"Die wilden 70er" zählt für mich ohne Frage zu einer der besten, weil mit Abstand lustigsten Sitcoms überhaupt. Die prägenden Ereignisse besagter Epoche werden nur sehr oberflächlich behandelt. Die Ära Nixon, die Watergate-Affäre usw werden wenn überhaupt nur kurz angeschnitten oder komplett vernachlässigt. Jene Intention wurde von den Machern nicht verfolgt. "Die wilden 70er" soll in erster Linie der Unterhaltung dienen. Zudem versuchte man das Lebensgefühl dieser Generation einzufangen, was dank des Glamours, der bunten Optik, den groovy Klamotten, dem Sex, den Drugs und dem Rock 'n' Roll toll gelingt. Auch musikalisch bleiben die 70er nicht vollkommen auf der Strecke, innsbesondere was Classic- und Hard Rock angeht, personifiziert durch den später einen Plattenladen leitenden Stephen Hyde. Die ebenfalls zu dieser Zeit recht populäre Discomusik erntet dagegen der mit der Serie angestrebten Zielgruppe entsprechend eher Verspottung. Exemplarisch sei das "Festival" genannt, bei dem großzügig Schallplatten aus der Sparte verbrannt werden. Der Auftritt der fiktiven Village People spricht für sich!
Hello Wisconsin!
Angesiedelt ist "Die wilden 70er" irgendwo in einem kleinen Kaff namens Point Place im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin, welches jedoch nicht in Wirklichkeit existiert und lediglich als unbedeutender Schauplatz dienen soll. Hier verfolgen wir das immerzu sehr komische Treiben einer kleinen, verrückten Clique von Jugendlichen, bestehend aus dem naiven Eric Forman, dem extrem dummen Michael Kelso (köstlich: Ashton Kutcher, der durch eben diese Rolle seinen Durchbruch erlangte), Macho Hyde, dem smarten "Ausländer" Fez, der Diva Jackie und der im Vergleich zu den anderen halbwegs erwachsenen Donna. Relevant ist auch Erics Familie, da sich das Geschehen größtenteils im Keller und dem Haus der Formans abspielt. Erics Erzeuger sind der vollkommen misanthrope Red (welcher als einzigster Protagonist schon mal jemanden umgebracht hat und nicht sagt das es ihm keinen Spass gemacht habe) und seine liebevolle Frau Kitty. Außerdem ist Eric "stolzer" Bruder des Flittchens Laurie, die jedoch eher selten in Erscheinung tritt. Ach ja, den Sunny Boy Bob Pinciotti, Vater von Donna und Nachbar von Red, sollten wir vielleicht auch nicht außen vor lassen. Beizeiten ändert sich diese Zusammensetzung dann geringfügig. Eric geht schließlich nach Afrika und auch von Michael Kelso müssen wir uns irgendwann verabschieden. Dafür machen wir schon sehr früh die Bekanntschaft von Hippie Leo (großartig verkörpert von keinem geringeren als Tommy Chong) und dem freundlichen Randy.
Daraus lässt sich die ungemein konträre Wahl der Charaktere schon ziemlich gut ableiten. Was das Ganze allerdings wirklich auf die Spitze treibt ist die absolut einmalige Konstellation der Akteure, welche sich zu 150% mit ihrem verkörperten Format indentifizieren können und sich optimal ergänzen. Jene Perfektion lässt sich nicht mehr in Worte fassen! Ergänzt wird dies von einer so unglaublich hohen Gagdichte (alle zünden, ohne Ausnahme), das es in der Magengegend fast wehtut und das beinahe trifft dabei auch nur manchmal zu. Das Schöne dabei ist auch das trotz seiner inzwischen recht hohen Zahl von 8 Staffeln mit insgesamt gut 200 Folgen das Niveau bis zum Schluss keineswegs groß eingebüßt wurde. Wahnsinn!
Es ist nicht nur der ungemein fruchtende Witz, die tollen Charaktere und die grandiose Besetzung die "Die wilden 70er" zu einem echten Erlebnis machen, sondern auch die vielen kleinen, aber feinen Unterschiede, sei es nun das Markenzeichen der Serie (die vielen urkomischen Kifferrunden), die visuelle Brillianz und so raffinierte Spielereien wie beispielsweise die Folge in der so gut wie sämtliche Hitchcock-Klassiker parodiert werden oder die immer wieder kurz eigespielten "Lehrfilmchen".
All das und noch viel mehr macht "Die wilden 70er" aber nicht nur zu einer der besten Sitcoms, sondern generell einer der sehenswertesten Serien die jemals das Licht dieser schönen Welt erblickt haben!!!