Review

Das Cover wirft mit Filmfestspielen um sich, es werden Vergleiche mit "Nacht der lebenden Toten" gezogen und so ganz nebenbei soll es sich auch noch um einen 1a (noch) Underground-Tip handeln. Na, da bin ich doch dabei.

"Die Infektion breitet sich durch Rattenbisse aus, bitte achten Sie auf weitere Durchsagen."

Im ganzen Raum Manhatten häufen sich Meldungen von Bissverletzungen durch Ratten. Das Komische dabei ist, dass die Gebissenen sich zusätzlich verändern. Lichtscheu werden, es sprießen die Haare und so langsam aber sicher bekommen die Betroffenen wortwörtlich eine Rattenvisage und gehen auf ihre Mitmenschen los.
Im Zentrum der Geschehnisse steht ein heruntergekommener Wohnblock an der (hier kommt der Titel) Mulberry Street.

Viele werden es gemerkt haben: Wir befinden uns in einem Zombie-Klon neufilmischer Machart und als ein solcher Vertreter bekommen wir teils wackelige Perspektiven (aber nicht im Ansatz so schlimm wie bei 28 Days und Konsorten), stylische Farbfilter (könnnten vielleicht einen Tick weniger sein) und rasante Kamerafahrten geboten, während wir einer kleinen, sympathischen Gruppe von "Normalos" beim Überleben zuschauen.
Deshalb will ich hier auch noch nicht so viel von der eigentlich Handlung preisgeben. Das eine gerade aus dem Irak-Krieg heimgekehrte Soldatin einen Part übernimmt sollte jetzt aber auch keinen Anlass zu wilden Theorien bieten, dieser Film würde ja unterschwellig über das Sein, den Krieg und Bush im Allgemeinen reflektieren. Statt mit offensichtlicher Satire zu arbeiten gibt es in der düsteren und rauen Welt der "Mulberry Street" wenig Zeit für Subtext. Wenn dann mal zwischendurch behauptet wird, dass der Präsident (oder wars nur der Bürgermeister?) in Bermuda(!) eine Sicherheitskonferenz hält, so nötig dies zwar genau wie die örtlichen Fernsehsender ("Bitte bleiben sie dran, wir haben nur eine kleine technische Störung!") ein kleines Schmunzeln ab, die Atmosphäre ist aber zu dicht um sich weiter mit solchen Nettigkeiten aufzuhalten.
Bis auf diese kleinen Seitenhiebe gibt es auch absolut nichts zu lachen, dies ist kein Horrorfilm mit ironischen Sprüchen oder witzigen Kommentaren.

Nach ein paar kleinen Startschwierigkeiten wird der Film immer besser und besser und lässt die große Konkurrenz in Form von 28 Days/Weeks later oder andere Zombieschlocker neueren Datums weit hinter sich, gerade weil er mit den Rattenmenschen ein paar gute, eigene Ideen hat, mit denen er Akzente setzt.

Am Ende bleibt eigentlich nur durch Wunsch nach einer satten Fortsetzung, vielleicht mit etwas mehr Budget, dann könnte man schön an das Ende des Streifens anknüpfen.
So oder so: Mulberry Street ist ein definitiver Tip für Zombiefans im Besonderen und Horrorfans im Allgemeinen, alte Themen werden knackig neu variiert und spannend inszeniert. Sollte man gesehen haben!

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