Seit der Einführung der III – Kategorie als neue Freigabe 1989 wurde ein Grossteil des „Markenzeichens“ für billige Sexfilmchen vergeben; ein Genre, dass zwar kurzweilig für Unterhaltung sorgen mag, allerdings wo kaum angesehen oder wirklich ergiebig ist. Am zweithäufigsten kamen dann die Exploiter dran, die erweiterte Wege von Violence [ and Sex ] gingen und auch noch heute rückwirkend am beliebtesten sind. Wobei besonders anfangs der 90er Jahre auch dabei einige Klassiker des HK Kinos geschaffen wurden, die zu recht anerkannt sind, weil sie für einen Zeitraum ganz neue Filmerlebnisse darstellten und sich auf offensive und dabei manchmal auch intelligente Weise nicht an gesellschaftlich gesetzte Grenzen hielten.
Natürlich muss die Geschichte auch dementsprechend sein und die Umsetzung darf auch nicht rein auf blanke Aneinanderreihung von vermeintlichen oder wahrhaftigen Tabubrüchen ausgerichtet werden; es sollte also schon etwas filmisches Talent und Können dahinter stecken, so dass sich die Zahl wirklich empfehlenswerter Werke auch zahlenmässig arg zurückhält.
Untold Story gehört natürlich dazu, Billy Tang’s Urban Horror Trilogie Dr. Lamb, Red to Kill und besonders Run and Kill sowie noch einige Vertreter, die vor allem mit Anthony Wong und Simon Yam in der Hauptrolle ausgestattet waren. Beide gehörten zu den bevorzugten und profiliertesten Darstellern des ganz speziellen Genres, waren allerdings ebenso von ihrer eigenen Tagesform abhängig wie von ihren Regisseuren und oft gaben auch die Plots einfach nichts oder nur wenig her.
A Day without Policemen besitzt eine sehr einfache und gleichzeitig viel versprechende Thematik und kann durch die Rahmenhandlung allein schon erhebliche Pluspunkte sammeln; im Nachhinein ist es ein Rätsel, wieso ähnliche Konzepte nicht öfters gewinnbringend genutzt wurden und man sich stattdessen immer wieder auf die x-te „Biographie“ eines Serienkillers verlegte.
Das Skript von gleich vier Autoren nimmt einfach das Ende des mediokren The Other Side of the Sea vorweg und macht hierbei allerdings einen ganzen Film daraus; was nicht so schwer ist, da das Setting und die Prämisse genug Raum für Ideen bietet. Dort wurde im Showdown eine Fischerinsel durch Gangster eingenommen und von der Aussenwelt abgeschnitten, um eine flüchtende Killerin zu stellen. Hier wird eine Fischerinsel von mit AK 47 ausgestatteten Mainlandern besetzt, die die Vergewaltigung und Tod der Frau ihres Mitglieds Ah Nam [ Tommy Wong ] rächen wollen; wobei die Täter bereits wegen anderer Delikte im örtlichen Polizeirevier sitzen. Auf dem Weg dahin und auch danach wird die störende Dorfbevölkerung eliminiert; einzig Polizist David Chan Wai [ Simon Yam ] bietet Gegenwehr. Allerdings erst, nachdem er sein in der Vergangenheit liegendes AK 47 Trauma überwunden hat.
Das vorliegende Regiedebüt von Johnny Lee arbeitet nach dem „Simpel, aber effektiv“ Motto, projiziert die 10min auf 90min auf und wirkt so zeitweilig als Querschnitt verschiedener Genres, die allerdings eine ganze gute Symbiose miteinander eingehen. Am Anfang etwas The Beasts, dann kurzweilig Assault on Precinct 13 und zuletzt ein geladener Showdown um Leben und Tod, der auf seinem Ausgangsmaterial beruhend einfach loslegt.
Schade nur, dass aus den einzelnen Situationen nicht alles ausgeschöpft wird, was im Bereich des Möglichen wäre. Das Tempo läuft ganz gut und die Abwechslung ist auch gegeben, aber eine effizient spürbare Belagerungs- oder Bedrohungssituation wird nicht erreicht. Da werden potenziell glorreiche Locations wie das Polizeirevier ebenso fix umrannt wie die gesamte Dorfbevölkerung [ teilweise sogar heftig im Off ] und eher ein gewalttätiges Actionspektakel angestrebt als ein effektvoller Horror – Actionthriller.
Das brachiale Geschehen – ganze drei Vergewaltigungen, blutige Details bei Shooutouts und Nahkämpfen – wird zudem gegen Ende hin kurz mit einem Goof aufgelockert, der zwar später auch dran glauben muss, aber vorher als SDU – Mitglied verkleidet versucht, die Gang mit Chinaböllern und Diabolos aus dem Luftgewehr zu vertreiben.
Wirklich ernst nehmen kann man die Situation also nicht, es entsteht kein Konzentrat der Abgründigkeiten, zumal die Vorgeschichte des expressiven Anti – Helden Chan Wai einigen Raum einnimmt und seine Charakteristika etwas verquer abläuft.
Seit einer aus dem Ruder laufenden Razzia, bei dem seine sämtlichen Kollegen durch auch mit AK 47 bewaffneten Gangstern erschossen wurde und er nur mit Mühe fliehen konnte, leidet Chan nicht nur an schrecklichen Angstvorstellungen, die sich schon bei der Nennung der Sturmgewehrs auslösen; sondern auch an Impotenz. Er bekommt Nasenbluten statt Erektionen, in der Gesamtheit verlor er seine Frau sowie die anstehende Beförderung und sein Heim. Die Personenzeichnung stellt sich mehr oder weniger anhand einer Abfolge angedeuteter Sexszenen mit seiner Frau dar, die mit seinem jetzigen Leben voller Drogen und Einsamkeit kontrahiert werden. Hierbei und später versucht Regisseur Lee anscheinend, zu simpel einen Bezug zwischen sexueller und allgemein physischer und psychischer Macht herzustellen. Chan schreitet erst aktiv zur Gegenwehr, nachdem er sich wieder vollständig als Mann fühlt; im Gegenzug wird der letzte Bad Guy erst nach seiner Entmannung besiegt.
Optisch wird dafür besser zu Werke gegangen; man sieht zumindest, dass Lee sich ordentlich Mühe gibt, sein Geschehen visuell anzureichern und auch für halbwegs überzeugende Actionszenen zu sorgen. Die Angreifer tauchen oft aus dem Nebel auf, wo sie sich gegen abheben und ansonsten weitgehend gesichtslos bleiben. Zudem wird für einige gelungene Einstellungen gesorgt, die sowohl den Vorder- als auch den Hintergrund im Blick behalten und sich auf das Wesentliche konzentrieren; obwohl ein erfahrener Regisseur sicherlich für etwas mehr Durchschlagskraft gesorgt hätte. Es wäre was für Kirk Wong gewesen, der bessere Kenntnis mit der Addierung treibender Sequenzen hat.
Schade, dass eine wirkliche Sogwirkung wie z.b. in Run and Kill nicht erreicht wird, die Voraussetzungen waren durchaus gegeben. Trotz aller Mängel gehört der Film aber eindeutig zu den besseren und lohnenderen Vertretern seiner Zunft.
6,5/10