenenwechsel nicht so kontinuierlich vonstatten gingen, fiele da gewiss noch mehr auf.

Stattdessen kommt zeitweise doch ein bisschen Titanic-Feeling auf, man fiebert größtenteils mit den Figuren mit und die Schauwerte sind beachtlich.
Nicht nur visuelle Schnörkel wie Fast Forward oder knackige Übersichtsfahrten über das bedrohte Gebiet machen Laune, - es ist vor allem die Qualität der Effekte, die für das Budget außerhalb eines Hollywood Blockbusters beachtlich gut funktionieren.
Wie da die Fahrzeuge wie Spielzeugautos von der Tower-Bridge gefegt werden, Tunnelgänge im U-Bahn Gebiet durchspült und zahlreiche Fahrzeuge von den Wassermassen mitgerissen werden, das sieht schon beeindruckend aus. Zudem sorgt stock footage Material für zusätzliche Authentizität, da es zur Zeit der Dreharbeiten tatsächlich zu einigen Überschwemmungen kam.

Leider fehlt dem zweiten Teil diese Wucht der Effekte vollkommen und so kommt es dann doch zu einigen Längen, während man vergeblich auf weitere Massenpanik-Szenen hofft.
Wesentliche Entscheidungen seitens des Krisenstabs um Vize-Premier und Professor stehen im Vordergrund, es wird immer wieder zum Telefon gegriffen, doch auch wenn der Score dramatisch antreibt, finden sich trotz weiterhin schneller Szenenwechsel nicht mehr allzu spannende Momente.

Eine Gruppe versucht, aus dem Tunnelsystem über eine Leiter im Lüftungsschacht zu gelangen, an anderer Stelle ist eine Gruppe eingesperrt, Familienangehörige werden vermisst und finden sich im Verlauf wieder ein und am Ende muss jemand sein Leben opfern, damit zum technischen Gegenschlag ausgeholt werden kann.
Zuletzt sind nahezu alle Schauplätze von Pathos überschwemmt und es ist schon ein wenig schade, dass dem eigentlich angenehm altmodischen Stoff im zweiten Teil gewaltig die Puste ausgeht.

Dennoch bleibt „Die Flut“ für Freunde klassischer Katastrophenfilme eine Empfehlung, für die man allerdings eine Menge Zeit mitbringen muss.
Dafür gehen die rund drei Stunden jedoch zügig von der Bühne, die Effekte können sich sehen lassen, die Darsteller auch und nur selten ist für einen Moment Stillstand im Spiel.
7 von 10

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