Die Kritik beruht auf der ungekürzten Fassung der DVD von Screen Power!
Nach dem Überraschungserfolg des Thrillers "Nachtwache" bescherten uns die Dänen mit "Final Hour" einen weiteren Schocker, der sich dem Slasher und seinen Gesetzen verschrieben hat.
Und so stehen dann auch sieben Teenager eines Gymnasiums im Mittelpunkt der Handlung, die an einem Freitagnachmittag zu einem Treffen in die Schule bestellt werden und plötzlich in dem finsteren Gebäude nicht nur eingeschlossen, sondern auch einem Killer hilflos ausgeliefert sind, der die Anzahl der Schüler dezimiert.
Das Szenario erinnert sehr an die klassische Krimivorlage aus Agatha Christies "10 kleine Negerlein": die sieben Schüler werden unter einem fadenscheinigen Vorwand in die Schule gelockt und sehen sich per Videobotschaft ihrer Vergehen und schlechten Leistungen konfrontiert. Ein Entkommen ist nicht möglich, da die Schule hermetisch abgeriegelt ist. Gleichzeitig werden sie von ihrem "Gastgeber" aufgefordert, einen Mord aufzuklären. Das Opfer ist schnell ausgemacht und hängt übel zugerichtet am Kartenständer im Biologieraum.
Die Mischung aus "10 kleine Negerlein" und Mördersuchspiel a la "Cluedo" wird zudem mit einer mysteriösen Legende um einen einst in Selbstjustiz von Schülern hingerichtetem Lehrer und einer gehörigen Portion Medienkritik und Satire angereichert, wobei das Grauen in der Schule parallel zur Berichterstattung außerhalb der Schule verläuft, sich im Laufe der Handlung jedoch als zeitversetzt erweist:
während die Sendung "Final Hour" läuft, sind bereits die Schüler dem Killer zum Opfer gefallen.
Hört sich kompliziert und konstruiert an? Ist es auch!
Bei einer Laufzeit von 78 Minuten ist einfach zu viel in "Final Hour" eingebaut worden und um das Geschehen dabei so mysteriös und geheimnisvoll erscheinen zu lassen, bleibt der Zuschauer am Ende mit einer Menge unbeantworteter Fragen zurück:
Wie ist es möglich, dass ein Fernseher läuft, ohne dass sich das Kabel in der Steckdose befindet? Wie ist es zu erklären, dass die Nachrichtensendung von Morden berichtet, die noch nicht begangen wurden? Wer ist der Killer, der zum Ende hin schnaufend und röchelnd durch die Korridore geistert? Ist alles nur inszeniert gewesen, von einem schmierigen Moderator einer Reality-Show?
Keine dieser Fragen wird geklärt und somit lässt der Plot-Twist am Ende des Films den Zuschauer unbefriedigt zurück.
Allerdings schafft es Regisseur Martin Schmidt das Schulgebäude mit seinen dunklen, engen Fluren geschickt einzusetzen, um eine halbwegs unheimliche Atmosphäre zu schaffen.
Die Special Effects sind sehr gut gelungen, Höhepunkt der Kreativität ist dabei der Kopf einer Schülerin, der auf einer Herdplatte brutzelt.
Weniger gelungen erweisen sich dabei die kaum nachvollziehbaren Handlungen der Schüler, die auch noch banale Dialoge von sich geben, wobei aber auch der eine oder andere Gag durchaus als gelungen bezeichnet werden kann. Ansonsten bewegen sich die schauspielerischen Leistungen auf durchschnittlichem Niveau.
Die negativen Kritikpunkte überwiegen jedoch, so dass man dem gesamten Film nur eine durchschnittliche Leistung bescheinigen kann. Zu langweilig ist der Verlauf der Handlung, auch wenn das erste Mordopfer nicht lange auf sich warten lässt. Zu übertrieben wirkt die Berichterstattung von "Final Hour", dass die angestrebte Satire im theatralischem Schauspiel des Moderators verpufft.
Erst gegen Ende wird die Spannungschraube etwas angezogen und durch die verschiedenen Zeit- und Handlungsebenen werden einige gute Ansätze aufgegriffen:
zum einen wird das tödliche Schicksal eines Schülers erst durch die TV-Sendung aufgeklärt, während die Ermordung einer anderen Schülerin in der Sendung bekannt gegeben wird, obwohl diese noch lebt. Letzten Endes sitzen alle wieder lebendig im Rahmen des Treffens im Biologieraum zusammen
und die Handlung beginnt von neuem...
Doch die Erklärungen für all diese Geschehen bleiben der Regisseur und der Drehbuchautor dem Zuschauer schuldig.
Dafür gibt es dann 5 von 10 Klassenbucheinträgen!