„Die Sopranos“ sind das Beste, was je aus dem Bereich Drama über den Bildschirm flimmerte. Es gibt nichts Vergleichbares in der Welt der unzähligen TV-Serien, die rund um die Uhr im Fernsehen laufen. Die Schauspieler, die Charaktere, die Musik, die Inszenierung, die Dialoge, die Ausstattung und vor allem die Story sind perfekt – es gibt rein gar nichts zu bemängeln.
Einen groben Einblick in die Geschichte: Anthony Soprano hat es schwer: Als Ehemann und Vater zweier Kinder ist er nicht nur zu Hause der „Boss“. Auch seine „zweite“ Familie, die Mafia, sorgt immerzu dafür, ihm das Leben stressiger und aufregender zu gestalten. Seien es nun geschäftliche Probleme im „Waste Management Business“ (etwa: Entsorgungsgeschäft), oder sein Sohn AJ, der Schwierigkeiten in der Schule hat, sowie seine Tochter Meadow die bald aufs Collage geht. Der ganze Stress führt bei ihm dazu, dass er unter Panikattacken leidet, was unter anderem auch seine Frau Carmela belastet. All das führt dazu, dass er eine Psychiaterin von nun an regelmäßig besuchen muss…
Hier setzt dann die Pilotfolge ein und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Man kann die Schreiber gar nicht genug loben: Nach fünf Staffeln ist nur ein minimaler Qualitätsabfall zu erkennen. Jede einzelne der bisher 65 existierenden Folgen ist mindestens befriedigend. Nicht selten spannend und erotisch, manchmal politisch, manchmal brutal, manchmal nachdenklich, manchmal traurig und manchmal einfach nur saukomisch („Pine Barrens“ sei hier genannt). Zu dieser hohen Qualität tragen besonders die intelligenten und spritzigen Dialoge bei. Auch die Musik ist klasse. Am Ende jeder Episode setzt ein immerzu perfekt passendes Musikstück ein, was bisweilen dazu führt, dass man den Eindruck hat, als würde ein riesiges Epos zu Ende gehen. Sehr beeindruckend. Das ganze Geschehen ist teilweise sehr brutal inszeniert. Nicht selten fließt blut, nicht selten bekommt man nackte Haut zu sehen und was die Wortwahl aller Beteiligten angeht, ist das sowieso alles andere als zimperlich. Man muss beachten, dass man es hier mit einer für das Fernsehen produzierten Serie zu tun hat. Die Schauplätze sind sehr gut gewählt. Das Sopranos Haus in New Jersey, sowie der Bada-Bing Club und Dr. Melfi’s Büro sind einem schnell vertraut. Generell kommt das New Jersey / New York Feeling gut rüber, was auch an den wunderbar klingenden Akzenten der Schauspieler liegt. Diese sind natürlich nur im Originalton zu bewundern.
Die Charaktere sind - es wie bei einer Serie natürlich Pflicht ist – sehr facettenreich und detailreich. Sie sind das Kernstück der Serie. Es wäre sinnlos auf jeden einzelnen des wunderbaren Teams einzugehen. Hervorzuheben ist die Charakterentwicklung aller, besonders die seiner beiden heranwachsenden Kinder. Beide leiden unter dem ihnen bekannten Beruf ihres Vaters (sehr gelungen in einer der ersten Folgen ist der „Are you in the Mafia?“-Dialog zwischen Tony und Meadow). Meadow wird von Staffel zu Staffel reifer und erwachsener, während AJ sich erst noch durch die Pubertät kämpfen muss. Sehr interessant und mir persönlich sehr ans Herz gewachsenen ist die Figur des innerhalb der Mafia-Family aufsteigenden Christopher, der später stark mit Drogenproblemen zu kämpfen hat, obwohl er für Tony der am meisten in Frage kommenden Nachfolger für die Rolle des Bosses ist, sollte ihm etwas zustoßen. Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten der beiden sind dennoch nicht ausgeschlossen, was zur Spannung manchmal enorm beträgt. Die restlichen unzähligen Charaktere wie z.B. seine Frau Carmela, seine Mutter Livia, die Psychiaterin Dr. Melfi, der Restaurantbesitzer Artie, Uncle Junior, Paulie und Sil etc. – es sind einfach zu viele. Eigentlich schade, denn alle haben ihren besonderen Platz im Ganzen.
Der Cast ist perfekt. Das Ensemble hat nicht umsonst etliche Preise gewonnen. Das größte Lob gehört natürlich den beiden Hauptakteuren James Gandolfini und Edie Falco als Mr. und Mrs. Soprano. Beide gehen großartig in ihren Rollen auf. Erstklassig und ebenfalls erwähnenswert wäre Michael Imperioli in der Rolle des Christopher, der nicht nur ein toller Schauspieler ist, sondern auch ein sehr guter Drehbuchautor, was er bei einigen Folgen bereits unter Beweis stellen konnte. Der Rest ist wie schon gesagt makellos und die Gesichter hat man eigentlich fast alle schon einmal in irgendwelchen Filmen in Nebenrollen gesehen.
Familie, Liebe, Freundschaft, Feindschaft, Vertrauen, Verschwörung, Verrat - alles verschmilzt zur vollkommenen Mischung. Etwas Besseres wird es nie wieder geben. Lasst es euch nicht entgehen. Mir bleibt ja nichts anderes übrig: 10/10!