Auch wenn Rosario Dawson in Sin City und Death Proof mitgespielt hat, ist dies KEINE blutspritzende Gewaltorgie. Es kommt zwar zu etwas Gewalt, aber nur im Rahmen der Vergewaltigung. Auch die sexuelle Seite ist dabei keineswegs visuell attraktiv. Rosario Dawson zieht sich jedenfalls nicht aus, nur zwei muskelbepackte Männer sind zu bewundern. Der derbe Sex allein macht aber nicht das besondere an dem Film aus.
Das besondere ist, dass sich die Filmemacher nicht von erfahrenen Leuten oder Screentests haben dreinreden lassen. Die äußerst langatmigen Szenen wirken, als wenn jemand eine seiner Einschlaf-Phantasien unbedingt in ganzer Länge auf Film bannen wollte. Und auch noch stolz darauf ist, das durchgezogen zu haben. Nur wir, also alle, die Unterhaltung suchen oder neugierig auf das Thema sind, finden das so langweilig, wie jemandem beim Einschlafen zuzusehen.
Klar finde ich das Thema wichtig. Toll, dass sich jemand traut, einen Film darüber zu machen. Riesig, wie die Regisseurin mit unheimlich vielen Leuten während der dreijährigen Dreharbeiten auf das Thema Vergewaltigung angesprochen wurde. Aber was ist ihre Aussage? Sollen die Opfer nun drogenabhängig werden und sich prostituieren, damit sie hinterher hart drauf sind und dem Kerl die Eier abschneiden können? Soll man Schmerz, Trauer, oder Verletzungen bewältigen, indem man seine Sensibilität ablegt, jegliches Mitgefühl einfriert, zu einem gefühllosen Monster wird und auf Rachefeldzug geht?
Im mittleren Teil, in dem es - wie jeder sicherlich erraten wird - darum geht, wie die Frau mit der Vergewaltigung umgeht, sorgt ein sehr cooler Soundtrack dafür, dass sowas wie ein Groove aufkommt. Mit der unterlegten Musik spielt die fehlende Handlung plötzlich keine Rolle mehr. Auch die verquere Logik nimmt man gelassen. Selbst die unpassenden Schnitte, die schlichte Kameraführung, die simple Ausstattung, all das kann man für einen Moment vergessen.
Wir wissen aber schon vom Cover und offiziellen Inhaltsangaben, dass es auch um Rache geht. Also warten wir gebannt, wie die Rache denn wohl aussehen wird. Ich fands bestenfalls "OK". Da könnte ich mir eindrucksvollere Bestrafungen vorstellen, um einen Vergewaltiger zu demütigen. Der Effekt auf das Opfer wird nicht gezeigt. Hat sie Genugtuung gefunden? Oder hat auch das nicht weitergeholfen? Der Film endet hier plötzlich.