Denkt man an Mankiewicz, so denkt man wohl zuerst an seine großen Klassiker der Filmgeschichte - an die böse Tragikomödie "All About Eve" (1951), an das kostenspielige Epos "Cleopatra" (1963), oder auch an die hochkarätig besetzte Shakespeare-Verfilmung "Julius Caesar" (1953) oder "The Barefoot Contessa" (1954), der an "Citizen Kane" (1942) erinnernde Rückblick auf das Leben eines verstorbenen Filmstars. "Dragonwyck" ist einer der vergleichsweise weniger populären Titel - aber nicht unbedingt weniger gelungen als die genannten Filme (eher sogar etwas besser als beispielsweise der großbudgierte, opulente, ansonsten aber recht reizlose "Cleopatra").
Mit "Dragonwyck" lieferte Mankiewicz sein Kinodebut als Regisseur ab (nachdem das Projekt von dem erkrankten Ernst Lubitsch an ihn weitergegeben worden war), basierend auf dem gleichnamigen, 1944 erschienenen Roman Anya Setons (hierzulande als "Schloss Drachenfels" veröffentlicht) - ein recht erfolgreicher Historienroman, der zwar noch nicht die Popularität ihrer späteren Klassiker "Katherine" (1954) oder "The Winthrop Woman" (1958) erreichte, aber offenbar erfolgreich genug war, um von Zanuck als Vorlage für eines der großen Prestige-Projekte von 20th Century-Fox für die Jahre 1945/1946 zu dienen.
Ein Debut war der Film aber nicht nur für Mankiewicz, sondern in gewisser Weise auch für Vincent Price, der hier als Nicholas Van Ryan die männliche Hauptrolle gibt und damit seine erste Hauptrolle überhaupt spielte - in den Kinos war Price zwar zuvor schon in der Hauptrolle des (durchaus sehenswerten) kleinen B-Movies "Shock" (1946) zu sehen, gespielt hatte er diese allerdings erst nach seiner Rolle als Van Ryan: "Dragonwyck" war für Price der Durchbruch und seine Rolle nimmt viel von dem vorweg, was seine Figuren später im Poe-Zyklus Roger Cormans auszeichnen sollte.
In seinem Vincent Price-Band "Die Kontinuität des Bösen" weiß Robert Zion zu berichten, dass Mankiewicz die Figur Van Ryans als eigentliche Sensation des Films angelegt hat: Poes Gedicht "Alone" (1829 geschrieben, 1875 veröffentlicht), das bereits Setons Roman einleitet, sollte sich Price für die Gestaltung seiner Rolle in erster Linie aneignen, die mit ihrer ganzen Arroganz, Dekadenz, Tragik und Melancholie zum eigentlich Faszinosum des Films werden sollte, während sein "guter" Gegenspieler (Glenn Langan als Dr. Turner) reichlich blass bleibt.
Doch auch wenn Price in der männlichen Hauptrolle als Van Ryan für die einzelnen Höhepunkte des Films sorgt, für die beunruhigenden und beklemmenden Situationen, so ist es doch Gene Tierney (an deren Seite Price bereits in "Hudson's Bay" (1941), "Laura" (1944) und "Leave Her to Heaven" (1945) zu sehen war), der der Zuschauer durch die Handlung und durch die zwei, drei Milieus des Films folgt.
Tierney verkörpert die junge Miranda Wells, die [Achtung: Spoiler!] als Tochter eines einfachen Farmers in einer streng religiösen, äußerst gläubigen Familie aufwächst. Mit ihr beginnt der Film und sie entlässt der Film auch wieder.
Ihr bisheriges Leben wird komplett umgekrempelt, als ein Brief eintrifft, in dem Nicholas Van Ryan, ein Patron am Hudson River mit verbrieften Privilegien, die seit 1630 gelten, niederländischer Abstammung und zudem ein entfernter Verwandter die Familie Wells darum bittet, eine ihrer Töchter bei sich aufnehmen zu können.
Nach der Lektüre schwärmt Miranda vor ihrer Mutter von dieser Chance, mal etwas Neues zu sehen, zumal sie in der Nacht zuvor von einem Schloss geträumt habe: ihre strenge aber verständnisvolle Mutter rügt im Gegenzug ihre Träumereien, ihre Schwester wirft ihr vor, sie langweile sich wohl daheim; und der Vater ist noch abwesend. Die Entscheidung trifft er schließlich beim gemeinsamen Abendessen, nachdem die Bibel um Rat gefragt worden ist: Miranda darf nach Dragonwyck, dem Anwesen Van Ryans, reisen.
Bereits die "Übergabe" (so muss man es wohl nennen) Mirandas an Van Ryan durch ihren Vater macht einige Spannungen und zwiespältige Ansichten spürbar, die den Film fortan durchziehen werden: Mirandas Vater würde lieber den schlechtesten Boden der Welt für sich selbst bearbeiten, als den besten Boden der Welt für einen Patron, was Van Ryan freilich anders sieht. Miranda selbst verfällt gleich zu Anfang Van Ryans Charisma und gerät - als dieser erstmals auftritt - sogar beim Gebet mit ihrem Vater ins Stocken.
Schon bald nach ihrer Ankunft auf Dragonwyck zeichnen sich erste Seltsamkeiten ab: Van Ryan empfindet für seine (nicht übermäßig schöne, dafür reichlich naschsüchtige) Frau offenbar nicht mehr allzuviel, ebensowenig für die gemeinsame kleine Tochter, das einzige Kind, das seine Eltern ebenfalls nicht liebt. Er sehnt sich nach einem männlichen Nachfahren, der ihm wohl für immer verwehrt bleiben wird. Die Dienstmägde munkeln zudem von einem Fluch auf dem Hause Dragonwyck: nach dem Selbstmord der Urgroßmutter Van Ryans hört jeder ihrer Nachfahren bisweilen in der Nacht ihr Spinnettspiel. Und während Van Ryan bei der jährlichen Abgabe mit seinen Farmern aneinandergerät, die ihn fortan nicht länger als Patron anerkennen wollen, muss Miranda erkennen, dass sie zwischen ihrem einstigen und ihrem neuen Lebensstil hin- und hergerissen ist: wie ihre Magd anmerkt, liebt sie es, bedient zu werden - zugleich aber erfährt sie selbst auch abwertende Behandlungen durch Angehörige der höheren Gesellschaft.
Mit Dr. Turner tritt eine weitere wichtige Figur des Films auf: sofort zeigt er sich von Miranda verzaubert, als er ihr zufällig begegnet - und ebenso zügig gesteht er ihr, dass ihn und Van Ryan alles andere als eine Freundschaft verbindet. Im Anschluss an ihr Gespräch kommt es auch schon zu der jährlichen Abgabe, bei der Van Ryan auf dem Sessel des ersten holländischen Patrons erstmals auf Farmer trifft, die ihm die Abgaben nicht zahlen wollen - im Zuge des frisch angefeindeten Pachtgesetzes. Es kommt zu einem Tumult, bei dem sich Dr. Turner als Lebensretter Van Ryans erweist. Turner ist es auch, der im Aufstand der Farmer eine zentrale Rolle spielt, der sich aber dennoch Van Ryan nach der Erkrankung seiner Gattin als ihr Arzt zur Verfügung stellt, nachdem dieser im Gegenzug seinen Attentäter schont. Doch den Tod der Frau (in der Nacht hört ihre junge Tochter - und der Zuschauer - das Spiel der toten Selbstmörderin) kann er nicht verhindern - schlimmer noch: er hat ihn nicht einmal kommen sehen und muss eine Fehldiagnose in Erwägung ziehen.
Van Ryan gesteht recht schnell nach dem Tod seiner Frau Miranda seine Liebe, auch Dr. Turner macht seine Zuneigung unmissverständlich klar und hält mehr oder weniger deutlich um ihre Hand an; doch Miranda reist wieder zu ihrer Familie zurück.
Monate später sucht Van Ryan sie dort auf, hält um ihre Hand an und kurz darauf sind die beiden Mann und Frau und kehren wieder zurück nach Dragonwyck. Doch die Ehe wird schnell von düsteren Ereignissen überschattet: Van Ryan erweist sich als dekadenter Misanthrop, der die missgestaltete Zofe Mirandas am liebsten fortschicken würde, da er keinen Krüppel im Hause sehen will. Seine eigene, ungeliebte Tochter hat er in ein Internat geschickt. Seinen Dienstboten gegenüber zeigt er sich herablassend, Miranda selbst wird von ihm erstmals zurechtgewiesen. Mehr und mehr zieht er sich in sein kleines Turmzimmer zurück. Erst nachdem Miranda schwanger wird, taut Van Ryan wieder etwas auf: doch der Sohn stirbt wie von Dr. Turner vorhergesagt kurz nach der Geburt. Van Ryan verhält sich nun missgelaunter als je zuvor, scheint bisweilen auch der Realität entrückt zu sein. Wie Miranda feststellt, konsumiert er in seinem Turmzimmer immer öfter diverse Rauschmittel, die ihm dabei helfen, die Realität zu ertragen: der fehlende männliche Nachfahre, die drohende neue Gesellschaftsordnung, die ihn zu einem Menschen wie jeden anderen machen wird, das drohende Leben als ein Herdentier unter vielen anderen (so sieht er selbst es zumindest) setzt ihm zu. Sein Status entgleitet ihm, hilflos sieht er seinem Ende und dem Ende der Van Ryans überhaupt, dem Ende des Patronats entgegen, unfähig zur Möglichkeit sich neuen Gegebenheiten anzupassen.
Derweil kommt Dr. Turner mit der Hilfe von Mirandas behinderter Zofe hinter das Geheimnis des Todes von Van Ryans Gattin: mit weißem Oleander (den der dt. Titel sehr hervorhebt) hat er die Gemahlin umgebracht - und versucht dieses Verbrechen nun auch Miranda zu wiederholen. Dr. Turner sucht Dragonwyck auf, klagt Van Ryan (der in dieser Nacht das unheimliche Spinnettspiel hört) an und es kommt zum Kampf, bei dem Van Ryan vorrübergehend das Bewusstsein verliert. Benommen wankt er danach zum Sessel des Patrons, hält eine Rede von seinen imaginierten Untertanen, bis die Farmer samt Miranda, Dr. Turner und Bürgermeister tatsächlich eintreffen, um Van Ryan festzunehmen. Dieser zückt die Pistole und wird daraufhin angeschossen. Sterbend richtet er sich nochmal vor den Farmern mit aller Kraft auf, diese ziehen ihre Hüte, was Van Ryan mit Genugtuung quittiert und sein Leben aushaucht.
Es folgt der Abschied zwischen Dr. Turner und Miranda (die nun weiß, das nicht alle Träume auch erfüllt werden sollten), sowie ihre Abreise - mit dem Ausblick darauf, dass man sich bald einmal besuchen werde.
Das Bemerkenswerte an "Dragonwyck" ist seine ambivalente Haltung gegenüber den Figuren des Films. Viel hätte hier verdorben werden können: die bibeltreue, streng religiöse Farmerfamilie hätte zum Ideal verklärt werden können, das die Alternative zur dekadenten, aristokratischen Lebensart Van Ryans darstellt. Dieser widerum hätte ein durch und durch negativ gezeichneter Schurke werden können, dem keinerlei Sympathie gewährt wird.
Doch Mankiewicz beugt dem als Drehbuchautor und Regisseur vor, er weicht jede s/w-Malerei auf und schickt den Zuschauer mit Miranda zwischen die Fronten, lässt ihn hin- und hergerissen zwischen den Gesellschaftsschichten mit ihren ganz eigenen Problemen verweilen.
So wird Mirandas Familie keineswegs in ausschließlich gutes Licht gerückt: die Mutter ist streng und sieht kaum jemals fröhlich aus, dem Vater sind sinnliche Freuden offenbar ein Gräuel und Mirandas Wunsch, aus diesem Leben auszubrechen, wird dem Zuschauer nur allzu verständlich. An den sich auflehnenden Farmern und ihren Forderungen (samt ihren Argumenten) wird die Ungerechtigkeit des Patronats ebenso spürbar, wie am Verhalten Van Ryans gegenüber seinen Untergebenen. Doch zugleich wird auch Van Ryan als Opfer der Gesellschaftsordnung gezeigt, nicht bloß als Täter: als jemand, der sich nicht von der Tradition befreien kann, der zu einem Lebensstil, zu einem Sinn für Etikette aber nicht für Menschlichkeit erzogen wurde, von dem er sich nicht mehr befreien mag, was ihn zur verbittertsten, traurigsten Figur des Films werden lässt, die beinahe nur hassen und leiden kann und Hilfe nur noch vom Rausch zu erhoffen mag. Miranda erliegt dem Prunk und Wohlstand Van Ryans ebenso wie der Faszination, die von seinem Stand ausgeht; zugleich aber auch teilt sie die Forderungen der Farmer, die sie als selbstverständlich und gerecht empfindet. Diese Farmer sind jedoch keine gesichtslose Gruppe, sie setzen sich zusammen aus eingeschüchterten Alten, aus gewaltbereiten Verzweifelungstätern und aus argumentierenden, sprachbegabten Kämpfern für ihr Recht.
Mankiewicz zeigt hier zwei Extreme, die vom angenehm-bequemen, aber asozialen Leben bishin zum mühsam-anstrengenden, aber den Mitmenschen gegenüber gerechten Leben reichen, die Milieus, aber auch die meisten Einzelfiguren (mit Ausnahme Dr. Turners) zeichnet er sowohl positiv als auch negativ. Mit Miranda, die sich hin- und hergerissen fühlt, präsentiert er dem Zuschauer eine Hauptfigur, die mit der Schwierigkeit der Parteinahme zu kämpfen hat.
(Ein wenig negativ wirkt sich hier das Ende des Films aus, welches Miranda quasi geläutert entlässt, mit dem Wissen, dass nicht jeder Traum in Erfüllung gehen sollte – hier vereinen sich die Läuterung, der anfänglich von Miranda ihrer Mutter geschilderte Traum von einem Schloss und der vom Vater verlesene Bibelvers (Abraham schickt Hagar und Ismael fort und diese gehen irre in der Wüste) zu einer Moral göttlicher Vorherbestimmung, die der Hauptfigur das „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ lehrt. Doch dadurch, dass Mankiewicz den Traum nie konkret schildern lässt, dass die Wahl des Bibelverses letztlich bloß ein irritierender Zufall ist, dadurch schwächt Mankiewicz den Aspekt religiöser Vorherbestimmung etwas ab; und dadurch, dass Mirandas Zukunft gegen Ende weniger in ihrer Familie liegt, zu der sie zurückkehrt, als in Dr. Turner, der sie bald besuchen will, endet der Film letztlich doch eher mit ihrem angedeuteten Ausbruch und weniger mit ihrer Rückkehr. Hier dringen die schwächeren Aspekte der von Mankiewicz nicht sonderlich geschätzten Romanvorlage durch, die er ein wenig abmildern konnte... Hier muss man als Zuschauer von der Frage nach Zufall oder Vorherbestimmung den Zufall auswählen und die Schlussfolgerung Mirandas am Ende als Fehlschluss auffassen um der Moral und Religiösität der Vorlage zu entkommen – Mankiewicz kommt einem dabei durchaus entgegen.)
Mankiewicz bleibt zwar ambivalent, verfällt aber keinem Relativismus, der die einzelnen Lebensweisen mal für gut, mal für schlecht erklärt, je nachdem auf welcher Seite man sich gerade sieht. Mankiewicz zeigt durchaus auf, dass ein Aufstand der Farmer gerechtfertigt ist, dass Van Ryan seinen Lebensstil durch nichts rechtfertigen kann (außer durch den Hinweis auf die Tradition - kein Argument, sondern ein Von-sich-weisen des verlangten Arguments). Gleichzeitig verweist er aber auch auf grundsätzliche Dilemmata: darauf, dass - wie schon bei Platon - das angenehme Leben nicht auch gleich das gute Leben ist und umgekehrt; darauf, dass die Herstellung von Gerechtigkeit immer auch das Leiden der Ungerechten bewirkt, welche ihr ungerechtes Tun nur teilweise selbst verschuldet haben, insofern sie nämlich zugleich auch "Opfer" einer entsprechenden Erziehung, eines entsprechenden gesellschaftlichen Umfeldes sind.
Es ist nicht in erster Linie so, dass - und dieser Verdacht drängt sich beim Betrachten des Films sicherlich schnell auf - Hollywood[1] hier die Aristokratie teilweise verteidigt, weil es dieser (in den 40ern noch viel stärker als heutzutage) die entsprechenden Kulissen, Motive und Stoffe verdankt, die entsprechend prunkvolle, publikumswirksame Bilder ermöglichen (nicht unbedingt im Sinne einer bewussten Verteidigungsrede, sondern in der Form eines faszinierten Verfallen-Seins). Es ist eher so, dass Mankiewicz mit bitterer Melancholie darauf hinweist, dass ein Leben ohne Entscheidungen, die so oder so eine negative Seite haben werden, kaum zu führen ist, dass es teilweise notwendig ist, Leiden zu verursachen, weil sie im Dienste der Gerechtigkeit stehen. "Dragonwyck" rückt somit in die Nähe von so ganz grundverschiedenen Filmen wie Bertoluccis "1900" (1975) oder Melvilles "L'armée des ombres" (1969), in denen Revolution bzw. Widerstand ein Muss darstellen, in denen die Ausübenden im Dienste der Gerechtigkeit aber auch grausam sein müssen - und dies mitunter gegen ihren eigenen Willen, aus der Notwendigkeit heraus.
"Dragonwyck" bricht also komplett mit der s/w-Malerei und der Vorstellung, dass es gute und schlechte Figuren gibt und dass die Bestrafung der letzteren leicht fällt, weil sie gut ist, was den Film ungeheuer modern werden lässt, was man von einer Schauerromanze wohl nicht unbedingt erwartet. Insofern ist auch das Ende des Films, als die Farmer vor dem im Sessel des Patrons sterbenden Van Ryan ihre Hüte ziehen und ihre Häupter senken, keinesfalls ein letzter Triumph des Patrons über "seine" Untergebenen (wie er selbst es in mittlerweile völliger geistiger Umnachtung versteht), sondern das Eindringen des Mitgefühls in das für die Gerechtigkeit notwendige Handeln.
Darüber hinaus bietet der Film auch auf formaler Seite ein hohes Maß an Qualität: die malerischen, zugleich auch gemalten Hintergründe der Kulissen, die sorgfältige Ausstattung, die Darstellerleistungen von Price und Tierney, die mitunter (gerade für einen Debutfilm) äußerst gelungenen Bildkompositionen, der Sinn für das Spiel mit Licht und Schatten.
Hin und wieder gibt es auch mal kleinere Kritikpunkte (etwa das Fallenlassen der Tochter Van Ryans, die in der zweiten Hälfte des Films ohne größere Thematisierung einfach weg ist - ihre Abwesenheit hätte man etwas sorgfältiger ausarbeiten können), dennoch dürfte der Gesamteindruck im Hinblick auf die Dramaturgie aber ebenfalls positiv ausfallen.
Geschickt wechselt der Film zwischen heiterer Romanze, unheilsschwangerem Schauerstück, Sozialdrama und opulentem Historienfilm, ohne in ein uneinheitliches Sammelsurium zu zerfallen. Wie eingangs erwähnt, dürften gerade Liebhaber der Vincent Price Gothic-Horrorfilme hier zudem viele Elemente seiner späteren Filme wiederentdecken: der alte Familienfluch, der Charakter zwischen Einsamkeit, Verzweifelung, Trauer, Strenge, Verachtung und schöngeistiger Erhabenheit, der schleichende Wahnsinn... all dies sollten vor allem Cormans Poe-Verfilmungen mal mehr, mal weniger deutlich übernehmen: der in der Nacht den Lärm der Hinrichtung seiner Vorfahren hörende Charles Dexter Ward erinnert in dieser Szene aus "The Haunted Palace" (1963) etwa überdeutlich an den Van Ryan, der dem geisterhaften Spinnettspiel lauscht.
Irgendwo zwischen diesem Poe-Zyklus, Hawthornes "The House of the Seven Gables" (1851) und Du Mauriers bzw. Hitchcocks "Rebecca" (1938 bzw. 1940) anzusiedeln, ist dieser Vertreter eines sich eher altmodisch gebenden Genres doch von einer unvergänglichen Aktualität; zudem beinahe durchgängig ausgesprochen sorgfältig umgesetzt und gut gespielt - ein großartiger Debutfilm, dem in der Filmographie von Mankiewicz leider kaum mal der gebührende Stellenwert zugesprochen wird.
8,5/10
1.) Freilich nicht nur Hollywood: auch bei Visconti, Greenaway und jedem anderen, der sich der Thematik widmet, ist meist festzustellen, dass sich in den Bildern eine Faszination für den Gegenstand der Kritik niederschlägt, dass das „Schöne“ der Ästhetik im Widerspruch zur Moral der Geschichte steht.