Einer der nahezu mythischen Filme des Videozeitalters, neben „Evil Dead“ und „Braindead“ einer jener Filme, die Splatterfans der ersten Stunde immer wieder erwähnten und fleißig für Freunde als Kopie von einer Kopie von einer Kopie auf VHS zogen.
Mittlerweile ist das Gemansche, dem Medium DVD sei dank, einfacher und in besserer Qualität zu haben, wartet aber vor allem mit seiner Belanglosigkeit deutlich auf: Ricky Oh (Fan Siu Song) hat einen Drogendealer erledigt, weil der Rickys Freundin tötete, nun macht der Martial Arts Künstler mit den übermenschlichen Kräften kurzen Prozess mit sadistischen Wärtern und kriminellen Anführern, die über ähnliche Kräfte wie er verfügen…
Gerüchteweise war die ganze Chose ursprünglich mal ernst gemeint, doch der Schuss ging dann gewaltig nach hinten los, was zumindest die deutschen Synchronautoren mehr oder minder bewusst erkannten und den Film mit einer Deppensynchro der Deluxeklasse ausstatten, die regelmäßig mit Stilblüten wie „Du hast meine tödlichen Schläge überlegt. Dafür muss ich dich killen.“ aufwartet. Ganz klar, das hier ist Trash Galore, für die Ansicht in möglichst geselliger und möglichst nicht nüchterner Runde gedacht.
Dementsprechend stellt man dann auch wenig Ansprüche an Darsteller und Inszenierung. Erstere machen sich overactend und kreischend zum Horst, während um sie herum Logik und Nachvollziehbarkeit den Urlaub in anderen Filmsphären antreten. Fragen nach dem Sinn erübrigen sich also, bestens zu sehen in jener Szene, in welcher der Held einen Übelwicht im Waschraum schubst, der wiederum mit dem Gesicht in rumliegendes Nagelbrett knallt (!!!) – das in den vorigen Einstellungen übrigens nie zu sehen war. Irgendwann kommt heraus, dass der Knastdirektor Drogen anbauen lässt, Rückblenden versuchen rührselig Rickys Vergangenheit zu beleuchten, doch all das ist egal, Hauptsache die nächste Keilerei oder Splatterszene steht bald wieder an.
Actionfans sollten sich nicht zuviel von dem Film versprechen, denn spektakuläre Moves oder ausgefeilte Choreographien gibt es woanders, hier gibt es nur derbst auf die Moppe und das auf ganz besonders eigenwillige Weise: Da wird mit Gedärmen gewürgt, Körper mit der Faust durchbohrt, Knochen auf groteske Art verdreht und gebrochen usw. Oft sieht alles klar nach billigen Gummitricks aus, ob bewusst auf billig getrimmt oder budgetbedingt ist nie so ganz klar, denn zwischendrin splattert es dann auch eindrucksvoller, aber das verstärkt den kruden Eindruck des Films nur noch.
Himmelschreiende Beklopptheit ist hier keine Schwäche, sondern Trumpf, denn hier wird alle paar Minuten mit der nächsten dämlichen Idee aufgewartet, sei es der fett-nervige Sohn des Direktors, dessen finale Verwandlung in einen Mutanten oder das Training an offensichtlich aus Styropor gebastelten Steinen. Ins Groteske verzerrt tauchen auch verschiedenste Knastfilmklischees wieder auf, da gibt es den schwachen Knilch, der am harten Leben im Bau zerbricht, und den bösen Schläger, der irgendwann einen Sinneswandel hat und dafür von den eigenen Leuten bestraft wird. Allerdings: Wenn „Story of Ricky“ tatsächlich ernstgemeint war, ist diese Zurschaustellung von Stereotypen dann wirklich intendiert?
Allerdings – und da liegt der Unterschied zu Werken wie „Braindead“ – gibt es in „Story of Ricky“ kein echtes Konzept hinter der Komik, meist ist sie nicht intendiert, sondern kommt eben aus ihrem kruden, unfreiwilligen Kontext. Es ist dann im Endeffekt doch nur Trash, zwar witziger Trash, aber keine große Leistung der Beteiligten, ja eher das Gegenteil, nämlich deren allumfassendes Versagen.
„Story of Ricky“ macht Spaß, der richtige Film um mit Kumpels ein paar Bier aufzumachen und das Versagen des Films abzufeiern, nicht zuletzt der deutschen Synchro wegen – aber es ist eben doch nur Trash-Spaß, hinter dem keinesfalls die herrlich absurde, ideenreiche Komik eines „Braindead“ steckt.