Review

Gibt es was Schlimmeres als schlechte Filme, die noch nicht mal lustig sind?
Ja – belanglose Filme oder filmische Werke, die sich nicht für eine eigene Identität entscheiden können.
Die sind dann nicht schlecht – die hat man am nächsten Tag leider praktisch schon wieder vergessen.

So ähnlich läuft es auch mit „The Nanny Diaries“, einer Romanverfilmung mit Scarlett Johannson, die sich vom Mondänen hier mal weg und auf das Normale zu bewegt, was aber meistens keine kluge Entscheidung ist, wenn man ein so klassisches Gesicht mit sich herum trägt.
Sie spielt in diesem Film eine Studienabsolventin, die sich an der Schwelle zum Berufsleben bewußt wird, daß sie eigentlich erst mal erfahren möchte, wer sie eigentlich ist und so, als ein Zufall und eine Verwechslung sie dazu machen, sich als Nanny eines Kleinkindes bei einer disfunktionalen 5th –Avenue-Familie versucht.

Man kann schon den Film als Ganzes ganz gut erahnen, wenn man die Genres überfliegt, die ihm angehängt werden: Komödie, Drama, Romanze – von allem wird ein wenig über den Film verteilt.
Mit einigem optischen Geschick beginnt man mit skurilen modernen Typisierungen über Erziehung und Familien, stürzt dann die Hauptfigur in ein Milieu, in dem sie wie eine Flipperkugel herumgeschleudert wird, schmeißt einen knuffigen Typ in den Mischmasch und dreht dann an der Dramaschraube, denn kaputte Ehen von reichen Leuten und die darunter leidenden Kinder sind natürlich eine ernste Sache.

Ein wenig Respekt muß man dem Regie-Duo Pulcini und Berman (immerhin: auf ihr Konto geht der hervorragend ungewöhnliche „American Splendor“) schon zollen, daß sie das Werk über weite Strecken einigermaßen in der Balance halten, so daß es nicht ganz so formelhaft aussehen läßt. Komische Einschübe, ein bißchen Mary-Poppins-Tagträumerei und peinliche Momente, sowie ein relativ kurz gehaltener Chris Evans machen die Sache eigentlich über weite Strecken erträglich, wenn auch nicht besonders einprägsam.

Da stößt man sich dann nicht ganz so brutal an der vermutlich realistischen, aber dennoch übelst stilisierten Bruchfamilie mit dem fremdgehenden Ehemann, der verzweifelten Ehefrau und dem agressiven, aber eigentlich liebenswerten Kind, die Soapähnliches abspulen müssen, während man selbstverständlich von dem Umgang mit der „Angestellten“ bzw. ihrer Ausnutzung zunehmend genervt ist und Gerechtigkeit fordert. Das aber ist dann auch wieder Manipulation, zu glatt, übersichtlich und berechenbar sind alle Konflikte.

Gegen Ende dann verheddert sich die Story in den Klischeenetzen, wenn der fiese Daddy (unglaublich unterfordert: Paul Giamatti) die Nanny begrabscht und als Selbstschutz die Mammy (dick aufgetragen: Laura Linney) natürlich die Betroffene feuert. Doch: Menschlichkeit ist möglich und selbstverfreilich gibt es Gerechtigkeit via Nanny-Cam, auch wenn die ganze Konstruktion (ich bringe keinen Camfilm auf ein Treffen mit, um dort erst das Material zu sichten, ob denn was Brauchbares drauf ist) in den Gelenken quietscht und ächzt.

Natürlich findet die Prinzessin ihren Weg, kriegt den netten Burschen und Mommy macht plötzlich nach einer Videotirade die absolute Kehrtwende zum Besseren – das alles ist dann doch wieder arg verloren und sirupsüß, obwohl das der Film gar nicht nötig gehabt hätte, etwas mehr Sachlichkeit hätte einer Tatsachenstory wenigstens einen Hauch Wirklichkeit verpaßt.

Alles zusammen ergibt ein paar unterhaltsame Ansätze, die aber dann doch an zuviel Offensichtlichkeit kranken, um dann in der Schlußphase an dem Üblichen erkranken, um daraus einen möglichst breit abräumenden Unterhaltungsfilm draus zu machen, der schön gelackt und poliert daherkommt, mit einer Botschaft, die von Anfang sowieso schon klar war. Nur eine Zielgruppe gibt es dafür nicht, denn die Reichen werden sich kaum ändern, die „Normalen“ werden es nicht können und Träume verkaufen kann man damit auch nicht – spätestens beim Befüllen der Kaffeemaschine hat die Realität alles verwischt. Gründlich. (5/10)

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